Zell

Des Teufels Kirche verliert ihre Felsnase

Die Tüfels Chilen in Zell sieht nicht mehr so aus wie früher. Ein Stück Fels ist abgebrochen.

Wo das Wasser früher über einen bemoosten Fels plätscherte, ist jetzt eine braune Abbruchstelle. Die markante Felsnase liegt auf dem Boden.

Wo das Wasser früher über einen bemoosten Fels plätscherte, ist jetzt eine braune Abbruchstelle. Die markante Felsnase liegt auf dem Boden. Bild: Marc Dahinden

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Die Tüfels Chilen liegt etwas oberhalb von Kollbrunn im Tösstal und ist für Ausflügler ein beliebtes Ziel. Vor allem für Schulreisen ist der sagenumwobene Ort geeignet. Hier lassen sich Geschichten erzählen! Nun kommt eine weitere hinzu, nämlich jene vom spektakulären Felssturz im kalten Januar 2017. Am vergangenen Sonntag wollte Andreas Meister aus Winterthur die Gegend erkunden. Im Winter seien die zahlreichen Eiszapfen bei der Tüfels Chilen besonders reizvoll, sagt er. Dann habe er gemerkt: «Hier stimmt irgendetwas nicht.» Dort, wo früher das Wasser über eine leicht überhängende Felsnase floss, sah er einen grösseren Felssturz. «Die Abbruchstelle war extrem frisch, es lag kein Schnee darauf.»

Der Abbruch kann also noch nicht lange her sein. Auch bei der Gemeindeverwaltung in Zell war bis am Montagvormittag noch keine Meldung eingegangen, wie Gemeindeschreiber Andreas Meyer sagt.

Zuständig für die Wege bei der Tüfels Chilen ist ohnehin der Kanton. Denn das Gebiet im Bäntal steht unter Naturschutz und ist von überkommunaler Bedeutung. Es werde jemand vorbeigehen und kontrollieren, ob etwas aufgeräumt oder neu abgesperrt werden muss, teilt Mediensprecher Wolfgang Bollack mit.

Wasser bildet neue Formen

Kleinere Abbrüche kommen in der Gegend öfter vor, da das Gestein porös ist. Grössere Felsstürze sind hingegen seltener. Förster Hans-Ulrich Menzi erinnert sich dennoch an einen grösseren Abbruch vor einigen Jahren. «Das gehört zum natürlichen Prozess.» Er vermutet, dass die kalten Temperaturen im Januar zum neuerlichen Abbruch geführt haben, da im Gestein wohl Wasser gefroren ist und es sich dadurch ausgedehnt hat.

Das kalkhaltige Quellwasser werde nun dazu führen, dass sich bald wieder neue Ablagerungen bilden. Die Tüfels Chilen sei nach wie vor imposant, trotz oder gerade auch wegen des Abbruchs. «Die Attraktivität leidet nicht.»

Der Förster weist daher allfällige Schaulustige darauf hin, dass man im Gebiet die Wege nicht verlassen dürfe, da es unter Naturschutz stehe. Es sei verboten, das Tuffsteingebilde zu betreten.

Angestellt ist Hans-Ulrich Menzi bei der Stadt Winterthur. Sie ist auch die Grundeigentümerin des Waldabschnitts in Zell. Die Stadt kaufte das Gebiet einst und baute dort Tuffsteine ab. Die Winterthurer Stadtkirche soll teilweise aus Steinen bestehen, die dort gewonnen wurden. Exakte schriftliche Belege dafür fehlen aber, sagt Menzi.

Warum Tüfels Chilen?

Die Tüfels Chilen lässt Raum für weitere Spekulationen: Denn woher sie ihren Namen hat, ist nicht ganz geklärt. Im Jahr 1726 sei die «Teufelskirche» erstmals erwähnt worden, heisst es auf der Internetseite der Gemeinde Zell. Man habe den Namen wohl aufgrund der speziellen Form der Ablagerungen gewählt. Es hatte sich eine Grotte gebildet, die wohl durch den Abbau des Gesteins wieder zerstört worden sei. Im Internet ist die Quelle auch als Kraftort zu finden. Laut schamanischen Wahrnehmungen soll im Felsen rechts des Wasserfalls ein Berggeist leben.

Erstellt: 31.01.2017, 08:00 Uhr

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