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Zürcher Sieg mit UmwegenDie Lions üben Boxplay – und siegen

Trotz acht Mal Unterzahl gewinnt der ZSC in Rapperswil-Jona mit 2:1 nach Verlängerung. Ludovic Waeber feiert seinen zweiten Sieg mit den Lions, Sven Andrighetto und Fredrik Pettersson schiessen die Tore.

Schon wieder in Unterzahl: Die Zürcher Boxplay-Spieler Dario Trutmann (Mitte) und Reto Schäppi wehren sich gegen Rapperswils Topskorer Roman Cervenka.
Schon wieder in Unterzahl: Die Zürcher Boxplay-Spieler Dario Trutmann (Mitte) und Reto Schäppi wehren sich gegen Rapperswils Topskorer Roman Cervenka.
Foto: Patrick B. Kraemer (Keystone)

Es war am Ende alles ein wenig komplizierter, als es zunächst den Anschein machte. Der ZSC machte sich an diesem Samstagabend das Leben mehrfach schwer. Auch, weil er plötzlich Strafe um Strafe kassierte und den Gegner aufbaute. Sieben waren es nach zwei Dritteln, acht am Ende. Acht Mal Boxplay und dennoch ein 2:1-Overtime-Sieg? Schon das alleine zeigt auf: Es war ein erkämpfter, erknorzter Sieg in einer Partie, in der die zumindest in Theorie spielerischen Vorteile der Lions immer weniger eine Rolle spielten.

Sven Andrighetto schoss die Zürcher kurz vor Ende des Mitteldrittels 1:0 in Führung, selbstverständlich in Unterzahl. Und obwohl dieser Treffer etwas Ruhe ins Zürcher Spiel brachte, brauchte es dennoch den Umweg via Overtime. Nando Eggenberger, der das 0:1 mitverschuldet hatte mit einem Puckverlust als hinterster Lakers-Spieler, traf zum 1:1 nach 58 Minuten und rettete seinem Team wenigstens einen Punkt. Zu mehr reichte es nicht: Die Lions konnten die Verlängerung in Überzahl beginnen, Fredrik Pettersson schoss sie zum Sieg.

Andrighetto erzielte seinen Treffer völlig unbedrängt. Dass Spieler zu Solo-Chancen kamen, war nichts Aussergewöhnliches in diesem je länger, je wilderen Spiel, beide Torhüter zeigten sich von ihrer besten Seite. Bei den Lions stand zum zweiten Mal der eigentliche Ersatzmann Ludovic Waeber im Tor, erneut war er siegreich und spielte tadellos.

Der Zürcher Blitzstart mit der Chancenflut

Wie sehr aber hatte alles anders begonnen. Wenn Trainer jeweils gerne vom ersten Shift als jenen Moment sprechen, in dem das Team bereits eine Duftmarke setzen soll und auch zeigen, wie es sich das Spiel so vorstellt, dann war das kein gutes Omen für die ZSC Lions. Roe vertändelte den Puck nach wenigen Sekunden hinter dem eigenen Tor, das deutete auf einen schlampigen Start hin – und dennoch konnte kurz danach von einem geglückten Zürcher Auftakt die Rede sein.

Der ZSC legte halt erst ab dem zweiten Shift los – und wie! Was folgte, sorgte für Ruhe in der Heimarena der Lakers und vor allem für eine bange Frage bei Spielern wie Fans von Rapperswil-Jona: Überstehen wir das? Roman Wick, Marco Pedretti, Christian Marti, Reto Schäppi und Roe. Das ist keine willkürliche Aufzählung von Zürcher Spielern, das war jenes Quintett, das hintereinander alleine und unbedrängt vor dem Rapperswiler Tor zu einer Top-Chance kam – gespielt waren da erst gut sechs Minuten.

Die Zürcher zeigten Spielfreude und ein effizientes Transitions-Spiel. Nach ein, zwei Pässen und drei, vier Sekunden hatten sie von Verteidigung auf Angriff umgeschaltet, schnelle Gegenstösse lanciert, 2-gegen-1-Situationen kreiert.

Melvin Nyffeler wäre im Normalfall in der Nachbetrachtung als «bedauernswerter Lakers-Goalie» beschrieben worden, doch er hielt drei Mal grossartig und hatte zwei Mal Glück. Zürich glänzte und tanzte, verpasste bloss das Toreschiessen. Dann kamen die Strafen, der Schwung verpuffte, es wurde der Knorz. Ein immerhin spektakulärer Knorz mit dem besseren Ende für die Lions, trotz Umweg via Overtime.