Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zur Aufstellung des FCZDie letzte Chance für den Schweizer Fussball

Der FCZ tritt am Dienstag mit der U-21 in Basel an. Das ist sportlich nicht fair. Und trotzdem richtig.

Ist der zehnte positiv bestätigte Corona-Fall beim FC Zürich: Präsident Ancillo Canepa.
Ist der zehnte positiv bestätigte Corona-Fall beim FC Zürich: Präsident Ancillo Canepa.
Foto: Keystone
Mirlind Kryeziu: Er war der erste positiv getestete Corona-Fall bei den Zürchern.
Mirlind Kryeziu: Er war der erste positiv getestete Corona-Fall bei den Zürchern.
Foto: Keystone
Nach Kryeziu wurden weitere positive Fälle bekannt: Vermutlich hatten sich die Spieler und Staffmitglieder auf der Carfahrt nach Neuenburg am 7. Juli angesteckt.
Nach Kryeziu wurden weitere positive Fälle bekannt: Vermutlich hatten sich die Spieler und Staffmitglieder auf der Carfahrt nach Neuenburg am 7. Juli angesteckt.
Foto: Keystone
1 / 3

Vielleicht stecken beim FC Zürich auch Schuldgefühle mit drin bei seinem jüngsten Entscheid. Er wird am Dienstag mit der U-21 beim FC Basel antreten und bringt damit die Liga nicht in noch grössere Nöte, weil alle seine Profis in Quarantäne mussten und die Partie vom Samstag gegen Sion nicht gespielt werden konnte. Zehn Personen wurden beim FCZ in den vergangenen Tagen positiv auf das Coronavirus getestet. Ob sich der Club tatsächlich so vorbildlich verhalten und alle Schutzmassnahmen befolgt hat, wie es die Clubführung behauptet, wissen nur die Insider.

Zumindest das Verhalten einzelner Spieler im Training mit gegenseitigem Abklatschen lässt vermuten, dass nicht alle im Verein den Ernst der Lage erfasst haben. Und bestimmt war es nicht clever, dass ausgerechnet Vereinspräsident Canepa jüngst einen Sieg mit den Spielern auf dem Rasen feierte. Oder dass er im Bus sass zum Auswärtsmatch in Neuenburg. Diese Reise könnte die ganze Ansteckungskette ausgelöst haben. Und der 67-jährige Canepa trägt das Virus nun ebenfalls in sich.

Der FCZ beim FCBdas ist schon keine Erfolgsgeschichte, wenn die 1. Mannschaft unter ganz normalen Umständen antritt. Von den vergangenen zehn Auswärtsspielen verlor der FCZ deren neun, einmal spielte er unentschieden. Die jüngsten fünf Partien in Basel verlor er ohne ein einziges erzieltes Tor 0:4, 0:3, 0:2, 0:3, 0:1.

Es ist aber das kleinste aller Übel in einer Situation, für die es keine gute Lösung gibt.

Trotzdem kratzt es nun erheblich an der Glaubwürdigkeit des sportlichen Wettbewerbs, wenn die Zürcher mit der U-21 antreten. Es ist noch nicht lange her, da hat der FCZ auswärts mit dem stärksten Aufgebot den Meisterkandidaten St. Gallen besiegt. Jetzt tritt beim Meisterkandidaten Basel mit einem Team an, das in diesem Jahr noch kein Wettbewerbsspiel bestritten hat. Und am nächsten Wochenende empfängt er den Meisterkandidaten YB vielleicht wieder mit der 1. Mannschaft.

Fair ist das nicht. Es ist aber das kleinste aller Übel in einer Situation, für die es keine gute Lösung gibt. Der Profifussball kämpft wie andere Branchen darum, dass es irgendwie weitergeht. Das muss er tun, es geht nicht nur um die Unterhaltung des Publikums in einer derzeit auf allen Ebenen interessanten Meisterschaft, es geht auch um handfeste Interessen, um viele Arbeitsplätze. Darum ist gut, dass es weitergeht. Nur ist es auch so: Wenn der FCZ mit der U-21 in Basel auflaufen muss, ist das für den Schweizer Fussball die letzte Chance, mit einem blauen Auge davonzukommen. Einen zweiten Fall FCZ erträgt es nicht mehr. Dann wäre die Zeit für einen Abbruch gekommen.