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Corona-MassnahmenDer Wildnispark ist auf eine Öffnung ab März angewiesen

Dank zusätzlichen Beiträgen der Stadt Zürich kam der Wildnispark Zürich bislang glimpflich durch die Krise.
Das bleibt aber nur so, wenn die Tore im März wieder aufgehen.

Der Tierpark im Langenberg ist für Gäste bis auf weiteres geschlossen.
Der Tierpark im Langenberg ist für Gäste bis auf weiteres geschlossen.
Foto: Moritz Hager

Mindestens noch bis Ende Februar bleiben Restaurants und Freizeitanlagen zu – davon betroffen ist auch der Wildnispark Zürich Langenberg in Langnau. Dadurch bleibt der Tierpark Langenberg genauso wie das Restaurant für Besucherinnen und Besucher geschlossen. Karin Hindenlang, die Geschäftsführerin des Wildnisparks Zürich, wird in den kommenden Wochen mit Sorge auf die epidemiologischen Entwicklungen schauen. «Bis Ende Februar können wir die Schliessung verkraften», prognostiziert sie. «Aber ab März sind wir darauf angewiesen, dass wir wieder öffnen können. Im Frühling beginnt unsere Hauptsaison.»

Der Wildnispark Zürich kam bislang verhältnismässig gut durch die Krise. Auch wenn seit Dezember wieder eine Absperrschranke vor dem Parkplatz des Tierparks für alle ersichtlich macht, dass momentan kein Zugang für die Öffentlichkeit möglich ist. Im Jahr steht den Verantwortlichen ein Budget von rund sechs Millionen Franken für den Naturerlebnispark Sihlwald und den Tierpark Langenberg zur Verfügung. Zwei Drittel davon kommen von den Stiftungsträgern Stadt Zürich, den Gemeinden im Bezirk Horgen, dem Kanton Zürich und Pro Natura Zürich sowie dem Bund. Der Rest setzt sich zusammen aus Mieteinnahmen aus den Gastrobetrieben, den Parkplatzeinnahmen, Sponsoringgeldern, Spenden und Patenschaften.

Halbe Million weniger Einnahmen

Im letzten Jahr hat der Wildnispark Zürich rund eine halbe Million Franken weniger eingenommen als üblich. «Die Stadt Zürich hat uns daher einen Zusatzbetrag von 220’000 Franken zugesprochen», sagt Hindenlang. «Dafür sind wir sehr dankbar. Damit konnten wir unter anderem den Gastronomen während des Lockdown einen Mieterlass gewähren und ihnen während des restlichen Jahres finanziell entgegenkommen.» Die restlichen Mindereinnahmen wurden abgefedert, indem anstehende Unterhaltsarbeiten, beispielsweise von Wegen oder Tiergehegen, auf später verschoben wurden.

Durch die Gelder aus der öffentlichen Hand schlitterte der Wildnispark Zürich trotz Lockdown im letzten Frühling und momentaner Schliessung nicht in finanzielle Nöte. «Mit den Beträgen konnten wir die Löhne der Angestellten und die laufenden Kosten weiter decken», sagt Hindenlang. «Wir mussten auch keine Kurzarbeit anmelden.»

Eine Absperrung bei den Parkplätzen veranschaulicht, dass die Corona-Krise noch nicht überstanden ist.
Eine Absperrung bei den Parkplätzen veranschaulicht, dass die Corona-Krise noch nicht überstanden ist.
Foto: Moritz Hager

Dass die Angestellten gerade während des Lockdown normal ihrer Arbeit nachgehen konnten, war nötig. «Viele Menschen nutzten das Naherholungsgebiet, um frische Luft zu schnappen», sagt Hindenlang. Im Jahr besuchen den Wildnispark rund 600’000 Gäste, 100’000 davon sind auf dem Besucherzentrumsareal anzutreffen, 100’000 auf den meistfrequentierten Wegen im Sihlwald. «Während des Lockdown im Frühling waren gegenüber derselben Periode im Vorjahr im Sihlwald doppelt bis dreimal so viele Gäste zu Fuss und an gewissen Orten drei- bis viermal so viele Velofahrer unterwegs», sagt Hindenlang.

Es gab auch vermehrt Übertretungen und Fehlverhalten im Naturschutzgebiet, beispielsweise wildes Campieren mit Zelten oder Hängematten und das Einrichten illegaler Feuerstellen. «Vielen Menschen war dabei schlichtweg nicht bewusst, welche Verhaltensregeln in einem geschützten Gebiet gelten», sagt Hindenlang. Das bedeutete auch eine intensive Zeit für die Ranger, die für die Umsetzung der Schutzverordnung, Fragen der Besucherinnen und Besucher und den Unterhalt der Wege zuständig sind.

Zu kalt für Andrang

Während der Sommermonate beruhigte sich die Lage etwas. Im Herbst und Winter blieb das Besucheraufkommen im Sihlwald überdurchschnittlich hoch. «Das Schliessen von Freizeiteinrichtungen
führte direkt zu mehr Besuchenden in der Natur, auch im Sihlwald», schliesst Hindenlang daraus.

Ein Steinbock wundert sich über die momentane Stille im Tierpark.
Ein Steinbock wundert sich über die momentane Stille im Tierpark.
Foto: Moritz Hager

Das jedoch ist schwierig für die Tiere, die in dieser Jahreszeit viel Ruhe bräuchten. Beispielsweise Rehe und Hirsche, die mit einer reduzierten Nahrungsaufnahme die Wintermonate verbringen würden. Im Tierpark Langenberg leiden die Tiere nicht darunter, dass die Besucher ausbleiben. Die Bären befinden sich zum Beispiel gerade in Winterruhe. «Vielleicht langweilen sich die Wisente, Hirsche und Steinböcke ein wenig», sagt Hindenlang schmunzelnd. Aber solange die Tierpfleger vor Ort sind, sei alles gut. Der Wildnispark Zürich hatte bislang keinen Corona-Fall zu verzeichnen, und Hindenlang hofft, dass dies auch weiterhin so bleibt.

Sollte nun auch eine Öffnung ab März wieder möglich sein, dann schaut Karin Hindenlang positiv in die nahe Zukunft. Sollten die Zwangsschliessungen jedoch noch länger andauern, dann ist es gut möglich, dass die öffentliche Hand dem Tierpark auch in diesem Jahr nochmals finanziell unter die Arme greifen muss.