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Erfolgreiche FlüchtlingeDie Musterschüler aus Syrien

Sie hatten alles verloren, aber dann fanden sie in Berlin etwas, das ihnen keiner mehr nehmen kann: Wissen. Von Flüchtlingskindern, die gelernt haben, dass sehr gut manchmal nicht gut genug ist.

Berufswunsch Ärztin: Sedra al-Tarris, 20 Jahre alt, in ihrer Berliner Wohnung.
Berufswunsch Ärztin: Sedra al-Tarris, 20 Jahre alt, in ihrer Berliner Wohnung.
Foto: Verena Mayer

Der Bücherstapel auf dem Tisch reicht ihr bis zum Kinn, aber Sedra al-Tarris sieht so aus, als könne sie es nicht erwarten, ihn abzuarbeiten. Heute sind drei Bände dran: «Textverständnis», «Mathe-Leitfaden», «Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis». Da werde sie wohl bis ein Uhr morgens dran sitzen, sagt sie, als gäbe es nichts Schöneres. Sie will Medizin studieren, also kein Gejammer.

Sedra al-Tarris ist 20 und spricht erst seit sechs Jahren Deutsch. Sie ist Ende 2014 aus Syrien geflüchtet, wenige Monate vor dem Sommer, der als «Europäische Flüchtlingskrise» in die Geschichte eingegangen ist. Sie kam in eine der Willkommensklassen, die damals in ganz Deutschland eingerichtet wurden. Die Klassen hatten nicht den besten Ruf, sie wurden irgendwie zusammengewürfelt, es gab keine richtigen Lehrpläne und oft nicht einmal richtige Lehrer. Aber Sedra al-Tarris schaffte es. Erst aufs Gymnasium. Und letzten Sommer machte sie dann die Matura, im Corona-Jahr: Notendurchschnitt 1,3. Die Bestnote in Deutschland ist eine 1.

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