Zum Hauptinhalt springen

Cup-Out des FCZDas «schlimmstmögliche Szenario» für den Neustart wurde wahr

Enttäuscht, aber gefasst präsentierte sich FCZ-Trainer Ludovic Magnin nach dem 2:3 im Cup beim Challenge-Ligisten Chiasso. Ungemach droht an der Verletztenfront.

Der FCZ gerät in der 17. Minute nach einem sehenswerten, direkt verwandelten Eckball in Rückstand.
Video: SRF

Der Spätsommerausflug an die italienische Grenze hätte für den FC Zürich ein Neustart nach all der Unbill der letzten Saison werden sollen. Die Vorbereitung war gut, die Steigerung von Testspiel zu Testspiel augenfällig, die Vorfreude vor dem Spiel bei Chiasso war da.

Nach Spielende sah alles anders aus: Ludovic Magnin musste konstatieren, dass «Dynamik und Speed fehlten». Irgendwie nervös hätten seine Spieler gewirkt, fügte er an, ohne sich diese Tatsache erklären zu können: «Vielleicht wollten sie unbedingt zu null spielen, unbedingt ein gutes Resultat erzielen.»

Die defensive Solidität, sie steht zuoberst auf der Agenda, verständlich, nach 72 Gegentoren in der letzten Meisterschaft. Doch davon war von Anfang an nichts zu sehen, viele Bälle wurden fast panikartig weggeschlagen.

Chiasso verwertet Eckball direkt

Zuerst hatte Yanick Brecher noch Glück, als ein Schuss von Sofian Bahloul von der Oberkante der Latte wegspritzte, doch dann jubelte der Franco-Algerier doch. Der überragende «fantasista» verwertete einen Eckball direkt, wobei Brecher nicht gut aussah, später erhöhte der Niederländer Mark Sifneos ungehindert zum 2:0. Erst kurz vor der Pause brachte Assan Ceesay per Kopf nach Flanke von Tobias Schättin Hoffnung zurück.

Als beim Aussenseiter die Kräfte schwanden, schien die Logik doch noch zu siegen. Der Ex-Chiassese Ceesay, der Antreiber, wurde für seinen Einsatz mit dem nötigen Schlachtenglück belohnt. Sein Ball, mehr als Flanke gedacht, rutschte Loic Jacot durch die Hände und ins Netz. Mehr Goaliefehler geht kaum. Es passte aber zur aktuellen Situation der Zürcher, dass nun nicht etwa die Wende kam, im Gegenteil. Dem eingewechselten Toni Domgjoni sprang der Ball im Strafraum an die Hand, nachdem vier Zürcher nicht klären konnten. Bahloul verwertete den Handspenalty sicher.

Die entscheidende Szene: Der überragende Sofian Bahloul schickt FCZ-Goalie Yanick Brecher in die falsche Ecke und erzielt so das 3:2.
Die entscheidende Szene: Der überragende Sofian Bahloul schickt FCZ-Goalie Yanick Brecher in die falsche Ecke und erzielt so das 3:2.
Foto: Davide Agosta (Keystone)

Magnin wollte nichts beschönigen: «Für den Neuanfang ist dies das schlimmstmögliche Szenario.» Er weiss: Hatte Covid-19 einen respektablen Anteil am katastrophalen Saisonende gehabt, sieht es diesmal ganz anders aus: «Dieses Ausscheiden haben wir allein selber zu verantworten.»

«Wir waren heute einfach nicht gut genug.»

Ludovic Magnin

In diesem Moment war nur noch eine Randnotiz, dass alles so einfach hätte sein können. Schon nach wenigen Sekunden blieb der FCZ-Bank der Torjubel im Halse stecken. Benjamin Kololli hatte links den Ball erobert und ideal zur Mitte gebracht, Ceesay schlug aber am Spielgerät vorbei. Magnin weiss um die mögliche Bedeutung dieser Szene, wollte sie aber nicht überbewerten: «Es geht nicht um die eine oder andere Situation. Wir waren heute einfach nicht gut genug.»

Alles infrage stellen will er nun aber nicht: «Wir werden in Ruhe weiterarbeiten, damit wir am Samstag bei den Young Boys eine Überraschung schaffen können.» Dass es dazu im Wankdorf eine massive Steigerung braucht, musste er nicht extra betonen.

Sorgen um Jungstar Omeragic

Zu den Sorgen wegen des Spiels kommen diejenigen wegen Jungstar Becir Omeragic. Der Verteidiger mit dem Potenzial für die ganz grossen Ligen verletzte sich nach einer halben Stunde und einem Zusammenstoss mit Andrist. Omeragic wand sich minutenlang am Boden und musste schliesslich mit der Bahre vom Platz getragen werden. Zu genaueren Abklärungen wurde er ins Spital gebracht.