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Kolumne «Miniaturen des Alltags»Die Meinungsmacher

Jemandem einen Gefallen tun kann in die Hose gehen. Das musste ich unlängst feststellen.

Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Illustration: Olivier Samter

Eigentlich begann es ganz harmlos. Mit einem Anruf. «Guten Tag, hier ist das Marktforschungsinstitut. Könnten Sie uns ein paar Fragen beantworten?» Ich hatte Mitleid mit dem armen Telefonisten. Also konnte ich.

Wenige Tage später flatterte ein Couvert ins Haus. Darin enthalten: Eine Zehnernote und ein Schreiben der Uni Lausanne. Der Adressat sei bitte so freundlich und beantworte in den nächsten Tagen ausführlich diverse Fragen am Telefon. Auch diese Kröte schluckten wir. Schliesslich wurde sie ja von einem Zehnernötli begleitet, und dieses so unverdient einzusacken, behagte uns nicht. Drei Tage später stapelten sich vier identische Couverts auf dem Küchentisch. Adressiert an weitere Familienmitglieder und bestückt mit demselben gelben Nötli. Wir überlegten kurz, ob wir unseren Lebensunterhalt künftig mit dem Beantworten von Interviewfragen bestreiten sollten, entschieden uns dann aber dagegen.

Ich atmete auf, nachdem ich meinen 60-minütigen Interviewteil hinter mich gebracht hatte. Doch die Freude war von kurzer Dauer. Ab dann ging es erst richtig los. Täglich klingelte das Telefon und irgendeine Person wollte meine Meinung zu irgendeinem Thema. Ich weiss nicht, wie viele Marktforschungsinstitute es in der Schweiz gibt – aber ich bin sicher, dass jedes einzelne sich bei uns gemeldet hat.

Doch unlängst liess ich mich nochmals erweichen. Ein Mann versprach, seine Befragung zügig zu führen. In atemberaubendem Tempo legte er los: «Wlchen Insititutionn vrtrauen sie mhr: Spitälrn, Universitätn oder Kranknkassn? Wofr würdn Sie Datn zur Verfügng stlln? Untr wlchen Bedingngen? Antwort zwschn eins und zehn?» Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei. «5 Minuten 20 Sekunden, das ist ein neuer Rekord, Frau Bättig!» Ich fühle mich geehrt.