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Kevin RüeggDer Ur-Zürcher in der grossen Fussballwelt

Kevin Rüegg verliess den FCZ und spielt nun für Hellas Verona. Er erzählt, was anders ist. Und wie gerne er dem FC Zürich helfen würde.

Hier noch im FCZ-Dress: Kevin Rüegg bei einer seiner letzten Trainingseinheiten in Zürich.
Hier noch im FCZ-Dress: Kevin Rüegg bei einer seiner letzten Trainingseinheiten in Zürich.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Wer Kevin Rüegg kennt, wer mit ihm gesprochen hat oder über ihn schreibt, der weiss: Der junge Mann ist bescheiden. «Das ist seine grosse Qualität», sagt Mauro Lustrinelli. Und liefert eher ungewollt den Beweis. Rüegg spreche nämlich schon ziemlich gut Italienisch, die beiden könnten sich in Lustrinellis Muttersprache unterhalten. Noch wenige Minuten zuvor sagte Rüegg selbst am Telefon: «Italienisch kann ich noch nicht so gut.» Und auch wenn Lustrinellis Version stimmt, dann würde er nicht damit angeben.

Rüegg ist Captain der Schweizer U-21-Nationalmannschaft von Lustrinelli. Rüegg ist aber auch ein Ur-FCZler, ein «Züri-Bueb», sagte er selbst einmal. Seit 2008 war er im Verein, mit 18 spielte er erstmals bei den Profis, mit 21 war er Captain. Rüegg war die Konstante in einem Team, das um ihn herum viele Wandel erlebte.

Jetzt ist plötzlich er der Neuling, der hinaus in die grosse Fussballwelt gewechselt ist. Hellas Verona heisst Rüeggs neuer Club, seit gut eineinhalb Monaten lebt er in Norditalien. In den ersten Tagen waren seine Eltern dabei, nun ist er auf sich gestellt. «Es ist Zeit, auf eigenen Beinen zu stehen», sagt er, er sei ja auch schon 22.

Verfolgt den FCZ nach wie vor: Kevin Rüegg.
Verfolgt den FCZ nach wie vor: Kevin Rüegg.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Auf eigenen Beinen stehen heisst: Italienisch lernen, bis dahin helfen ihm die Mitspieler Koray Günter, ein Deutsch-Türke, und Adrien Tamèze, ein Kameruner, aus. Auch Rüegg hat Wurzeln in Kamerun, er spricht fliessend Französisch. Günter und Tamèze versicherten Rüegg, er dürfe auf sie zukommen, wenn er etwas brauche. «Das tat ich dann auch», sagt der Verteidiger.

Denn auf eigenen Beinen stehen heisst auch: eine Wohnung finden, noch lebt Rüegg im Hotel. Er hatte seine Bleibe eigentlich gefunden, am Gardasee, eine halbe Stunde von Verona entfernt. Zum Umzug kam es nicht, weil der Vormieter sich dann doch entschied, zu bleiben.

Ein Sieg gegen den Favoriten ist nicht genug

Trotz des Stresses bleibt dem Neuankömmling Zeit, den FCZ zu verfolgen. Nach jedem Spiel telefoniert Rüegg mit Toni Domgjoni, einem seiner ehemaligen Teamkollegen. «Ich will die Eindrücke miterleben, als wäre ich selbst noch dort», sagt er. Gerne würde er helfen, gerade in dieser turbulenten Phase. Rüegg ist nicht der Einzige, der den FCZ in diesem Sommer verliess, auch Simon Sohm wechselte nach Italien. Als Hellas vor gut zwei Wochen auf Parma traf, liefen sich die beiden zufällig im Hotel über den Weg.

Hellas verlor dieses Spiel, dennoch sind die Ambitionen hoch, das Team erreichte direkt nach dem Aufstieg Platz 9 in der Serie A und möchte sich dort halten. Der Start ist trotz der Niederlage gegen Parma geglückt, es gab ein 0:0 gegen die AS Roma, «eigentlich eine gute Leistung, oder?», fragt Rüegg. Glücklich sei damit aber niemand gewesen, «wir waren eher traurig, weil wir nicht gewonnen hatten». Später wurde aus dem 0:0 ein 3:0, weil die Hauptstädter einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt hatten. Auch hier: Es gab keine grosse Euphorie, «niemand hat es angesprochen», erzählt Rüegg.

Das erste Mal Serie-A-Luft schnuppern: Kevin Rüegg im Zweikampf mit Roms Justin Kluivert.
Das erste Mal Serie-A-Luft schnuppern: Kevin Rüegg im Zweikampf mit Roms Justin Kluivert.
Foto: Pier Marco Tacca (Getty Images)

Das Spiel gegen die Römer war der Saisonauftakt, Rüegg wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt. «Es war wie in einem Film», sagt er. Noch müsse er physisch zulegen, die anderen hätten konditionell einen Vorsprung. Dass er aber gleich gegen einen grossen Gegner spielen durfte, habe die Sache für ihn vereinfacht.

Es waren die bisher einzigen Minuten Serie-A-Luft für Rüegg, in den folgenden zwei Spielen kam er nicht zum Einsatz. Grosse Namen aber warten hier noch zuhauf, vielleicht bekommt Rüegg ja schon in dieser Saison die Möglichkeit, gegen Kaliber wie Cristiano Ronaldo und Zlatan Ibrahimovic zu verteidigen. «Das würde mich schon ein bisschen stolz machen», sagt er.

Was Rüegg ebenfalls stolz macht, ihm gar eine Ehre ist: Captain der Schweizer U-21 zu sein. Die Truppe hat es am Dienstag mit einem 3:0 gegen Liechtenstein an die EM 2021 geschafft. Der nächste Zusammenzug ist Mitte November. Vielleicht sind sich Rüegg und Lustrinelli ja danach einig über die Italienisch-Kenntnisse des Zürchers.

1 Kommentar
    andi felzmann

    ich wünsche kevin rüegg alles gute, gesundheit, zufriedenheit, glück und erfolg.

    kevin rüegg hat immer AUCH durch seine positive einstellung, seine mentalität, seinen grossen einsatz, sein kämpfer-herz, seinen team-spirit, seine bescheidenheit und durch seine gesunde selbst-einschätzung überzeugt.

    glücklich und schön, wer diesen tollen fussballer und team-player in seinen reihen hat.