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Grossprojekt «Chance Uetikon»Die Krux mit der Beteiligung

Die Uetiker Bevölkerung ist an der Entwicklung des Chemieareals beteiligt. Nun stellt sich die Frage, wie mit ihrer Kritik umgegangen wird.

Regula Lienin, Reporterin Zürichsee-Zeitung. Bild: Manuela Matt
Regula Lienin, Reporterin Zürichsee-Zeitung. Bild: Manuela Matt

Haben Sie sich auch schon gewundert, dass während Jahren geplante Bauprojekte an der Urne versenkt werden? Oder die Planung für etwas Neues nicht vom Fleck kommt, weil es Einsprachen oder andere Interventionen von Gegnern gibt? Das Phänomen zeigt sich gehäuft in der Stadt, kommt aber auch in den Gemeinden vor. Über die Gründe des Scheiterns oder der Verzögerungen gibt es immer individuelle Erklärungen. Jedes Projekt ist anders, in eine andere Umgebung eingebettet, mit einer anderen Vorgeschichte, Finanzierung und anderen Beteiligten.

Kommt der unberechenbare politische Prozess hinzu. Als eher baufreundliche Zeitgenossin, die gerne in einer verdichteten Umgebung wohnt, erstaunen mich immer wieder die Emotionen, die sich spätestens vor den Abstimmungen zeigen. Wie war wohl die Mitwirkung gelaufen? Hatte man die Kritiker ernst genommen oder sie wie Schulbuben abgekanzelt? Sind vielleicht doch die vehementen Gegner einfach nur egoistische Sturköpfe, Verhinderer, weil ihnen ein Detail nicht passt oder ihnen eine Baustelle vor dem Haus droht?

In Uetikon ist ein spezielles Projekt in Planung. Auf dem ehemaligen Chemieareal am See soll nichts weniger als ein neues Quartier entstehen. Verantwortlich für die Planung sind die Gemeinde und der Kanton, die beiden Besitzer des Grundstücks. Später wird der Kanton die Kantonsschule und eventuell die Berufsschule bauen, ein Investor im Auftrag der Gemeinde den Wohnteil. Für die Bevölkerung gibt es den lang ersehnten Seepark, öffentliche Räume und weitere Nutzungsmöglichkeiten.

Dank der Ansiedlung von Schule und Gewerbe ist ein lebendiger Mix neben Wohnen garantiert. «Chance Uetikon» hat das Potenzial, etwas Grossartiges zu werden. Bis vor kurzem lief alles nach Plan. Doch nun, kurz vor der Auflage der beiden Gestaltungspläne, prescht die Lobby für Uetikon vor. Sie, ein Sammelbecken Parteiloser und Vertreter der Ortsparteien CVP, EVP, Grüne und SP, fordert Anpassungen. Der Grund: Sie seien nicht sicher, ob sie ernst genommen würden.

Die Lobby war mit mehreren Botschaftern während der letzten zwei Jahre an der Mitwirkung beteiligt. Einige von ihnen engagieren sich schon lange für ein Uetikon am See. Sie wissen: Man kann seinen Willen auch gegen Mächtigere durchsetzen. Diese Erfahrung machte einige der heutigen Botschafter, als sie 2007 erreichten, dass der Gestaltungsplan zum Überbauungsprojekt Uetikon West gegen den Willen des Gemeinderats abgelehnt wurde.

Jetzt ist es also die Lobby für Uetikon, die mit dem Planungsstand nicht zufrieden ist. Ihr Positionspapier basiert laut eigenem Vernehmen anhand eines Austauschs von 15 Botschafterinnen und Botschaftern. Das würde bedeuten, dass mehr als die Hälfte von total 28 Botschaftern nicht vollends hinter dem eingeschlagenen Kurs steht. Ob das für die Durchsetzung ihrer Forderungen ausreicht, bleibt dahingestellt. Aber womöglich geht es auch nicht primär darum, sondern darum, gehört zu werden.

Das Vorgehen der Lobbyvertreter zeugt von Misstrauen gegenüber Kanton und Gemeinde und von der Angst, nicht über alles weitere mitbestimmen zu können. Nur ist das bei einem so grossen Projekt unvermeidbar. Genauso das Machtgefälle: auf der einen Seite ein paar Vertreter aus der Bevölkerung, auf der anderen die Gemeinde und der Kanton.

Interessant ist nun, wie die Projektverantwortlichen vom Kanton und der Uetiker Gemeinderat mit der Kritik umgehen. Sie erachten den Stand der Arbeit als breiter akzeptiert als die Lobbyvertreter. Auf manche Forderungen nehmen sie in ihrer Stellungnahme nicht direkt Bezug. Und die für die Kritiker wichtige Frage nach der Zukunft des Düngerbaus wird ignoriert.

Stellen Sie sich vor, Sie haben als Laie oder Laiin viel Zeit in ein kompliziertes Projekt investiert und beteiligen sich an einem Positionspapier, weil sie mit dem Gang der Dinge nicht einverstanden sind. Würden Sie sich mit solchen Antworten ernst genommen fühlen?