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2:2 beim FC SionDer FC Zürich punktet weiter – doch etwas fehlt

Im vierten Spiel mit Trainer Massimo Rizzo gewinnt der FC Zürich den zehnten Punkt. Er festigt den vierten Tabellenplatz. Doch hätte er im Wallis nicht selbstbewusster auftreten müssen?

Keeper Yanick Brecher und Toni Domgjoni können nur einen Punkt statt deren drei feiern.
Keeper Yanick Brecher und Toni Domgjoni können nur einen Punkt statt deren drei feiern.
Foto: Keystone

In der letzten Minute des Spiel sprintete der Stürmer Assan Ceesay noch einmal los, mit dem Ball am Fuss an der Verteidigung des FC Sion vorbei. Dann schoss er den Ball ins Stockdunkel der Nacht. Er hätte ihn in die weite Ecke schieben können, er hätte zu einem besser postierten Mitspieler passen können. Ceesay hätte dem FC Zürich den Sieg schenken können. Doch so hielt das 2:2 Bestand.

Im vierten Spiel mit Trainer Massimo Rizzo gewann der FC Zürich den zehnten Punkt. Er festigte den vierten Rang und das Bewusstsein, auf der richtigen Spur zu sein. «Wir können zufrieden sein», sagte Rizzo nach dem Spiel. Der FC Sion sei ein sehr guter Gegner gewesen. Und doch blieb die Frage, ob der FCZ gegen diesen Widersacher mit mehr Selbstvertrauen hätte auftreten müssen. Ob er aus den letzten Wochen hätte eine andere, mutigere Haltung entwickeln müssen.

Der FC Sion hatte sein letztes Spiel am 18. Oktober ausgetragen. Dann wurde er von Corona getroffen und so schwer derangiert wie bisher kein Team in der Schweiz. Mehr als 20 Spieler und Mitglieder des Staff wurden positiv getestet, zum Teils mehrere Male. Sie verharrten wochenlang in Quarantäne oder Isolation, nachdem sie in den ersten vier Spielen der Saison nie gewonnen hatten. Erst vor einer Woche startete das Team mit regulärem Training.

Dann kam Schönbächler

Doch der FC Sion war sofort parat. Körperlich und geistig. Die Spieler wollten von der ersten Minute an verhindern, dass ein Rhythmus aufkommt. Sie stupsten, checkten, foulten die FCZ-Spieler, sie provozierten, suchten Diskussionen. Der FC Zürich liess sich auf die Gangart ein. Und so blieb das Spiel in der ersten Halbzeit zerfahren, ruppig und von bescheidener spielerischer Qualität. Doch dann kam Marco Schönbächler.

Zuerst das Tor zum 1:0 in der 47. Minute. Drei Minuten später ein wunderbarer Steilpass auf Antonio Marchesano. Und dann in der 55. Minute der Querpasss auf Benjamin Kololli, der den FCZ wieder in Führung schoss – 2:1. Jede Szene war Ausdruck von Schönbächlers Begabung. Er war urplötzlich hellwach, und mit ihm das Team. Als hätte man sich in der Pause darauf geeinigt, dass die erste Halbzeit unter jedem Anspruch gewesen war.

Das 2:1 durch Kololli.
Video: SRF

Schönbächler wurde zum Sinnbild des FCZ. Und schrieb doch eine sehr persönliche Geschichte. In der ersten Halbzeit hatte er sich fast verweigert. Und bei Schönbächler ist es halt so eine Sache: Er, der ehemalige Nationalspieler, wird nach so vielen Verletzungen, Tiefs und schlechten Spielen bei jeder Aktion von der grundsätzlichen Frage begleitet, obs denn überhaupt noch reicht. Ob es noch einmal so schön und so leicht wird wie früher.

Schönbächler spielte zum ersten Mal in dieser Saison von Anfang an. Wahrscheinlich spielte er nur, weil Aiyegun Tosin gesperrt war. Und hätte Schönbächler mit der Leistung der ersten Halbzeit in den Bus steigen müssen, wären neuerlich Diskussionen geführt, Fragen gestellt, Zweifel geäussert worden. Schönbächler rettete sich selber. Aber er wurde auch von seinem Team gerettet.

Noch fehlt etwas

Das Gefüge des FC Zürich hat sich stabilisiert, es hat eine klare taktische Ausrichtung gefunden und eine innere Festigkeit erlangt. Es kann Schönbächler auffangen, stützen und zu einem besseren Spieler machen. Und doch wurde in Sitten offensichtlich, dass dem FCZ noch etwas fehlt zum Spitzenclub, der er so gerne wäre.

«Es geht auch darum, die Stärke des Gegner zu anerkennen.»

FCZ-Trainer Rizzo

Die fussballerische Qualität und die Selbstsicherheit sind noch zu wenig gross, um einen spielerisch lahmen und körperlich dezimierten Gegner wie den FC Sion im besten Fall zu dominieren, mindestens zu kontrollieren und im Notfall wenigstens zu besiegen. Rizzo sagte nach dem Spiel: «Es geht auch darum, die Stärke des Gegner zu anerkennen.» Er hörte sich allzu demütig an.

Dieses Spiel hätte vom FC Zürich von der ersten Minute an eine Haltung verlangt. Eine Selbstvergewisserung, aus welchen Wochen, Umständen und Entbehrungen der Gegner gekommen war. Und woher man selber. Der FCZ hätte aus den vergangenen drei Spielen ein Selbstbewusstsein entwickeln und die natürlichen Vorteile der Wettkampfpraxis in sein Spiel übersetzen müssen. Doch es scheint, als brauche er noch etwas Zeit für einen solchen Schritt.