FUSSBALL

Der FCW – vom Tessin in den Jura

Die Blamage einer Niederlage gegen den Zweitligisten Gambarogno-Contone drohte dem FCW zu keiner Sekunde. Er erfüllte seine Pflicht mit einem 6:1 (5:0) – anfangs sehr souverän, später ziemlich nachlässig. Der nächste Gegner spielt zwei Klassen höher als die Tessiner: Es ist der Erstligist SR Delémont.

Traf zweimal für den FCW: Robin Huser (links).

Traf zweimal für den FCW: Robin Huser (links). Bild: Urs Kindhauser/Archiv

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gegen eine Mannschaft, die vier Klassen tiefer spielt, hat der FCW in seiner ganzen Vereinsgeschichte noch nie verloren. Und diese unerfreuliche Premiere stand auch gestern nicht zur Diskussion, nicht an diesem sehr warmen, aber nicht heissen oder gar unangenehmen Sonntagnachmittag in der Magadinoebene. Denn dieser Match lief, wie es sich die Winterthurer hatten wünschen können.In der 2. Minute durften sie einen Eckball treten, den Robin Huser mit dem Kopf über Goalie Federico Martinoli hinweg unter die Latte lenkte. Ein paar Minuten später drosch Luca Radice einen abgewehrten Ball aus gut 20 Metern volley ins Tor – eine erstklassige Arbeit. Nach zwölf Minuten legte Tobias Schättin für Manuel Sutter auf – 0:3. In der 23. Minute spielten sich Luka Sliskovic und Sutter wie Topprofis schulmässig durch die Abwehr – 0:4. Und nach 25 Minuten brauchte Huser den Ball, den der Torhüter nach Sliskovics Schuss hatte abprallen lassen, nur noch ins leere Tor zu schieben.

Nur eine Halbzeit beeindruckt

Es war also eine halbe Stunde, in welcher der FCW beeindruckte. Das tat er im grossen Ganzen auch noch bis zur Pause, aber er tat es nicht mehr danach. Nun spielte er wesentlich weniger klarlinig als vorher. Er nutzte seine Chancen, von denen es weiterhin genug, aber nicht mehr so zwingende gab, so gut wie nie mehr. Nur als Sliskovic gefoult worden war, nutzte der eingewechselte Gianluca Frontino die Gelegenheit, per Elfmeter das 6:0 zu erzielen. Es war den Tessinern zu gönnen, aufgrund des Klassenunterschieds aber leicht vermeidbar, dass in der Endphase dann doch noch das 1:6 fiel. Schättin hatte sich düpieren lassen, Saverio Perri verfehlte das Tor nicht.

So fiel die Tagesbilanz des Trainers Umberto Romano so aus: «Wir haben die Pflicht in der ersten Halbzeit erfüllt, sogar sehr gut.» Er habe verlangt, fügte Romano bei, «dass wir das Spiel in der ersten Halbzeit entscheiden». Aber nachher hätten sie es verpasst, «so weiterzuspielen». Dass dies keinen Einfluss aufs Weiterkommen seiner Mannschaft hatte, war selbstredend auch dem Trainer klar. Aber er stellte eben auch fest, dass vor allem jene nicht ihr Niveau gehalten hatten, denen er doch die Gelegenheit gegeben hatte, sich für die erste Wahl aufzudrängen.

Das Nachlassen der Probables

Denn es war doch so: Aus der Startelf von Vaduz waren nur vier dabei, Abwehrchef Jordi Lopez, der rechte Aussenläufer Nicolas Stettler, Captain Luca Radice und Stürmer Manuel Sutter. Und von diesen spielte Stettler nur, weil er ein paar Minuten vor Anpfiff wegen Kreso Ljubicics Forfait nachrückte; Radice wechselte deshalb von der linken Aussenbahn ins Zentrum. Neben Stettler waren dann Sutter und Lopez die Einzigen auf ihrem Stammplatz.

