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Ashleigh Barty kann allesDie beste Schlägerin der Welt

Vor wenigen Tagen hat die Tennis-Weltnummer-1 ein Golfturnier gewonnen. Und als die Australierin 2015 ein Jahr Pause vom Tennis machte, spielte sie professionell Cricket. Ohne Training.

Ashleigh Barty ist ein Phänomen. Die Weltnummer 1 im Tennis scheint Ballsportarten nach Belieben zu beherrschen. Neben den Sportplätzen setzt sie sich für die Anliegen der indigenen Menschen in Australien ein und nimmt auch gern mal ein Baby mit zur Pressekonferenz.
Ashleigh Barty ist ein Phänomen. Die Weltnummer 1 im Tennis scheint Ballsportarten nach Belieben zu beherrschen. Neben den Sportplätzen setzt sie sich für die Anliegen der indigenen Menschen in Australien ein und nimmt auch gern mal ein Baby mit zur Pressekonferenz.
Foto: Michael Dodge (Keystone)

Gross Aufhebens macht Ashleigh Barty natürlich nicht. Sie ist anders als viele in der lauten Welt des Sports, zurückhaltend, und sie kann einschätzen, wie wichtig ein Pokal ist. Also brüllt sie ihren Erfolg nicht gross in die Welt hinaus. Dabei dürfte sie auf diesen Titel besonders stolz sein: An der Amateur-Meisterschaft des Brookwater Golf Club gewann die 24-Jährige das Frauenturnier. Barty ist Tennis-Spielerin, die Nummer 1 der Welt.

Es ist Bartys erster Titel mit dem Golfschläger, aber ihr zweiter Erfolg in diesem Golfclub in der Nähe von Brisbane. Der erste war, als sie ebenda ihren Freund kennen gelernt hat. Garry Kissick ist Profigolfer und Fan von Liverpool. Manchmal muss das zu Diskussionen führen, denn Barty ist für Manchester United.

Der Vater der Australierin war Amateurgolfer. Irgendwie scheint sie sich immer wieder von den Menschen aus ihrem Umfeld für neue Sportarten inspirieren lassen. Zum Beispiel 2014, als sie sich mit dem Australischen Cricket-Frauennationalteam getroffen hatte, um sich über das Leben als Spitzenathletin auszutauschen.

Das Treffen war so fruchtbar, dass in Barty ein Gedanke reifte.

In der Cricket-Profiliga ohne Training

Als junge Tennisspielerin durchlief sie gerade eine Phase, in der es erstmals abwärts ging in der Weltrangliste. Sie entschied sich, eine Pause zu machen. Barty sagt: «Es wurde mir alles zu schnell zu viel, da ich bereits im jungen Alter immer herumreiste. Ich wollte einfach mal das Leben eines normalen Teenagers leben und normale Erfahrungen machen.»

Normal war dann recht aufregend. Nach dem Treffen mit den Cricketspielerinnen entschied sich Barty, sich den Brisbane Heat anzuschliessen, einem Team aus der Cricket-Profiliga WBBL. Noch nie zuvor hatte sie Cricket trainiert, das baseballähnliche Spiel mit dem hölzernen Schläger und dem harten Ball. Also machte sie gleichzeitig bei einem Team in einer unteren Liga mit, um schneller voranzukommen.

Das reichte, um bei den Heat in der Profiliga zu spielen. In einer Partie war sie die zweitbeste Scorerin des Teams.

Ein Jahr lang war Barty in einer Sportart zu Hause, die sie zuvor nur privat betrieben hatte, mit Freunden, mit der Familie. Es war die beste Auszeit, die sich Barty vorstellen konnte. Sie sagt: «Mehr als alles andere brauchte ich diese Zeit, um mental wieder frisch zu werden.»

Tennis spielte sie noch immer fast täglich. Aber ihre Gedanken waren nicht bei der Tour.

Die stolze indigene Frau und das Baby an der Pressekonferenz

Danach nahm Barty den Schläger wieder auf der Tennis-Tour in die Hand. Und wie. 2018 gewann sie das US Open, 2019 das French Open. Inzwischen ist sie die Nummer 1 der Welt, als zweite Australierin nach Evonne Goolagong, die in den 1970er-Jahren an der Spitze war und wie Barty indigene Wurzeln hat.

Den Titel am French Open wird Barty in den kommenden Wochen nicht verteidigen. Sie hat die Saison wie ihr Landsmann Nick Kyrgios wegen der Corona-Pandemie unterbrochen.

Es gibt Wichtigeres im Leben. Das hat Barty früh gelernt. Als sie dieses Jahr an den Australian Open ausgeschieden ist, erschien sie mit ihrer elf Monate alten Nichte zur Pressekonferenz. «Darum geht es im Leben», sagte Barty.

Etwas vom Grössten ist für Barty, dass sie zur indigenen Botschafterin des australischen Tennisverbands auserkoren worden ist. Das Ziel ist, mehr indigene Menschen zum traditionell westlich geprägten Tennis zu bringen. Barty sagt: «Ich bin eine stolze indigene Frau. Diese Rolle der Botschafterin zu übernehmen, liegt mir sehr am Herzen. Ich bin sehr aufgeregt.»

In diesem Moment offenbart sich der Charakter der Ashleigh Barty. Sie ist vielleicht die beste Frau in Schlagsportarten – aber eben auch eine, die an das Leben neben dem Sport denkt.

1 Kommentar
    Hafner

    Eine sehr sympathische und mit beiden Füssen auf dem Boden stehende Sportlerin. Ein grosses Vorbild für viele Sportler*innen da draussen mit Tiefgang, wie er gerade von solchen Menschen mit Vorbildfunktion gelebt werden sollte! Wünsche ihr noch viele erfolgreiche Jahre im Tennis, und dass sie mit ihren Botschaften noch viele Menschen erreichen möge.