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10 Fragen zur SamenspendeDer Samenspender soll dem Ehemann ähnlich sehen

Das Parlament diskutiert diese Woche über eine Öffnung der Samenspende für gleichgeschlechtliche Paare. Heute ist das Verfahren in der Schweiz streng geregelt.

Offiziell werden in der Schweiz pro Jahr rund 200 Spenderkinder geboren. Nicht erfasst werden in den Statistiken aber Sameneinpflanzungen im Ausland oder sogenannte private Samenspenden.
Offiziell werden in der Schweiz pro Jahr rund 200 Spenderkinder geboren. Nicht erfasst werden in den Statistiken aber Sameneinpflanzungen im Ausland oder sogenannte private Samenspenden.
Foto: Getty Images

Am Mittwoch wird der Nationalrat voraussichtlich nicht nur die «Ehe für alle» befürworten, sondern auch den Zugang zur Samenspende ausweiten. Wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen, müssen sie ebenfalls den Zugang zur Samenspende haben. So, wie das heute bei heterosexuellen, verheirateten Paaren der Fall ist. Das Samenspendeverfahren ist in der Schweiz strenger geregelt als im europäischen Umland. Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer darf heute in der Schweiz Samenspende in Anspruch nehmen?

Ärzte dürfen Samenspendeverfahren nur bei heterosexuellen, verheirateten Paaren durchführen. In der Realität jedoch wird die Samenspende auch ausserhalb der Ehe, quasi im privaten Rahmen, praktiziert. Lesbische Paare oder alleinstehende Frauen reisen dafür etwa nach Spanien, Österreich, Grossbritannien oder Skandinavien, oder sie bestellen die Spermien und führen sie mithilfe einer Spritze selber ein. Manche zeugen mit einem befreundeten Mann oder einem Angehörigen der Partnerin ein Kind.

Wie viele Kinder werden durch Samenspende in der Schweiz gezeugt?

Offiziell sind es einige Dutzend bis einige Hundert pro Jahr. 2001 wurden die Regeln zur Samenspende im Fortpflanzungsmedizingesetz erstmals schweizweit geregelt. Das Bundesamt für Justiz erfasst seither die Daten von den gemeldeten Spenderkindern, deren Mutter und dem Spender. Zwischen 2001 und 2019 wurden im schweizerischen Spenderdatenregister 4126 Geburten nach Samenspenden registriert. Damit sind in dieser Zeit jährlich im Schnitt 200 Spenderkinder zur Welt gekommen. Hinzu kommen die Sameneinpflanzungen im Ausland und die sogenannten privaten Samenspenden in der Schweiz. Dazu gibt es keine Statistik.

Was, wenn eine Mutter nach privater Samenspende den Spender nicht bekannt gibt?

Die Behörden sind in solchen Fällen nicht in allen Kantonen gleich streng. Eine Studie hat 2016 untersucht, wie die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) damit umgehen. Während eine Hälfte der angefragten Kesb nichts unternehmen würde, da kein Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung vorhanden sei, sieht die andere Hälfte eine Beratung zur fehlenden Vaterschaft, eine Beistandschaft oder zumindest eine Abklärung vor.

Der Bund erfasst in einer hoch gesicherten Datenbank Angaben zum Spender wie Aussehen und Beruf.

Wie können Spenderkinder die Identität des Spenders erfahren?

Bei medizinisch unterstütztem Verfahren muss der behandelnde Arzt jede erfolgreiche Samenspende dem Bundesamt für Justiz melden. Dort führt das eidgenössische Amt für Zivilstandswesen ein Spenderdatenregister. In einer hoch gesicherten Datenbank werden Angaben wie Name, Geburtsdatum, Wohnort, Beruf und Aussehen erfasst. Wenn ein Spenderkind volljährig wird, kann es die Herausgabe dieser Daten beantragen. Bis heute hat in der Schweiz allerdings noch kein Spenderkind Auskunft aus seiner Akte verlangt. 2019 sind die ersten Spenderkinder, die das Recht dazu hätten, volljährig geworden.

Was, wenn der Spender keinen Kontakt will?

Er wird informiert, bevor das Bundesamt seine Daten dem Spenderkind herausgibt. Lehnt er eine Kontaktaufnahme ab und besteht das Spenderkind dennoch auf den Daten, gibt der Bund sie heraus mit dem Hinweis, dass das Privat- und Familienleben des Spenders respektiert werden muss.

Hat der Spender keine Vaterpflichten gegenüber dem Kind?

Nein. Durch eine ärztlich begleitete Samenspende entsteht zwischen dem Spender und dem Kind kein Kindesverhältnis. Das Kind hat gegenüber dem Spender auch keine Unterhalts- oder Erbansprüche. Allerdings: Bei privaten Samenspenden gilt das nicht. Hier riskiert der Spender eine Vaterschaftsklage, womit ein Vater-Kind-Verhältnis nach Zivilgesetzbuch entstünde. Bei Spenden, die nicht nach Fortpflanzungsmedizingesetz durchgeführt werden, geht der Spender also das Risiko ein, Unterhalt zahlen zu müssen. Gleichzeitig könnte er Anspruch auf Kontakt zum Kind und Mitsprache bei der Erziehung geltend machen.

Wer sind die Spender?

Wer offiziell Samen spenden will, muss zahlreiche medizinische Tests über sich ergehen lassen. Er wird auf Erbkrankheiten, Herz-Kreislauf- und Geschlechtskrankheiten untersucht, auch die Spermienqualität wird getestet. Dafür darf er nur den Aufwand vergütet bekommen. Wie bei der Organspende ist auch bei der Samenspende eine Entlöhnung verboten. Im Schnitt kommt jeder zehnte Mann zwischen 20 und 40 Jahren in der Schweiz als Samenspender infrage. Jeder darf per Samenspende höchstens acht Kinder zeugen, die Spermien werden für höchstens fünf Jahre eingefroren.

Kann man bei einer Samenspende ein Kind «auslesen»?

Nein. Selektion durch die Eltern ist in der Schweiz verboten. Jedoch soll der Samenspender, und das steht explizit im Gesetz, dem Ehemann der Mutter möglichst ähnlich sehen. Im Fortpflanzungsmedizingesetz heisst es: «Bei der Auswahl gespendeter Samen dürfen nur die Blutgruppe und die Ähnlichkeit der äusseren Erscheinung des Spenders mit dem Mann, zu dem ein Kindesverhältnis begründet werden soll, berücksichtigt werden.»

Wie viel kostet eine Samenspende – und bezahlt die Krankenkasse?

Nein. Die Kosten muss das Paar selber tragen. Ein Verfahren kostet in der Schweiz durchschnittlich 600 bis 1200 Franken, je nach Anbieter.

Ist Samenspende für die Mutter riskant?

Häufig werden beim Verfahren unterstützende Massnahmen wie Hormonspritzen oder Tabletten angewendet, weil die Zeugung auf natürlichem Weg nicht funktionierte. Das erhöht das Risiko von Zystenbildung und Mehrlingsschwangerschaften. Wenn eine Samenspende selber durchgeführt wird, besteht das Risiko von nicht bekannten Krankheiten des Spenders.