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Kartonabfälle am ZürichseeDie Päckliflut hinterlässt eine Kartonschwemme

Der Onlinehandel hat stark zugenommen. Das wirkt sich auf die Kartonabfuhr in den Gemeinden der Region Zürichsee aus. Die Haufen am Strassenrand werden grösser.

Weihnachten sorgt neben dem wachsenden Onlinehandel für zusätzliche Kartonabfälle, wie die jüngste Sammlung in Stäfa zeigte.
Weihnachten sorgt neben dem wachsenden Onlinehandel für zusätzliche Kartonabfälle, wie die jüngste Sammlung in Stäfa zeigte.
Foto: Patrick Gutenberg


Nichts belegt Veränderungen besser als Zahlen. Wurden im Bezirk Horgen zwischen 2017 und 2019 noch jährlich etwas über 1900 Tonnen Karton gesammelt, stiegen sie 2020 sprunghaft auf 2400 Tonnen an. Das sind am linken Zürichseeufer über 20 Prozent mehr Kartonabfall innerhalb nur eines Jahres. Der Trend zum Onlinehandel hat also mit dem Corona-Jahr raketenartigen Vorschub erhalten.

Das zeigt auch das Einzelbeispiel Adliswil. Dort ist die Kartonmenge gemäss der Kommunikationsverantwortlichen Nina Susedka in den Vorjahren nur leicht gestiegen auf rund 16 Tonnen pro Monat. 2020 aber werden es «voraussichtlich über 20 Tonnen pro Monat sein», sagt sie. Das entspricht ebenfalls einer Zunahme von 20 Prozent.

Meilen mit Rekordzuwachs

Die Kartonsammlungen im Bezirk Horgen werden vom Zweckverband für Abfallverwertung durchgeführt. Im Bezirk Meilen gibt es keine solche zentrale Organisation, daher fehlen hier Sammeldaten für die gesamte Region. Zudem gibt es an der Goldküste riesige Unterschiede zwischen den Zuwachsraten beim Kartonabfall. In Küsnacht stellt Rolf Steiner, Leiter Tiefbau in der Verwaltung, in den letzten beiden Jahren gegenüber 2018 «eine leichte Zunahme» fest. 2019 und 2020 hingegen ergaben «praktisch die gleiche Menge». In Stäfa kam der Zuwachsschub schon 2019, für 2020 liegen erst provisorische Zahlen vor, die mit 217 Tonnen leicht unter der Vorjahresmenge liegt.

In Hombrechtikon wurde im Corona-Jahr doch messbar mehr Karton gesammelt. Waren es in den Jahren zuvor je rund 140 Tonnen, fielen 2020 152 Tonnen an. Gemeindeschreiber Jürgen Sulger führt das direkt auf die Päcklipost zurück. «Seit dem Lockdown verzeichnet der Onlinehandel einen rasanten Anstieg bei den Bestellungen, das hat zu einer deutlichen Zunahme der Kartonmengen geführt.»

Den grössten Zuwachs an Kartonabfall in der von dieser Zeitung bei acht Gemeinden durchgeführten Umfrage weist Meilen auf. Laut Gemeindeschreiber Didier Mayenzet hat sich die Kartonmenge «2020 im Vergleich zu 2019 um ein Drittel erhöht».

Öfter sammeln?

Die Stadt Zürich hat auf den Anstieg der Kartonmengen bereits reagiert. Ab diesem Jahr verdoppelt sie die Abfuhrtage von monatlich auf alle zwei Wochen. Solche Szenarien gab und gibt es auch in der Seeregion. «Diese Überlegungen finden statt», sagt Rolf Baumbach, Leiter Werke der Stadt Wädenswil, wo monatlich einmal gesammelt wird. Marco Gradenecker, Abteilungsleiter Energie und Umwelt in Horgen, teilt zur Sammeltour mit: «Sollte die Menge weiterhin zunehmen, müssen wir dies prüfen, 2021 werden wir bei 14 Sammlungen bleiben.»

Oberrieden hält laut dem Abteilungsleiter Tiefbau und Umwelt, Patrick Kyburz an den zwölf Kartonsammlungen im Jahr fest. Küsnacht sieht derzeit ebenfalls keinen Grund, mehr als acht Sammlungen durchzuführen. «Eine Erhöhung der Kartonsammeltouren ist zurzeit nicht geplant», sagt auch Nina Susedka von der Stadt Adliswil.

Anders in Meilen, das auf die Päckliflut bereits reagiert hat. 2021 werden gegenüber dem Vorjahr zwei Sammlungen mehr, also nunmehr elf, durchgeführt, wie Gemeindeschreiber Mayenzet berichtet. Noch früher hat Stäfa die Frequenz erhöht, wie der Fachbereichsleiter Marcus Bosshard mitteilt: «Bis 2019 waren es acht Sammlungen pro Jahr, seit 2020 sind es zwölf.»

In Hombrechtikon ist es trotz Zuwachs der Kartonmengen egal, wie oft Sammeltouren stattfinden. Dort bringen die Einwohner ihren Karton selbst in die kommunale Sammelstelle Holflüe, wie Gemeindeschreiber Sulger erklärt. «Die Kapazitäten an der dezentralen Altstoffsammelstelle sind ausreichend.»