Zürich

Der FCZ – ein kleiner Cupsieger

Das erste Tor, das der Senegalese Sangoné Sarr für den FCZ schoss, machte den Absteiger zum neunten Mal zum Cupsieger. Auf Kosten des FC Lugano, der dafür in der Super League bleibt.

Luganos Goalie Mirko Salvi?liess einen Ball fallen und konnte dann nicht mehr verhindern, dass Sangoné Sarr (Mitte) das entscheidende 1:0 für den FCZ erzielte.

Luganos Goalie Mirko Salvi?liess einen Ball fallen und konnte dann nicht mehr verhindern, dass Sangoné Sarr (Mitte) das entscheidende 1:0 für den FCZ erzielte. Bild: Keystone

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Es war kein grosser Cupfinal, bei weitem nicht. Der FCZ ist kein grosser Cupsieger, bei weitem nicht. In Erinnerung bleiben wird dieses erste Zürcher Endspiel seit 80 Jahren durch anderes, durch die speziellen Umstände so kurz nach dem Abstieg des FCZ in die Challenge League. Es herrschte eine eigenartige Stimmung, provoziert von der Zürcher Südkurve, die sich von den Leistungen ihrer Mannschaft offenbar dermassen persönlich beleidigt fühlt, dass sie ihr 90 Minuten lang die Unterstützung versagte. Und deren Huld die Spieler nach dem Sieg zurückgewinnen wollten, indem eine Abordnung mit dem Captain Gilles Yapi und dem altgedienten «Eigengewächs» Alain Nef den Pokal vor der Südkurve hinstellte. «Seht her – das ist euer Pokal,» sollte das wohl heissen.Eine «Siegesfeier» dieser Art hat man hierzulande noch nie gesehen – auch nicht annähernd damals, als erstmals eine Mannschaft unmittelbar nach dem Abstieg aus der Nationalliga A den Cup gewann. 1992 in Bern wurde der FC Luzern eine Woche nach seinem Absturz in der Liga für sein 3:1 gegen den ... FC Lugano frenetisch gefeiert. Als wäre vorher nichts geschehen.

Man mag sich gar nicht vorstellen, was den FCZ-Fussballern geblüht hätte, wären sie wieder als Verlierer vom Platz gegangen – wie zweieinhalb Wochen zuvor, als sie gegen den FC Lugano im Letzigrund 0:4 verloren hatte. Tags darauf musste dann Trainer Sami Hyypiä gehen. Im Nachhinein ist klar, dass dies die für den Abstieg entscheidende Niederlage war.

Luganos verpasste Chance

Aber die Zürcher haben jetzt ja gewonnen – ein Spiel, das nicht unverdient an sie fiel, das aber auch an die Tessiner hätte fallen können. Die Luganesi sind jetzt zwar weiterhin Mitglied der Super League, was auch beim FCZ einem Cupsieg vorgezogen worden wäre, hätten sie wählen können. Aber der FC Lugano kam nach Zürich mit der Chance, erstmals seit seinem 4:1 gegen die Grasshoppers 1993 wieder einen Fussballtitel über den Gotthard zu holen. Und nach diesen 90 Minuten im regnerischen Zürich müssen sich die Luganesi sagen, eine grosse, ja eine riesige Chance vergeben zu haben. Diesen mental heftigst angegriffenen, mit einem Gutteil der eigenen Fans übers Kreuz liegenden FCZ zu schlagen – das wäre kein Kunststück gewesen.

Es war von Anfang an kein grosses Spiel. Es war ja auch nicht annähernd das Duell zweier Spitzenteams wie FC Basel – FC Sion vor einem Jahr, das dann zu einem fulminanten Anlass wurde, mit selbst für ihre Cupfinal-Verhältnisse ungewöhnlich starken Wallisern. Das gestern war vielmehr das Spiel des Zehnten der Super League gegen den Neunten, des Absteigers gegen jenen Gegner, der bis zur letzten Runde ebenfalls zitterte.

Favre hält, Salvi patzt

Von diesen beiden Mannschaften begannen die Tessiner immerhin etwas besser, etwas stil- und selbstsicherer. Sie hatten nach gut einer halben Stunde auch die grosse – wie sich herausstellen sollte: einmalige – Gelegenheit, den Match in ihre Richtung zu lenken. Nach einem Foul des Zürcher Torhüters Anthony Favre, der dem allein angerannten Griechen Anastasios Donis allzu forsch in die Beine gefahren war, konnte Lugano einen Elfmeter treten. Das 1:0 für den Gegner wäre für diesen zitternden und wankenden FCZ womöglich schon zuviel gewesen – aber es fiel nicht. Linksaussen Mattia Bottani, das Liebkind der Tessiner Fans, vor ein paar Tagen 25 geworden, trat an und scheiterte an Favre. Es war nach vier verwerteten Penaltys in dieser Saison Bottanis erster Fehlschuss, und es war eine der raren Momente in dieser Saison, da sich ein FCZ-Goalie massgeblich für seine Mannschaft ins Zeug legte.

Einen bedeutsamen Elfmeter gehalten hat auch Luganos Mirko Salvi – eine Woche zuvor in Vaduz. Jener Parade verdankten die Tessiner das 0:0 in Vaduz, nur deshalb reichte ihnen dann der Heimsieg gegen St. Gallen – mit einem Elfmeter Bottanis – zur Rettung. Diesem Salvi unterlief dann ein paar Minuten nach Favres Parade der spielentscheidende Patzer: Nach einem Corner Oliver Buffs und einem Kopfball bekam er, von Alexander Kerschakow bedrängt, aber nicht gefoult, den Ball nicht in den Griff. Sangoné Sarr konnte abstauben. Er drosch den Ball aus sechs Metern ins Tor. Es war der erste Treffer des 24-jährigen senegalesischen Mittelfeldspielers für den FCZ. Stammkraft war er bisher nicht, unter Forte spielte er alle vier Matches über 90 Minuten – stets neben Yapi. Gestern musste der nach 50 Minuten vom Platz, verletzt an Nase und Fuss.

In der zweiten Halbzeit war das Spiel etwas ereignisreicher. Mal traf der FCZ-Russe Kerschakow den Pfosten, mal der Lugano-Grieche Donis. Wirklich unter Kontrolle hatten die Zürcher die Ereignisse bis zum Schluss nicht. Aber es war auch nicht so, dass man von einer auch nur halbwegs zwingenden Reaktion des FC Lugano hätte reden können. Der hatte seine Chance in der Tat mit dem Elfmeter vergeben.

Viel Kampf, viele Fouls

Spielerisch wars ein weiteres Mal kein starker Auftritt des FCZ. Der war einfach mal froh, gewonnen zu haben und nicht unter einer weiteren Lawine der Kritik, ja Häme begraben zu werden. Der FC Lugano war insgesamt zu leichtgewichtig, vor allem um den gegnerischen Strafraum. Wenn einer wie Antoine Rey der Mann mit der grössten Präsenz ist, dann zeigt das einiges über eine Mannschaft, ja ein ganzes Spiel: Dann wird zwar viel gelaufen, viel gekämpft, aber auch oft gefoult. Und genau so war dieser erste Zürcher Final seit 80 Jahren. Mit einem Sieg, der die vielleicht grösste Krise des FCZ wenigstens etwas milderte.

Erstellt: 29.05.2016, 22:50 Uhr

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