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Der Weltmeister, der Pfeile auf Bäume warf

Peter Wright arbeitete auf dem Bau und am Fliessband, hatte nur 14 Pfund in der Woche übrig. Jetzt ist er Darts-Weltmeister – auch dank seiner Frau.

Peter Wright krönte sich am Neujahrstag zum Darts-König. (Video: PDC Darts via Twitter)

Peter Wright liefen Tränen über die Wangen, während die Fans nur noch ein Lied zu kennen schienen. «Nananananananananana, Peter Peter Wright, Peter Wright, Peter Peter Wright», schallte es durch den legendären Londoner «Ally Pally». Sekunden später hüpfte Wright lachend und weinend zugleich mit einer schottischen Fahne über die Bühne, die er prompt über den WM-Pokal, die Sid-Waddell-Trophy, stülpte. Der 49-Jährige wusste nicht mehr wohin mit seinen Emotionen.

Kurz zuvor hatte er sich mit seinem dritten Matchdart zum ersten Mal zum Weltmeister gekürt. Nach einer beeindruckenden Vorstellung besiegte er die Nummer 1 der Welt und den Titelverteidiger Michael van Gerwen mit 7:3. «Ich habe grosse Spiele verloren, deshalb hatte ich schon im Vorfeld das Gefühl, dass ich jetzt einfach dran bin», sagte der überwältigte Sieger. Vor sechs Jahren habe er aufgeben wollen. «Aber meine Geschichte zeigt, dass man immer an seine Träume glauben muss.»

Wright war nach seinem Sieg überwältigt. (Bild: Keystone)
Wright war nach seinem Sieg überwältigt. (Bild: Keystone)

Ihm fehlte das Selbstvertrauen

Der Schotte mit dem Darts-Namen «Snakebite» hat sich den Weltmeistertitel erarbeitet. Sein Leben war lange Zeit wenig paradiesisch. Peter Wright wuchs in einer der ärmsten Gegenden Londons auf. Die Mutter war mit ihm aus Schottland geflüchtet, weil Behörden ihr den kleinen Peter wegnehmen wollten. Seinen Vater kennt Wright nicht. Mit Darts begann er mit 13 Jahren, er bekam zum Geburtstag drei Pfeile geschenkt. Weil das Geld nicht für eine Dartsscheibe reichte, malte er sich Zielscheiben auf Bäume und begann zu trainieren. Wenig später gehörte Wright bereits zu den besten Spielern Londons. Der Durchbruch gelang ihm jedoch nicht. Der Grund: Peter Wright hatte kein Selbstvertrauen.

«Ich habe zu lange auf die gehört, die mir nichts zutrauten.»

Peter Wright

«Dass ich Talent hatte, war mir stets bewusst», sagte der jetzige Weltmeister 2017 der «Welt», «Aber ich habe zu lange auf die gehört, die mir nichts zutrauten.» So spielte er nur in lokalen Ligen, hatte zwischenzeitlich gerade einmal 14 Pfund in der Woche übrig. Wright schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Er baute Fenster ein, schleppte Beton-Zaunpfähle, arbeitete am Fliessband in Fabriken. Einzig seine Frau glaubte immer an ihn, war an seiner Seite. Sie überzeugte ihn 2008, seinen Traum zu leben und es endlich als Profi zu versuchen.

Die Sensation 2014

Doch auch als Profi blieb der Erfolg aus. In seinem ersten Profijahr 2008 spielte er 1200 Pfund ein. Und in den kommenden Saisons wurde es nicht besser. Niederlage reihte sich an Niederlage, Geld kam kaum rein. So fassten Wright und seine Frau 2013 einen Entschluss: Die Darts-WM 2014 sollte seine letzte sein. «Wir mussten uns eingestehen, dass das Leben als Profi zu wenig abwarf. Das Geld reichte einfach nicht.»

Dann die Sensation: Er stürmte in den Final und sicherte sich als Zweiter 100’000 Pfund Prämie. Er revidierte seine Entscheidung und spielte weiter. Seither gehört Wright, der ohne seinen gefärbten Irokesenschnitt als schüchterner Mensch zurückgezogen auf einem Bauernhof in der englischen Grafschaft Suffolk lebt, konstant zur Elite in seinem Sport. Ein Erfolg, den er seiner Frau Joanne zu verdanken hat. «Sie baut mich nach Niederlagen auf und tritt mir in den Hintern, wenn ich wieder Mal an mir zweifle.» Sie ist bei jedem Turnier an der Seite ihres Mannes, sorgt hinter den Kulissen für ihn als Managerin. Vor den Matchs drapiert sie ihm seine Haare in bunten Kunstarrangements, wählt seine Kleidung aus.

«Joanne sagte immer, dass ich Weltmeister werde»

Auch am Neujahrstag, am Tag, als Wright sich zum Darts-König krönte, schmückte ihn Joanne. Seine Irokese war violett gefärbt, eingekleidet war er im violetten Shirt und quietschbunter Hose. Als der 49-Jährige nach dem grössten Triumph seiner Karriere auf der Bühne stand – sein Einlauflied «Don't Stop The Party» von Pitbull tönte im Hintergrund über die Boxen – dankte er so auch insbesondere seiner Frau. «Das ist alles für sie und meine Tochter. Joanne hat immer gesagt, dass ich eines Tages Weltmeister werde.»

Wrights Geschichte ist die Geschichte eines oft gebeutelten Aussenseiters. Eines Aussenseiters jedoch, der jetzt, mit der Unterstützung seiner Frau, vollends angreifen will. Denn die neue Nummer 2 der Welt hat bereits jetzt ein klares Ziel vor Augen: Er will Michael van Gerwen vom Thron stossen. Er sagt: «Ich werde Michael das ganze Jahr jagen. Wenn ich nächstes Jahr wieder Weltmeister werde, bin ich definitiv Nummer eins – das wird passieren.»

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