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Lord BamfordDer britische Bagger-König bringt seine Milliarden in die Schweiz

Der Multimilliardär und Brexit-Befürworter Lord Anthony Bamford zügelt sein Vermögen von Curaçao an den Genfersee. Das dürfte mit den Anpassungen der Unternehmenssteuer beiderorts zu tun haben.

Parkiert das Geld gern dort, wo ihm am wenigsten davon weggenommen wird: Lord Bamford.
Parkiert das Geld gern dort, wo ihm am wenigsten davon weggenommen wird: Lord Bamford.
Foto: PD

Als Finanzminister Ueli Maurer Anfang 2017 bei der Unternehmenssteuerreform III eine krachende Niederlage einfuhr, war die Waadt schon deutlich weiter: Ihre Stimmbevölkerung hatte ein Jahr davor einer ähnlichen Anpassung an die international akzeptierten Steuerregime zugestimmt. Und so senkte die Waadt ihre Gewinnsteuern für Unternehmen schon im Januar 2019 auf 14 Prozent. Maurer dagegen musste auf Bundesebene mit der Staf-Vorlage im Mai 2019 einen zweiten Anlauf nehmen, bevor er die Reform auf Anfang 2020 umsetzen konnte.

Damit dürfte es kein Zufall sein, dass der Kanton Waadt nun als einer der ersten die Früchte erntet. Wie das Finanznachrichtenportal Bloomberg am Dienstag berichtete, transferiert Lord Anthony Bamford ein Vermögen von umgerechnet rund 6 Milliarden Franken in eine Holding mit Sitz in Lausanne. Bamford und seine Familie liegen in der Rich List der «Sunday Times» auf Rang 27 der reichsten britischen Familien.

JCB ist im Oxford Dictionary

Die Erklärung für den Reichtum findet sich grösstenteils bei Lord Bamford selbst, wenn auch sein Vater Joseph Cyril Bamford seinen gewichtigen Teil dazu beigetragen hat. Am 23. Oktober 1945 – Sohn Anthony wurde tatsächlich am gleichen Tag geboren – trug er seine Baggerfirma mit dem simplen Namen JCB ins Firmenregister ein. Es waren seine Initialen.

Die drei Buchstaben haben heute sogar einen eigenen Eintrag im Oxford Dictionary. In den boomenden Nachkriegsjahren waren sie in Grossbritannien zum Synonym für das Wort Bagger geworden: Es ist wie bei Darvida für Vollkorngebäck, Kaffee Hag für koffeinfreien Kaffee oder Labello für Lippenpomade – wessen Produktname zum sogenannten Deonym wird, hat beim Marketing einen unschätzbaren Vorteil.

Dass JCB allerdings zur Weltmarke aufstieg, war nicht mehr das Verdienst von JCB himself, sondern von Anthony. Als er 1975 als gerade mal 30-Jähriger den Vorsitz der Firma übernahm, erwirtschaftete sie in ihrer einzigen Fabrik in Rocester in den West Midlands einen Umsatz von ein paar Dutzend Millionen. Heute beschäftigt sie in 22 Fabriken weltweit über 12’000 Personen und baut vom Gabelstapler bis zum Generator über 300 Produkte. 2019 betrug der Umsatz 5 Milliarden Franken. Die Gewinne über die Jahrzehnte gingen an die Familie, die das Unternehmen heute noch besitzt.

Auch Curaçao musste spuren

Und so stieg Bamford über die Jahre vom KMU-Chef zum Grossindustriellen auf – mit allem, was das mit sich bringt: 1990 schlug ihn die Queen zum Ritter. 2013 wurde er in die zweite Parlamentskammer House of Lords aufgenommen, diesen undemokratischen Anachronismus des Königreichs. Anderweitig beteiligte sich Bamford im Brexit-Jahr 2016 an der britischen Demokratie, als er sich mit Millionen und Argumenten für die erfolgreiche Leave-Kampagne engagierte.

Dass er sein Vermögen schon seit den 70er-Jahren auf der niederländischen Karibik-Insel Curaçao mit ihren paradiesischen Steuersätzen parkiert und damit dem britischen Fiskus entzogen hatte, stand bei all diesen Ehren nicht im Weg. Entsprechend dürfte der Aufschrei auch jetzt, wo sich auch Curaçao ebenfalls an internationale Standards anpassen muss und Bamford der Insel den Rücken zudreht, nicht gross ausfallen. Der Staat verliert schliesslich kein Geld, das ihm nicht schon vorher entgangen wäre.

31 Kommentare
    Nick Schaefer

    England: Das Land der mordenden und raubenden Normannischen Eroberer, der Freibeuter, Sklavenhändler, Kolonialisatoren, und steuerhinterziehenden Brexiteers:

    Immer noch im Feudalbesitz.

    Während die Hälfte der Bevölkerung funktionale Analphabeten sind, und 20% der Kinder ohne Schulessen hungern.

    Das Geld, das den hungernden Familien fehlt, kommt nun nach Lausanne.

    Da darf man doch als Schweizer stolz sein.