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Knatsch um Lauberhorn-FinanzenDie öffentliche Hand muss den Mythos retten

Die Zukunft der Lauberhornrennen ist gesichert. Möglich gemacht hat dies Bundesrätin Viola Amherd – und der Kanton Bern, der den Event finanziell stärker unterstützt.

Das Spektakel am Lauberhorn darf weitergehen.
Das Spektakel am Lauberhorn darf weitergehen.
Foto: Keystone

Sie geizten nicht mit Kritik. Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann warf den Organisatoren der Lauberhornrennen unter anderem vor, zu wenig von der Vermarktung zu verstehen. Weil ihr Anlass trotz Rekordbesucherzahlen defizitär ist. Urs Näpflin, der Wengener OK-Präsident, sprach derweil davon, der Verband wolle seinem Event den Kopf abschlagen. Dies, weil Swiss-Ski beim Internationalen Skiverband FIS beantragt hatte, das Lauberhornrennen aus dem provisorischen Kalender 2021/22 zu streichen.

Nun sitzen die beiden im Medienzentrum des Bundeshauses – Seite an Seite – und lächeln. Möglich gemacht hat dies Bundesrätin Viola Amherd. Am von ihr einberufenen runden Tisch, bei dem auch der Berner Regierungspräsident Christoph Ammann und Baspo-Direktor Matthias Remund zugegen waren, konnten sich die Konfliktparteien einigen.

«Wir haben intensive Gespräche geführt, die sehr konstruktiv waren», sagt Amherd. Und verkündet dann: «Die Durchführung der Lauberhornrennen ist auf weitere Jahre sichergestellt.» Dass sie sich überhaupt einschaltete, zeigt, welche Strahlkraft der Anlass hat.

Die Wengener ziehen die Klage zurück

Zuerst einmal machen allerdings alle Parteien klar, dass sie keine Details nennen wollen. Weil die schriftliche Vereinbarung erst in den nächsten Tagen aufgesetzt und unterzeichnet wird. Sobald dieser Schritt erfolgt, werden die Organisatoren der Lauberhornrennen ihre Klage vor dem Internationalen Sportgericht CAS zurückziehen.

Damit ist der grösste Streitpunkt aus der Welt geschafft. Die Wengener waren 2018 ans CAS gelangt, weil sie von Swiss-Ski als Rechteinhaber eine Million Franken pro Jahr an zusätzlichem Geld forderten. Ein Zwischenurteil des CAS dürfte offengelegt haben, dass sie damit durchkommen könnten.

Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann (links) und OK-Chef  Urs Näpflin einigten sich dank der Hilfe von Bundesrätin Viola Amherd.
Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann (links) und OK-Chef Urs Näpflin einigten sich dank der Hilfe von Bundesrätin Viola Amherd.
Foto: Keystone

Lehmann aber machte von Anfang an deutlich, dass der Verband diesen Betrag weder zahlen will noch zahlen kann. Deshalb drohte er damit, den Anlass zu streichen. Diesen Antrag zog Swiss-Ski aber am Sonntag zurück, nachdem es eine Spende des Berner Unternehmers Jörg Moser von über 300’000 Franken erhalten hatte, was ungefähr dem strukturellen Defizit einer Austragung entspricht.

Damit ebnete der Verband den Weg für eine Einigung mit den Organisatoren. Und er macht noch einen weiteren Schritt auf sie zu, wobei Lehmann von einer «Vision 2023» spricht, von welcher sämtliche Organisatoren von Weltcup-Rennen in der Schweiz profitieren würden. Man kann dieses Statement durchaus als Zeichen verstehen, dass der Verband seine finanzielle Unterstützung erhöhen wird.

Kanton Bern erfüllt Lehmanns Forderung

Auch die Wengener tragen ihren Teil zur Lösung bei, indem sie den begehrten Werbeplatz am Hundschopf freigeben. Im nächsten Jahr dürfte dort ein Torbogen stehen, womit das OK zusätzliche Einnahmen generieren kann.

«Beide Parteien haben einen grossen Schritt aufeinander zu gemacht», sagt Näpflin. Seine Massnahme hilft zwar, das Defizit zu verringern – doch es wird damit nicht getilgt. Hier kommt nun der Kanton Bern ins Spiel. Er wird sich finanziell stärker am Anlass beteiligen – dank des Tourismusförderungsgesetzes, das seit 2018 in Kraft ist.

Das Gesetz ermöglicht dem Kanton Bern, jährliche Beiträge von 500’000 bis 900’000 Franken zu sprechen. Wie hoch die Beteiligung ausfallen wird, wollte Ammann noch nicht sagen, weil er das Geschäft erst mit seinen Regierungsratskollegen besprechen muss. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass diese ihm keine Steine in den Weg legen werden.

Davon profitieren dürften auch die Veranstalter der Rennen in Adelboden, mit ihnen führt der Regierungsrat ebenfalls Gespräche. Damit erfüllt die öffentliche Hand also eine Forderung Lehmanns. Dieser hatte schon länger bemängelt, dass sich das Wallis und Graubünden stärker an ihren Anlässen beteiligten.