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«Sie wussten genau, was Sie da taten»

Der Schachtdeckel-Werfer muss sieben Jahre ins Gefängnis. Dass er im Vollrausch geworfen habe, glaubte das Gericht nicht. Er habe rücksichtslos in Kauf genommen, einen Menschen zu töten.

Till Hirsekorn
Der verurteilte FCW-Fan warf einen Schachtdeckel vom Parkhaus auf wartende FCZ-Fans und verletzte dabei einen 28-Jährigen schwer.
Der verurteilte FCW-Fan warf einen Schachtdeckel vom Parkhaus auf wartende FCZ-Fans und verletzte dabei einen 28-Jährigen schwer.

«Das Gericht ist überzeugt, dass Sie wussten, dass Sie es waren. Und dass Sie genau wussten, was Sie da taten.» Es ist der Kern der Begründung, auf welche die Richter gestern ihr Urteil stützten. Sieben Jahre Gefängnis erwarten den 22-jährigen B., der vor einem Jahr nach dem Fussballspiel FCW gegen FCZ vom oberen Parkdeck des Hauptbahnhofs einen über zwei Kilogramm schweren Schachtdeckel aufs Perron warf.

Dort stiegen FCZ-Fans gerade in den Zug ein. Der Deckel traf einen 28-Jährigen am Kopf, dieser erlitt dabei einen Schädelbruch. Das Verdikt lautet: eventualvorsätzliche versuchte Tötung. Heisst: B. hat den Tod eines Menschen bewusst in Kauf genommen.

«Mit jeder weiteren Einvernahme wussten Sie wieder ein bisschen weniger...»

Richterin zum Angeklagten

Kurz vor dem Wurf hatte B. die FCZ-Anhänger wohl provoziert und den Stinkefinger gezeigt. Ein Video zeige die «Interaktionen» zwischen ihm und den Fans auf dem Perron, die zum Parkdeck hochgeschaut hätten.

Keine drei Minuten nach der Tat hatte B. an seine damalige Freundin per Whatsapp geschrieben: «Ich han en Tolle-Deckel ufd Züri-Fans gschosse», fehlerfrei nota bene. Noch am Vortag hatte B.’s Verteidiger geltend gemacht, sein Mandant habe, wenn überhaupt, im Vollrausch gehandelt, ohne zu zielen.

Wie betrunken B. tatsächlich war, lässt sich nicht rekonstruieren. Es gibt keinen Bluttest, der den Promillewert belegen würde. Für das Richter-Trio ist klar: voll unzurechnungsfähig und schuldunfähig konnte B. keineswegs gewesen sein, zu viel spricht dagegen. B. konnte die provisorische Treppe bis zum oberen Parkdeck hochsteigen. B. konnte sein Smartphone entsperren. B. konnte auf die Parkhauswand klettern, um auf das Perron hinab zu schauen. B. hat nach dem Wurf ein weiteres Bier (an-)getrunken.

«Absolut abenteuerlich...»

Der Verteidiger scheiterte mit seiner Strategie, die Eindeutigkeit der Beweislage anzuzweifeln. In Erwägung zu ziehen, B.’s Kollege I. hätte den Deckel werfen können, aber seinem Mandanten die Tat einreden und dazu drängen können, die entlarvende Whatsapp-Nachricht zu schreiben, qualifizierte die Richterin als «absolut abenteuerlich und an den Haaren herbeigezogen» ab.

«Das alles hätte innerhalb von etwas mehr als zwei Minuten stattfinden müssen, und dies in aufgeheizter Atmosphäre.» Das Verfahren gegen B.’s Begleiter wurde inzwischen eingestellt. Mehrere Zeugen sagten später aus, B. habe ihnen noch am gleichen Abend und in den Tagen darauf den Schachtdeckel-Wurf eingestanden und sich gefragt, wie er aus der Sache wohl wieder herauskomme.

Die angeblichen rauschbedingen Erinnerungslücken, die B. geltend gemacht hatte, hielt das Gericht für unglaubwürdig. Mit jeder Einvernahme seien diese noch grösser geworden. Gemäss der Richterin, eine klare Schutzbehauptung.: «Sie wollten die Tat bagatellisieren oder verdrängen.» Als strafmindernd werteten die Richter B.’s Alkohol-Pegel allerdings trotzdem, und auch, dass die Tat spontan passierte. Zudem sei er teilgeständig und habe sich beim Opfer entschuldigt.

«Gewaltbereit, rücksichtslos»

All das ändere aber nichts daran, dass man hier nicht von einer Bagatelle oder einem Lausbubenstreich reden könne. B. haben gewaltbereit und rücksichtslos gehandelt, tadelte die Richterin ihn: «Sie haben versucht, einen Menschen zu töten.» Sieben Jahre Gefängnis seien angemessen.

In die Gesamtstrafe fliesst auch B.’s Vorstrafe ein. Er hatte mit Amphetaminen gedealt, war auf Bewährung erneut erwischt worden. Seinem Opfer muss er 10 000 Franken Genugtuung bezahlen, der Haftpflichtversicherung rund 15 000 Franken. Bei den Schadenersatzforderungen verwies das Gericht auf den Zivilweg.

So lief der Prozess mit der Befragung des Beschuldigten und den Plädyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung.

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