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Galaktischer StammbaumWie sich die Milchstrasse andere Galaxien einverleibte

Unsere Galaxie hat sich über die Zeit andere Galaxien einverleibt – und ist stark gewachsen. Eine Art Stammbaum zeigt nun, wie das Schritt für Schritt ablief.

Blick von der Seite her: Die Milchstrasse, fotografiert vom Glaubenberg.
Blick von der Seite her: Die Milchstrasse, fotografiert vom Glaubenberg.
Foto: Jonas Kuhn

Unsere Milchstrasse hat laut Astronomen über Milliarden Jahre hinweg mehrere grosse Galaxien geschluckt und ist dadurch deutlich gewachsen. Ein deutsch-britisches Forscherteam hat diesen Ablauf nun anhand sogenannter Kugelsternhaufen in einer Art Stammbaum rekonstruiert. Demzufolge ist unsere Heimatgalaxie vor 6 bis 11 Milliarden Jahren mit mindestens fünf grossen solchen Sternensystemen verschmolzen, wie ein Team um Diederik Kruijssen von der Uni Heidelberg in den «Monthly Notices of the Royal Astronomical Society» schreibt.

Dabei konnten die Forscher auch eine bislang unbekannte Verschmelzung mit einer rätselhaften Galaxie aufzeigen, die sie nach dem sagenumwobenen Meeresungeheuer Kraken tauften. Der Name soll darauf hinweisen, dass die frühere Galaxie schwer zu identifizieren war, und betonen, welche massiven Auswirkungen die Kollision hatte.

Vier frühere Galaxien identifiziert

In der Milchstrasse gibt es rund 150 Kugelsternhaufen, in denen bis zu eine Million Sterne auf bestimmte Weise angeordnet sind. Einige dieser Haufen entstanden innerhalb der Milchstrasse. Andere stammen laut Kruijssen aus Galaxien, die sich die Milchstrasse mit der Zeit einverleibt hat.

Wenn zwei Galaxien miteinander verschmelzen, werden ihre Kugelsternhaufen vereinfacht gesagt durcheinandergewirbelt. Deshalb ist es für Astronomen relativ schwer zu bestimmen, welche Haufen früher gemeinsam eine eigene Galaxie bildeten. Bislang hatten Astronomen vier frühere Galaxien identifiziert, die mit der Milchstrasse verschmolzen sind, wie Kruijssen erklärt.

Die Forscher analysierten die Daten mithilfe künstlicher Intelligenz.

Der Forscher und sein Team zeichnen nun ein noch genaueres Bild. Sie machten sich unter anderem das Weltraumteleskop Gaia der Europäischen Weltraumorganisation zunutze, das die dreidimensionale Position und Bewegung von Sternen und Kugelsternhaufen misst. Obwohl die Haufen innerhalb der Milchstrasse verstreut sind, lassen sie sich aufgrund ihrer spezifischen Bewegungen innerhalb der Milchstrasse, ihres Entstehungsalters und ihrer chemischen Zusammensetzung einer gemeinsamen Vorläufer-Galaxie zuweisen.

So stellen sich die Studienautoren die galaktische Verschmelzung vor: Zwei Spiralgalaxien, die in ihrem Aussehen der Milchstrasse ähneln, bewegen sich in einem «kosmischen Tanz» aufeinander zu und werden irgendwann fusionieren.
So stellen sich die Studienautoren die galaktische Verschmelzung vor: Zwei Spiralgalaxien, die in ihrem Aussehen der Milchstrasse ähneln, bewegen sich in einem «kosmischen Tanz» aufeinander zu und werden irgendwann fusionieren.
Foto: ESO (Reuters)

Die Forscher analysierten diese Daten mithilfe künstlicher Intelligenz, die sie zuvor anhand der Ergebnisse aufwendiger Computersimulationen zur Entstehung von Galaxien wie der Milchstrasse trainiert hatten. Dadurch konnten sie relativ genau bestimmen, welche Masse eine Vorläufer-Galaxie hatte und wann sie mit der Milchstrasse kollidierte. Neben den vier bereits bekannten Galaxien fanden sie Hinweise auf eine weitere: Kraken.

So verschmolz Kraken vor etwa 11 Milliarden Jahren mit der damals noch jungen Milchstrasse. Damals hatte unsere Galaxie laut den Forschern nur etwa ein Zwanzigstel der heutigen Masse. Dadurch hatte die Kollision einen besonders starken Effekt. Insgesamt verleibte sich die Milchstrasse demnach fünf grosse Galaxien mit jeweils mehr als 100 Millionen Sternen ein, hinzu kommen rund zehn kleinere mit jeweils mindestens 10 Millionen Sternen.

Im Artikel hatte sich leider ein Fehler eingeschlichen. Bei den Altersangaben in Zusammenhang mit der Milchstrasse war von Billionen Jahren die Rede. Richtig wäre gewesen: Milliarden Jahre. Wir haben das entsprechend korrigiert.

17 Kommentare
    Guido Lima

    Ich empfehle den Autor einen Englisch Kurs sowie das Buch von Stephen Hawkins. Das Universum ist seit dem Urknall am wachsen, heisst grösser werden, auch wenn es nun ein bisschen langsamer geht . Dann geht es dann langsam wieder zurück bis zum finalen Ende . Aber keine Angst zuerst wird der Sonne der Treibstoff ausgehen und somit der Erde das leben.