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Vor dem Saisonstart nach der ZwangspauseDen Athleten vom See eröffnen sich Perspektiven

Jonas Raess überstrahlt die Leichtathletik am Zürichsee. Die Corona-Zeit fordert den Langnauer 5000-Meter-Spezialisten wie Lea Ammann vom TV Thalwil, den Sihltaler Lionel Spitz und die Besten der LG Küsnacht-Erlenbach und des LC Meilen. Nun bereiten sie sich auf die besondere Saison vor.

Rückblickend sieht Jonas Raess auch Vorteile bezüglich Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio auf 2021: Die zusätzliche Zeit kommt dem 5000-Meter-Spezialisten aus Langnau (hier vorn an der SM 2019 in Basel) für seine Entwicklung gelegen.
Rückblickend sieht Jonas Raess auch Vorteile bezüglich Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio auf 2021: Die zusätzliche Zeit kommt dem 5000-Meter-Spezialisten aus Langnau (hier vorn an der SM 2019 in Basel) für seine Entwicklung gelegen.
Foto: Georgios Kefalas / Keystone

Durch die überraschend frühen Startmöglichkeiten der Leichtathleten fordert sich Jonas Raess zusätzlich. «Ich will am 3. Juli in Luzern die Meile unter vier Minuten laufen», betont der Langnauer. Um eine extrem hoch angesetzte Vorgabe handelt es sich für den 5000-Meter-Spezialisten. «Um die 1609,35 Meter so schnell zu laufen, muss ich jetzt im Training Schub geben», sagt er.

Weitgehend allein hat er dies getan seit Februar. Während eines Monats weilte der 26-Jährige zuletzt in St. Moritz. Nun ist Raess zurück im Sihltal. Auf seine Trainingspartner der britischen Trainingsgruppe unter Coach Steve Vernon muss er noch immer verzichten. Aber, so sagt er: «Ich folgte dem Trainingsplan von Steve, und das passt mir vorzüglich.» Nationaltrainer Louis Heyer sorgte zuletzt zeitweise für die wertvolle Aussensicht vor Ort.

Olympia – mit besseren Optionen

An der Absicht von Jonas Raess hat sich trotz der weggefallenen Olympiaperspektiven nichts Grundsätzliches geändert. Aus Tokio 2020 ist Tokio 2021 geworden – mit noch mehr Zuversicht: «Ich bin überzeugt, dass ich meine Entwicklung Richtung Weltspitze fortführen kann. Die zusätzliche Zeit kommt mir gelegen.» Und klar ist auch, dass sämtliche Resultate und Zeiten bis zum 1. Dezember hinsichtlich einer Olympiaqualifikation keine Relevanz haben. Raess setzt sich dennoch Ziele, hohe sogar. Nach Luzern plant der Sihltaler Ende Juli in Bern einen Angriff auf den 2000-Meter-Schweizer-Rekord.

Im Spätsommer (August/September) steuert er seine Hochform an. Dann will er, der im Winter mit seiner europäischen Hallenbestzeit über 3000 Meter aufhorchen liess, «an meinem CV arbeiten». Oder anders ausgedrückt: Raess will seine Bestmarken über 3000 und 5000 Meter knacken. Den speziellen Frühling sieht er als gute Basis: «Ich konnte ohne Beschwerden hohe Umfänge laufen.»

WM-Verzicht für Ammann und Spitz

Noch sind zwar die U-20-Weltmeisterschaften von Mitte Juli in Nairobi (KEN) offiziell nicht abgesagt. Den Glauben an ihre Durchführung hat aber niemand ernsthaft. Betroffen von der sich abzeichnenden Absage sind auch eine Athletin und ein Athlet vom Zürichsee: 800-Meter-Läuferin Lea Ammann vom TV Thalwil sowie 400-Meter-Spezialist Lionel Spitz vom Track Team Adliswil. Ammann, erst 18-jährig und letztes Jahr bereits Elite-Schweizer-Meisterin, bedauert: «Kenia, das wäre cool gewesen.» Stattdessen fokussiert sie sich nun auf die nationale Saison, die noch immer mit etlichen Fragezeichen behaftet ist. «Wie realistisch das Verteidigen des Titels ist, wird sich zeigen», sagt sie. Vor allem wenn Ammann an der SM auf die international erprobte Hallen-Europameisterin Selina Büchel, auf U-20-Europameisterin Delia Sclabas oder EM-Teilnehmerin Lore Hoffmann treffen sollte, dürfte nur schon ein Medaillengewinn höchst anspruchsvoll werden.

Wäre Mitte Juli gern an der U-20-WM in Kenia gestartet: Lea Ammann vom TV Thalwil muss allerdings mit einer Absage der Wettkämpfe rechnen und legt deshalb ihren Fokus auf die nationale Saison.
Wäre Mitte Juli gern an der U-20-WM in Kenia gestartet: Lea Ammann vom TV Thalwil muss allerdings mit einer Absage der Wettkämpfe rechnen und legt deshalb ihren Fokus auf die nationale Saison.
Foto: David Baer

Sein internationales Debüt über 400 Meter steuerte Lionel Spitz vom Track Team Adliswil an. Das Verpassen ohne eigenen Fehler schmerzt natürlich. Entdeckt hat der 19-Jährige hohe Ersatzziele: das Senken seiner Bestzeit unter 48 Sekunden (bisher: 48,48) sowie das Verteidigen des U-20-Meistertitels. «Ich bin in einer guten Verfassung», sagt der Sihltaler. Diese führt er nicht zuletzt auf Corona zurück: Er hatte wegen der abgesagten KV-Abschlussprüfungen mehr Zeit für gezielte Trainings.

Schnelle LGKE-Sprinterinnen

Voller Vorfreude auf die nun beginnende Saison zeigen sich die besten Athletinnen von der LG Küsnacht-Erlenbach. Trainerin Vreni Müller ist überzeugt: «Unsere verlängerte Aufbauphase wird sich auszahlen.» Wegen der über längere Zeit gesperrten Heslibach-Anlage wichen die Ambitioniertesten wie die letztjährige SM-Dritte im Weitsprung Nora Frei auf offene Anlagen in der Region aus – etwa in Meilen oder Zollikon. Die Schwierigkeit bestand darin, dass individuelles Arbeiten verbunden mit viel Selbstständigkeit verlangt waren. Und nun steht der Saisonauftakt bevor. «Alle freuen sich, wenn es nun doch noch losgeht», sagt Müller. Ausgerichtet sein wird die Saison 2020 auf Ende August und September mit den Schweizer Mehr- und Einkampfmeisterschaften. «Langsam können wir planen», sagt Müller. Und eines stimmt zuversichtlich: «Alle sind schnelligkeitsmässig auf einen Topniveau.»

Dynamik im LC Meilen

Für Schlagzeilen gesorgt hat der LC Meilen zuletzt immer wieder durch Spitzenresultate der Strassen- sowie Bergläuferinnen und -läufer. Sie sind vorerst weiterhin ausgebremst. Vermehrt LCM-Dynamik kehrt aber in die Stadionleichtathletik zurück. Die Arbeit von Adrian Egger bei den U-16 führt nun Ruedi Meier bei den Älteren fort – und sorgt als designierter Chef Athletics für Aufbruchstimmung. Im Winter verpasste die erst 14-jährige Céline Weber an den Schweizer Hallenmeisterschaften in ihrer Kategorie eine Medaille als Vierte nur knapp. «Im LCM ist sich etwas am Entwickeln», sagt Meier erfreut.