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Schulstreit in HorgenDer Bezirksrat entlastet die Schulpräsidentin

Der Bezirksrat Horgen hat das Urteil im Konflikt um die Horgner Schulpräsidentin gefällt. Sowohl Gemeinderat wie Schulpflege kommen im 50-seitigen Beschluss nicht gut weg. Der Bezirksrat ordnet ein Gruppencoaching an.

Bei ihrer Wahl zur Schulpräsidentin am 10. Juni 2018 war die Welt noch in Ordnung. Gemeindepräsident Theo Leuthold gratulierte Carla Loretz mit einem Blumenstrauss. Jetzt hat der Bezirksrat sein Urteil im fast einjährigen Konflikt innerhalb der Behörden gefällt.
Bei ihrer Wahl zur Schulpräsidentin am 10. Juni 2018 war die Welt noch in Ordnung. Gemeindepräsident Theo Leuthold gratulierte Carla Loretz mit einem Blumenstrauss. Jetzt hat der Bezirksrat sein Urteil im fast einjährigen Konflikt innerhalb der Behörden gefällt.
Archivfoto: André Springer

Der Bezirksrat hat ein Machtwort im über einem Jahr schwelenden Konflikt in der Schule Horgen gesprochen. Er stellt sich im Streit zwischen der Schulpräsidentin Carla Loretz (parteilos) und dem Horgner Gemeinderat sowie der Schulpflege hinter die Schulvorsteherin. «Carla Loretz kann keine Ordnungswidrigkeit vorgeworfen werden, die das Eingreifen des Bezirksrats rechtfertigen würde», schreibt die Aufsichtsbehörde im Kern des 50-seitigen Urteils, das dieser Zeitung vorliegt.

An die Aufsichtsbehörde gewendet hatten sich vor fast genau einem Jahr jene, die nun unterlegen sind: der Gemeinderat und die Schulpflege. Getadelt wird Loretz von ihren Kollegen unter anderem wegen schlechten Führens der Finanzen, Nichteinhalten von Terminen oder Desinteresse und Beratungsresistenz. Im Urteil sind zahlreiche seitenlange Protokolle von Gesprächen zwischen dem Bezirksrat und den verschiedenen Parteien aufgeführt. Hinzu kommen unaufgeforderte Stellungnahmen verschiedener Behörden und Personen, welche sichtlich auch ausschlaggebend waren, dass der Bezirksrat ein Jahr Zeit für ein Urteil brauchte.

Gegenseitige Unterstützung

Im Urteil verweist der Bezirksrat Horgen nun zwar mehrmals darauf hin, dass für das «gute Funktionieren der Behörde jedes einzelne Mitglied – also auch die Präsidentin – verantwortlich ist». Anstelle von Carla Loretz bekommen letztlich aber Gemeinderat und Schulpflege die meiste Kritik ab.

Um die Hintergründe des Urteils zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit nötig. Carla Loretz wurde 2018 überraschend als Schulpräsidentin in ein Gremium gewählt, das vor allem aus bisherigen Mitgliedern bestand. Der Bezirksrat stellt fest, Loretz habe versucht, neue Ideen in ein bestehendes Gremium zu bringen. Das habe von Anfang an für Unstimmigkeiten gesorgt. «Der Bezirksrat muss feststellen, dass die Integration der Schulpräsidentin gescheitert ist», schreibt er im Urteil.

Dass diese Schuld nicht allein bei Loretz liegt, macht der Bezirksrat unter anderem daran fest, dass kein spezifisches Einführungsprogramm für neue Mitglieder in der Schulpflege und im Gemeinderat besteht. «Es ist nicht einzig die Aufgabe der neuen Mitglieder, sich in bestehende Gremien zu integrieren.» Es bedinge eine gegenseitige Unterstützungs- und Informationspflicht. Ob Carla Loretz in genügend klarer Weise Unterstützung angefordert hat, lässt das Urteil explizit offen.

«Herablassend und verletzend»

«Die Vorstellung, dass ein neues Behördenmitglied von Beginn an über alle Abläufe Kenntnis hat, führt beim betroffenen Mitglied unweigerlich zu Überforderung», schreibt der Bezirksrat. Diesbezüglich könne Loretz keine Pflichtverletzung vorgeworfen werden. Weiter heisst es, dass es gar zu einem gezielten Ausgrenzen der Schulpräsidentin gekommen sei, was «stark herabwürdigend, verletzend und einer Behörde nicht würdig» sei. Als Beispiel nennt der Bezirksrat eine Weihnachtsfeier, von der die Schulpräsidentin telefonisch ausgeladen worden sei.

In der Kritik steht auch Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP). Aus dem Urteil geht hervor, dass er Loretz zu Beginn ihrer Amtszeit eine kurze Einführung gab und seine Vorstellung der Zusammenarbeit erläuterte. «Dies deutet klar auf ein verzerrtes Rollenbild des Präsidiums hin», schreibt der Bezirksrat. Es sei nicht Aufgabe einer Kollegialbehörde, den Vorstellungen einzelner Mitglieder oder des Präsidiums zu entsprechen.

Teil des Konflikts waren die Budgets der Schule Horgen der Jahre 2019 und 2020. Der Bezirksrat hält nun fest, dass das Budget 2019 zum grossen Teil von Loretz’ Vorgängerin erstellt wurde. Beim Budget 2020 sei es zwar zu Verzögerungen gekommen, dass «die Schulpräsidentin bei ihrem ersten Budget diese zeitlichen Probleme noch nicht hinreichend absehen konnte, kann ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden».

Einzelcoaching für Loretz

«Es hat sich letztlich gezeigt, dass die Schulpflege und der Gemeinderat nicht in der Lage sind, die vorliegenden Probleme selbst zu lösen», heisst es im Urteil. Problematisch seien vor allem die im zwischenmenschlichen Bereich anzusiedelnden Probleme.

Der Bezirksrat verdonnert die Schulpflege wie auch den Gemeinderat dazu, ein extern geführtes Gruppencoaching und, sofern notwendig, gezielte Einzelcoachings durchzuführen. Zusätzlich habe die Schulpräsidentin ein Einzelcoaching zu absolvieren. Denn auch sie bleibt im Urteil nicht von Kritik verschont. «Der Schulpräsidentin ist dringend geraten, sich in Pünktlichkeit und Informationstätigkeit zu bessern.»

Erstaunt ist der Bezirksrat darüber, dass der Schulpräsidentin mittlerweile schrittweise beinahe alle Kompetenzen entzogen wurden, sich eine Verbesserung der Situation in der Schulpflege aber nicht einzustellen möge. Zudem sei der Entzug der Kompetenzen teilweise widerrechtlich gewesen. Carla Loretz erhält daher ihre entzogenen Aufgabenbereiche bis auf die Finanzen wieder zurück.

Über den Verlauf des Coachings müssen die Beteiligten dem Bezirksrat laufend Bericht erstatten. Noch ist der Beschluss nicht rechtskräftig. Die Parteien haben 30 Tage Zeit, Rekurs zu erheben.