Zum Hauptinhalt springen

Interview mit dem Bosnien-Beauftragten«Die Leute laufen von hier weg»

Valentin Inzko wacht als Hoher Repräsentant über die Umsetzung des Abkommens von Dayton, das vor 25 Jahren Frieden in dem Balkanland brachte. Nun warnt er: «Eingefrorene Konflikte bleiben nicht ewig eingefroren.»

«Aber der Friede war nur der Anfang, nicht das Ende»: Der österreichische Diplomat Valentin Inzko wacht über den Frieden in Bosnien-Herzegowina.
«Aber der Friede war nur der Anfang, nicht das Ende»: Der österreichische Diplomat Valentin Inzko wacht über den Frieden in Bosnien-Herzegowina.
Foto: Leonhard Foeger (Reuters)

Vor 25 Jahren wurde das Dayton-Abkommen unterzeichnet, das Bosnien-Herzegowina befriedet hat. Sind Sie in Feierstimmung?

Ja und nein. Es hatte vor dem Abkommen insgesamt 30 Waffenstillstände gegeben, und dann hat Dayton endlich den wirklichen, dauernden Waffenstillstand gebracht, bis heute. Am Hindukusch, im Libanon, im Gazastreifen gibt es Generationen, die haben nie Frieden erlebt. Verglichen damit müssen wir natürlich sehr zufrieden sein mit diesem Vertrag. Aber der Friede war nur der Anfang, nicht das Ende.

Das Land ist vordergründig friedlich, aber die Rhetorik dahinter ist mitunter das Gegenteil davon. Der Präsident der serbischen Teilrepublik, Milorad Dodik, hat Sie kürzlich vor dem UNO-Sicherheitsrat als «Monster» bezeichnet.

Ja, er hat mich auch schon einen Kriminellen genannt, einen Viehhändler, eine Prostituierte. Die Jugendorganisation seiner Partei hat mir 5000 Postkarten geschickt mit dem Slogan: Inzko Go Home. Auf 20 davon standen auch Morddrohungen, eine davon war gegen meinen Sohn gerichtet. In mangelhaftem Deutsch, aber schlimm genug.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.