DJ Baltisberger legt auf zum Sieg

Chris Baltisberger setzt den Ton beim überzeugenden 5:0 der ZSC Lions in Davos. Der Stürmer spielt im Spitzenkampf die verschiedensten Rollen.

Der Gameplan ging für Chris Baltisberger auf: «Wir zeigten eine sehr gute Reaktion.»

Der Gameplan ging für Chris Baltisberger auf: «Wir zeigten eine sehr gute Reaktion.»

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Zunächst drangen Jauchzer aus der Gästegarderobe, dann ertönten laute Beats, die, als die Tür aufsprang, auch den Gang ausfüllten. Heraus kam Chris Baltisberger, mit einem Lächeln entschuldigte er sich fürs Wartenlassen: «Sorry, ich musste noch die Musik machen.» Torschütze, Provokateur, mühsamer Gegenspieler, Kabinen-DJ – Baltisberger spielte an diesem Abend eine Vielzahl von Rollen.

Für die Musik hatte im Match die ganze Mannschaft gesorgt. 5:0 gewann der ZSC in Davos beim Team der Stunde, das zuvor inklusive der Siege im Cup gegen Lugano und Bern 13 von 14 Spielen gewonnen hatte. «Davos ist derzeit die beste Mannschaft, darum war dieses Spiel für uns sehr wichtig, ein echter Gradmesser, weil wir zuletzt in wichtigen Spielen Mühe gehabt hatten», sagte der Flügelstürmer.

«Angst vor dem Verlieren»

5:0, fünf Tore, das tat den Zürchern so richtig gut, nachdem die Resultate in der Meisterschaft zuletzt 1:2, 3:1, 1:3, 1:2 gelautet hatten. Und mittendrin in diese kleine Flaute hatten die Lions auch noch dieses schlimme 3:6 im Cup gegen Ajoie ­platziert, ein Spiel, in dem der NL-Leader gegen den Unter­klassigen gar 0:5 in Rückstand geraten war.

Das war letzten Dienstag, und nein, das habe man nicht einfach so als Aus­rutscher ad acta legen können, sagte Baltisberger. «Die Art und Weise gab vor allem zu denken. Wir haben es analysiert und ­kamen zum Schluss, dass es ein mentales Problem war – als hätten wir Angst gehabt vor dem Verlieren.»

«Wir mussten über die Bücher und zeigten eine sehr gute ­Re­aktion.»Christ Baltisberger

Es folgte das 1:2 zu Hause gegen Genf in der Meisterschaft am Abend vor der Reise nach ­Davos. Vor der Abfahrt nach Graubünden bat Trainer Rikard Grönborg die Mannschaft zum Team-Meeting, forderte der Schwede mehr Aggressivität, vor allem beim Forechecking. Und was Grönborg wollte, das bekam er in Davos auch – und noch vieles mehr. «So gesehen hatten diese zwei Spiele nicht nur Schlechtes», sagte Baltisberger. «Wir mussten über die Bücher und zeigten eine sehr gute ­Re­aktion.»

Die Lions starteten bissig, liessen im erstmals ausverkauften Davoser Stadion gar kein Startfurioso der Bündner zu und wankten auch dann nicht, als der HCD besser ins Spiel fand. Die 3:0-Führung nach 40 Minuten war vorentscheidend, die Bündner zeigten im Schlussdrittel gar erstmals überhaupt in dieser ­Saison Zerfallserscheinungen. Begonnen hatte alles mit einem Treffer Chris Baltisbergers nach acht Minuten, es war so ein typisches Ding des ZSC-Stürmers.

Denn die Formulierung «Chris Baltisberger schiesst ein Tor» ist bei seinen Treffern oft falsch. Dann nämlich, wenn er seinen Stock in Weitschüsse von Mitspielern hält, den Puck nur minim touchiert, was aber meistens reicht, um die gegnerischen ­Goalies zu irritieren.

Üben mit der Ballmaschine

Er übe das während der Saison praktisch täglich und auch im Sommer – ob mit Schüssen seines Bruders Phil oder mit einer Ballmaschine für Tennisbälle. Diese unscheinbare und doch so wirkungsvolle Fähigkeit hat ihm den Stammplatz im Powerplay beschert. Er darf dort öfter ran als ein Filigrantechniker wie Wick – Baltisberger ist im Überzahlspiel der einzige stets eingesetzte Zürcher, der kein klassischer «Skill Player» ist, also kein klarer Kandidat für ­offensive ­Rollen.

Provozieren, einstecken und austeilen wie hier gegen Rapperswil-Spieler Fabian Meier, das ist das Spiel von Chris Baltisberger. (Bild: Keystone)

Bei «normalem» 5-gegen-5-Hockey spielt Baltisberger in der 4. Linie, wo er defensiv arbeiten und den Stars der Gegner auf die Nerven gehen muss. Beides tat er in Davos. Dass sein Tor gegen die Linie mit Topskorer Perttu Lindgren fiel, freute ihn besonders.

Es war ein guter Abend für Baltisberger, an dem er auch Argumente sammelte für einen neuen Vertrag. Denn sein auslaufender Kontrakt wurde im Gegensatz zu jenem seines Bruders, Roman Wicks oder Severin Blindenbachers noch nicht verlängert.

Provozieren, selber angegangen werden, austeilen, einstecken, das gehört zu Baltisbergers Spiel, auch da war er in Davos im Element. «Du musst wissen, wann du was tun darfst», umschrieb er diese Rolle, vergass aber nicht anzufügen, dass er einmal genau das Gegenteil tat, als er vor den Augen der Refs den Stock im Gesicht eines Gegenspielers platzierte: «Eine blöde Strafe.» Die war am Ende aber Makulatur, für Baltis­berger zählte am Ende vor allem das: «Unser Gameplan ging so richtig auf.»


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Erstellt: 02.12.2019, 07:33 Uhr

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