Im Tor durfte sich Yannick Bünzli zeigen. Die Verteidiger neben Lopez waren Julian Roth und Tobias Schättin. Den «Sechser» durfte Robin Huser geben, den zweiten «Achter» neben Radice Yang Ming-Yang. Sturmspitze neben Sutter war Luka Sliskovic. Torhüter Matthias Minder, Guillaume Katz, Frontino und Markaj sassen auf der Bank, Silvio wurde geschont, Karim Gazzetta war aus der letzten Saison gesperrt.

Dann schoss Huser schon bald seine beiden ersten Tore für den FCW, lief Yang mehr als jeder andere, spielte sich Sliskovic zusammen mit Sutter beeindruckend locker durch die gegnerische Abwehr, liessen Roth und Schättin nichts anbrennen. Es hat eine Halbzeit lang also so ziemlich jeder der Probables gezeigt, dass man sich ihn auch in der ersten Wahl vorstellen könnte. Es war in der Tat ein professioneller Auftritt gegen eine hoffnungslos überforderte Gegnerschaft, die sich zweifellos etwas mehr von diesem Fussballfestchen auf seinem schönen Platz erhofft hatte.

Natürlich könnte man nun sagen, es sei belanglos gewesen, dass der FCW in der zweiten Halbzeit nicht mehr annähernd bot, was er vorher gezeigt hatte. Aber die zweite Hälfte lieferte eben doch Hinweise, die nicht vernachlässigbar sind: Ausgerechnet jene, die an diesem Tag um ihre Chance kämpften, einem Startplatz in der ersten Elf näherzukommen. So wurde Huser nachlässig, verschuldete Schättin das Gegentor, liess Yang offensichtlich nach und war Leandro Di Gregorio nicht der Aussenläufer, den man für den nächsten Match gegen Servette sieht. Wenn also Romano auf diese zweite Hälfte abstellt, wird er nicht zur Erkenntnis kommen, es habe sich da einer aufgedrängt, den er bisher nicht oder weniger berücksichtigte.

Man hätte natürlich auch gerne gesehen, wie Ljubicic eine Formrückkehr nachweist. Aber das war nicht möglich, weil er das Einlaufen nicht überstand. Immerhin, Radice zeigte sich auch in anderer Rolle denn als linker Aussenläufer in guter Form. Auch Sliskovic, zuerst Sturmspitze, dann linker Aussenläufer, machte einen konstanten Match, obwohl ihm ein Tor versagt blieb.

Romanos Rückkehr in den Jura

Der Match in Magadino war kaum zu Ende, wurde in Zürich schon der nächste Gegner des FCW ausgelost. Möglich war so gut wie alles, von einem nächsten Heimspiel gegen den FC Basel bis zu einem Auswärtsmatch gegen einen der übrig gebliebenen Kleinen – wie dem FC Bassersdorf oder dem FC Hergiswil. Es war schliesslich ein Los dazwischen, die SR Delémont aus der 1. Liga, gegen die der FCW zuletzt in der 1. Runde 2015/16 spielte. Er siegte damals dank eines Tores von João Paiva und einer späten Elfmeterparade Minders 1:0.

Für Umberto Romano ists eine Rückkehr, denn er spielte einst zu NLA-Zeiten unter Trainer Michel Decastel für die Jurassier. «Mein Wunsch wäre gewesen», sagt Romano, «dass wir gegen Linth 04 spielen» – gegen den Klub aus der 2. Liga inter, bei dem er einst seine Trainerkarriere begann. Aber der spielt nun gegen den FC St. Gallen, und Romano sagt: «Es ist auch schön, nach Delsberg zurückzukommen. Das ist ein Gegner, gegen den man natürlich aufpassen muss.» Aber er ist ihm doch eindeutig lieber, als schon auf einen Klub aus der Super League zu treffen – wie eben den FCB.

Trainiert werden die Jurassier neuerdings übrigens von einem Mann, der einen ziemlich grossen Namen hat, wenigstens als Spieler: dem ehemaligen GC- und FCB-Spieler Mario Cantaluppi.

Erstellt: 13.08.2017, 23:25 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles