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ProbefahrtDie französische Revolution

2,4 Meter lang, keine 500 Kilogramm schwer und niedlich ohne Ende: Mit dem elektrischen Ami will Citroën die urbane Mobilität aufmischen.

Der Citroën Ami ist ein minimalistisches Elektroauto, das aber als Quad zugelassen wird und somit ab 16 Jahren gefahren werden darf.
Der Citroën Ami ist ein minimalistisches Elektroauto, das aber als Quad zugelassen wird und somit ab 16 Jahren gefahren werden darf.
Bild: Citroën
Drei Tasten, ein digitaler Tacho und eine Smartphone-Halterung sind alles, was das Cockpit bietet.
Drei Tasten, ein digitaler Tacho und eine Smartphone-Halterung sind alles, was das Cockpit bietet.
Bild: Citroën
Karge Kiste: Komfort gibt es kaum im Ami, Platz zum Sitzen hingegen schon.
Karge Kiste: Komfort gibt es kaum im Ami, Platz zum Sitzen hingegen schon.
Bild: Citroën
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«Was ist denn das?», ruft der Hipster auf dem Cargo-Bike. «Ist der süss», klingt es von rechts und links. Die Leute drehen die Köpfe, schauen, knipsen. Und sie lächeln überall entlang der Testroute durch die deutsche Hauptstadt. Ein solch witziges und niedliches Fahrzeug haben selbst die trendigen Berliner noch nicht gesehen, und das will etwas heissen, ist die Stadt an der Spree doch bekannt für hippe Verkehrsmittel aller Art. 16’000 Elektro-Scooter, 14’000 Leihvelos und 7000 Autos von Sharing-Diensten sind auf den Strassen Berlins unterwegs, hinzu kommen unzählige Cargo-Bikes, Rikschas, E-Skateboards und dergleichen mehr. In dieser Stadt aufzufallen, ist schwer – doch der Citroën Ami stiehlt allen die Show.

Der kleine Franzose ist tatsächlich revolutionär. Den Umsturz im Strassenverkehr wird er zwar kaum herbeiführen, doch es ist gut möglich, dass man in einigen Jahrzehnten zurückblickt auf dieses minimalistische Elektroauto und auf den Hersteller, der sich traute, es zu bauen. Dass dieser Hersteller Citroën ist, verwundert nicht – immer wieder haben die Franzosen mit avantgardistischen Kreationen für Furore gesorgt. «Für uns ist der Ami der Einstieg in die Elektromobilität», sagt Christopher Rux, Pressesprecher von Citroën Deutschland. «Er ist perfekt für die Stadt und eine völlig neue Mobilitätslösung.» Dabei übergeht Rux die Tatsache, dass die Franzosen bereits seit 2009 verschiedene Elektroautos in der Palette haben (siehe Box), und völlig neu ist diese Mobilitätslösung auch nicht: Konkurrent Renault hat bereits 2011 mit dem Twizy einen minimalistischen Elektro-Zweisitzer mit ähnlichen Abmessungen auf den Markt gebracht.

Komplett symmetrisch

Doch das ist der Clou des kleinen Citroën: Der Twizy gilt als Auto – der Ami nicht. Er wird in der Klasse der Quads, der vierrädrigen Motorräder, zugelassen. Somit darf er bereits ab 16 Jahren gefahren werden, in einigen Regionen sogar ab 15. Ob eine solche Zulassung in der Schweiz möglich ist, ist noch in Abklärung – denkbar wäre eine Homologierung in den Kategorien A1 (Quads) oder F (Arbeitsmotorfahrzeuge und Traktoren), die beide ab 16 Jahren zugelassen sind. «Von diesem Zulassungsentscheid hängt auch der Entscheid ab, ob wir den Ami in die Schweiz bringen», erklärt der Schweizer Pressesprecher Dušan Radic. «In den nächsten zwei bis drei Monaten wissen wir Bescheid.»

Es wäre schade, wenn nicht. Dem kleinen Flitzer fliegen die Herzen zu, wo immer er auftaucht. Die Kiste ist nur 2,4 Meter lang, 1,4 Meter breit und 1,5 Meter hoch, das Design ist komplett symmetrisch. Das hat einen Grund: Die Heckpartie plus die Fahrerseite der Karosserie und die Frontpartie plus die Beifahrerseite sind baugleich. Die Fahrertüre ist also hinten angeschlagen, die Beifahrertüre entsprechend vorne. Durch solch clevere Kniffe in der Konstruktion besteht das gesamte Fahrzeug aus weniger als 250 Teilen. Auch das ist revolutionär – ein herkömmliches Auto hat heute weit über 10’000 Einzelteile.

Karge Kiste

Mit 8 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h geht es durch die Berliner Innenstadt. Die winzige Batterie mit 5,5 kWh Kapazität reicht für maximal 72 Kilometer, gemessen im Töff-Testzyklus WMTC, geladen wird per ausziehbarem Kabel an der Haushaltsteckdose in nur drei Stunden. Es holpert, der Sitz ist kaum gepolstert und es wird immer wärmer in der Fahrerkabine – die grossen Glasflächen ermöglichen zwar eine gute Rundumsicht, doch die Sonne heizt den Passagieren kräftig ein. Eine Klimaanlage gibt es nicht, genauso wenig eine Servolenkung oder einen Schalter fürs Licht. Wer Kühlung will, klappt die Seitenfenster hoch, wie damals im «Döschwo». Im Winter kann die Frontscheibe per Gebläse geheizt werden, was auch den Innenraum wärmt, eine laute Lüftung lässt die Luft zirkulieren – mehr Komfort gibt es nicht. Ein USB-Steckplatz liefert den Strom für das Smartphone, für das es eine passende Halterung gibt und was ein Infotainmentsystem hinfällig macht. Ein tragbarer Bluetooth-Lautsprecher sorgt für Musik. Und sogar etwas Stauraum gibt es in dem Winzling, in Türfächern oder im Fussraum des Beifahrers.

Dass viele dieser Annehmlichkeiten Aufpreis kosten, überrascht bei einem Basispreis ab 6000 Euro nicht. Zu diesem Preis ist der Ami ab sofort in Frankreich erhältlich, geleast werden kann er bereits ab 20 Euro im Monat. Was der Ami in der Schweiz kosten würde, ist noch nicht bekannt, und auch über die Vertriebswege wurde noch nicht entschieden. In Frankreich bestellt man den Ami wie ein Amazon-Paket im Internet und bekommt ihn nach Hause geliefert, die dazu bestellten Optionen kommen per Post in einem Päckli und müssen dann selbst montiert werden. Auch das ist revolutionär.

1 Kommentar
    Dänu

    Wenn sich ein Hipster wohlwollend sich zu diesem Auto hinwendet, ist dies garantiert nichts für mich, denn ich bin ein konservativer, altmodischer und politisch rechts stehender Mensch. Ich will Luxus, Grösse und Power, der Preis ist mir relativ egal.