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Kolumne «Heute vor»Die Freuden und Leiden des ersten Schnees

Schnee im Flachland? Wie die Menschen vor 90 Jahren auf diese Nachricht reagiert haben, zeigt ein Blick ins Zeitungsarchiv.

Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Illustration: Olivier Samter

Wir sind es ja nicht mehr so gewohnt: Schnee im Flachland. Umso grösser ist die Freude, wenn die weisse Pracht endlich fällt. Das war allerdings vor 90 Jahren nicht anders – obwohl damals hohe Schneeberge und zugefrorene Seen und Weiher auch im Flachland Normalität war. «Endlich Ski-Wetter!» titelte die rechtsufrige «Zürichsee-Zeitung» im Dezember 1930 und fuhr fort: «Mit erhöhter Lebensfreude sind heute morgen Tausende und Abertausende begeisterter Skifahrer ins Freie hinausgetreten, um die längst ersehnte Feststellung machen zu können: Schnee! Nicht nur bei unserer wagemutigen Jungmannschaft, auch bei ältern Semestern mag es da und dort ob dieser erfreulichen Wahrnehmung beinahe zu einem Jauchzer gelangt haben.» Den Menschen wurden unter anderem das Zürcher Oberland (Bachtel und Bäretswil mit seiner neuen Sprungschanze) sowie das Gebiet der Südost-Bahn (Etzel, Einsiedeln und Hochstuckli) für einen Ausflug empfohlen. Die Zeitung war sich gewiss: «Morgen Samstag werden die Züge erstmals in Massen die Winterspörtler in unsere voralpine Gegend führen.»

In Langnau standen unterdessen die Turner im Fokus. Sie feierten das 50. Geburtsjahr des Turnvereins, wie unter anderem dem «Anzeiger des Bezirks Horgen» zu entnehmen war. Der winterliche Zeitpunkt war den Turnern zwar offensichtlich nicht geheuer, wie es im Zeitungsbericht heisst: «Wohl hatte man bei Zeiten erwogen, ob der Jubilar die Feier nicht zweckmässiger als Gemeinde-Turntag zur Sommerszeit hätte durchführen sollen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse mahnten aber zu einem möglichst einfachen Anlass, verbunden mit einer Abendunterhaltung.» Der Jubiläumsakt, «der ein erneutes Gelübde der Treue zur Fahne in sich schloss, erhielt durch die Anwesenheit und Ehrung der drei noch unter uns weilenden Gründer ein besonderes herzliches Gepräge». Weiteren Anwesenden wurde dafür gedankt, dass sie den Verein «trotz der scharfen Konkurrenzierung durch andere Sportvereine von Erfolg zu Erfolg führen». Und man erneuerte das Leitwort «Nüd nahlah gwünnt!», das dem Turnen in der Gemeinde auch in Zukunft immer wieder neue Freunde zuführen werde.