Hettlingen

Die Hundenase erschnüffelt Plagegeister

Bettwanzen sind in der Schweiz auf dem Vormarsch. Robert Kistler, Kammerjäger aus Hettlingen, zählt bei der Bekämpfung auf vierbeinige Hilfe.

Spürhund JD aus Hettlingen ist der einzige Hund der Deutschschweiz, der Bettwanzen erschnüffeln kann. Er und sein Herrchen Robert Kistler haben immer mehr Arbeit, denn immer häufiger werden die Krabbeltiere aus dem Ausland eingeschleppt.

Spürhund JD aus Hettlingen ist der einzige Hund der Deutschschweiz, der Bettwanzen erschnüffeln kann. Er und sein Herrchen Robert Kistler haben immer mehr Arbeit, denn immer häufiger werden die Krabbeltiere aus dem Ausland eingeschleppt. Bild: Marc Dahinden

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Hund JD (ausgesprochen Tscheidi für Jack Daniels) springt aufs Bett, schnüffelt an der Matratze und legt sich plötzlich hin. Der Vierbeiner der Rasse Australian Shepherd ist fündig geworden: Weder Drogen noch Sprengstoff hat er erschnüffelt, sondern Bettwanzen. Herrchen Robert Kistler klickt und zeigt dem Hund damit an, dass er seine Aufgabe gut gemacht hat. Jetzt gibts ein Leckerli zur Belohnung.

Robert Kistler ist Kammerjäger, er wohnt in Hettlingen und hat derzeit als Angestellter der schaffhausischen Schädlingsbekämpfungsfirma Kistler und Stettler AG, der Firma seiner Cousine, alle Hände voll zu tun. Laut einem Beitrag im «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens hat der Befall mit Bettwanzen in den letzten Jahren stark zugenommen. 2014 erhielt die Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung der Stadt Zürich 100 Meldungen. 1994 bis 2005 waren es noch unter 20 pro Jahr. Das hat damit zu tun, dass die Menschen heute öfter reisen. Bettwanzen werden oft im Koffer aus Hotels in fernen Ländern eingeschleppt.

Hunde wie JD gibt es in der Schweiz einige. In der Deutschschweiz ist Kistler aber der einzige fachgeprüfte Schädlingsbekämpfer, der auch noch Hundeführer ist. JD ist mit Kistler seit dem Frühling im Einsatz. Seine Ausbildung hat rund ein Jahr gedauert. Sie läuft gleich ab wie bei einem Drogenspürhund. «Zuerst muss der Hund die Kommandos lernen», sagt Kistler. Danach gehe es darum, ihn auf den Geruch zu sensibilisieren. «Auch der Mensch kann Bettwanzen riechen», sagt Kistler. Jedoch nur dann, wenn ein Zimmer oder eine Wohnung stark befallen ist.

Nur 20 Minuten im Einsatz

Die Krabbeltiere verstecken sich in Steckdosen oder hinter Fussleisten – und natürlich im Bettgestell, wo sie nachts hervorkommen und zustechen. Die Stiche sehen ähnlich aus wie Mücken­stiche und jucken stark. Im Bettrahmen und auf dem Lattenrost sind bei einem starken Befall auch Kotablagerungen sichtbar.

JD kommt erst dann zum Einsatz, wenn Kistler von Auge keinen Befall ausmachen kann. Und mehr als 20 Minuten ist auch der Hund nicht im Einsatz. «Das ist schon eine grosse Leistung», sagt Kistler. Das sei, wie wenn das Tier zweieinhalb Stunden lang spazieren gegangen wäre. Entdeckt JD dann ebenfalls nichts, «dann hat es auch keine Wanzen».

Bekämpfen könne man die ungeliebten Mitbringsel auf drei Arten: mit Kälte, Wärme und chemisch. Sei beispielsweise eine Tasche befallen, könne man sie bei minus 18 Grad in den Gefrierer legen, sagt Kistler. Diese Methode werde hierzulande jedoch nicht oft angewendet. Viel häufiger würden die Wanzen mit Wärme oder Insektiziden getötet. Erhitzt man ein Zimmer während 48 Stunden auf 55 Grad, sterben sie. Für die Behandlung eines Schlafzimmers zum Beispiel muss ein Kunde mit Kosten bis zu 1500 Franken rechnen. Besser ist es also, wenn man die Tiere gar nicht erst einschleppt. «Den Koffer im Hotelzimmer also nicht unter dem Bett versorgen», rät Kistler. Am besten sei es, diesen in einem Plastiksack aufzubewahren. (Landbote)

Erstellt: 28.12.2015, 19:21 Uhr

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