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Temporeduktion im Bezirk HorgenDas sagen die Gemeinden zu den Plänen der Kapo für die Seestrasse

Die Kantonspolizei will die Geschwindigkeit auf der linksufrigen Seestrasse senken, Tempo 80 soll ganz verschwinden. Das kommt nicht bei allen Gemeinden gut an.

Geht es nach der Kapo, sollen die 80er-Strecken auf der Seestrasse des Bezirks Horgen, wie hier zu sehen zwischen Horgen und der Au, bald Geschichte sein.
Geht es nach der Kapo, sollen die 80er-Strecken auf der Seestrasse des Bezirks Horgen, wie hier zu sehen zwischen Horgen und der Au, bald Geschichte sein.
Archivfoto: Moritz Hager

Die Kantonspolizei (Kapo) Zürich will die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf der Seestrasse im Bezirk Horgen anpassen. Die heute grösstenteils erlaubten 60 und streckenweise 80 km/h sollen mehrheitlich durch eine 50-km/h-Limite ersetzt werden. Die Gemeindepräsidentenkonferenz hat sich bereits für die Annahme des Konzepts ausgesprochen.

Inzwischen haben auch die Exekutiven das Konzept der Kapo besprochen. Die Meinungen gehen auseinander. Oberrieden und Kilchberg sprechen sich klar dafür aus. Der Oberriedner Gemeinderat erinnert etwa in einem Schreiben daran, dass er bereits dem Antrag der Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg (ZPZ) von 2018 zugestimmt hat. Beim nun vorliegenden Konzept der Kapo seien «die Anliegen der Seegemeinden vollumfänglich aufgenommen worden.» Es gebe also keinen sachlichen Grund, von diesem Beschluss abzuweichen.

Ein Ja mit Aber

Die Gemeinde Horgen ist für eine Verlangsamung des Verkehrs innerorts. «Wo die Strasse wie in Wädenswil und Horgen durch beidseits bebautes Gebiet führt, sind 50 km/h sinnvoll», sagt Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP). Dafür müsste die 50er-Zone in Horgen bis zur Zufahrt zum Lidl bei der Seehalle nahe des Bahnhofs ausgeweitet werden. «Aber die Strecke von dort bis zur Zürcher Stadtgrenze könnte man nach Ansicht des Gemeinderats bei 60 km/h belassen, sagt Leuthold.

Für kontroverse Diskussionen sorgten die Pläne der Kapo derweil in der Thalwiler Exekutive. Dies, obwohl sich die Gemeinde 2018 für den Antrag der ZPZ ausgesprochen hatte. «Es gibt zwei Lager im Gemeinderat», sagt Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP). Die Gegner fänden es unnötig, die Geschwindigkeit zu senken, weil sie in puncto Lärm und Sicherheit keine grossen Veränderungen bringe. «Letztlich hat sich eine Mehrheit für die Temporeduktion ausgesprochen.»

«So wie die Strasse jetzt aussieht, ist sie für Tempo 60 gebaut.»

Bernhard Elsener, Gemeindepräsident von Rüschlikon

In Rüschlikon sagt der Gemeinderat zwar nicht grundsätzlich Nein zu einer Temporeduktion auf der Seestrasse. «Aber wir brauchen zusätzliche Informationen, um einen Entscheid zu fällen», sagt Gemeindepräsident Bernhard Elsener (CVP). Deshalb wolle der Gemeinderat zuerst wissen, ob das Tiefbauamt bauliche Anpassungen an der Seestrasse plane.

«So wie die Strasse jetzt aussieht, ist sie für Tempo 60 gebaut», sagt Elsener. Für eine Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h müsste auch das Strassenbild angepasst werden. So könnte etwa die Fahrbahn verschmälert werden, zum Beispiel durch breitere Trottoirs oder einen breiteren Velostreifen. Der Gemeinderat habe deshalb einen Brief mit entsprechenden Fragen an die Baudirektion geschickt, sagt Elsener.

Skepsis in Wädenswil

Grosse Skepsis herrscht derweil in Wädenswil. «Der Stadtrat sieht aktuell keine Notwendigkeit, die Geschwindigkeiten auf unserem Gemeindegebiet zu senken», sagt Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP). Die Exekutive lehne die Pläne der Kapo deshalb ab.

Der Wädenswiler Stadtrat sieht aktuell keine Notwendigkeit, die Geschwindigkeit auf der Seestrasse in der Au auf durchgehend 60 km/h zu senken.
Der Wädenswiler Stadtrat sieht aktuell keine Notwendigkeit, die Geschwindigkeit auf der Seestrasse in der Au auf durchgehend 60 km/h zu senken.
Archivfoto: Manuela Matt

In der Au will die Kapo durchgehend 60 km/h statt der aktuell erlaubten 60 und 80 km/h einführen. Dort mache eine Anpassung des Temporegimes aber erst im Hinblick auf die Realisation der verschiedenen anstehenden Grossprojekte Sinn, sagt Kutter. «Wenn der Au-Park und die Kantonsschule gebaut werden, wird es auch mehr Fussgänger geben. Auch mit der Zentrumsplanung Bahnhof Au stünden langfristig grosse Veränderungen an. Bis diese realisiert werden, daure es aber noch eine Weile.

80er-Strecke soll bleiben

Nicht auf ganzer Linie überzeugt von den Plänen der Kapo zeigt sich der Richterswiler Gemeinderat. Zwar findet die Einführung von durchgehend Tempo 50 innerorts Unterstützung. Die Reduktion von 80 auf 60 km/h zwischen Richterswil und Wädenswil ausserorts lehnt der Gemeinderat indes ab.

«Auf dieser geraden Strecke mit den Bahngleisen auf der einen und unbebautem Land auf der anderen Seite sind 80 km/h aus unserer Sicht angemessen», sagt Gemeindepräsident Marcel Tanner (FDP). Innerorts sei eine Temporeduktion auf 50 km/h hingegen auch im Hinblick auf das Projekt «Revitalisierung Dorfkern» sinnvoll. «Wir wollen im Dorf auf 20 km/h reduzieren, und ein Wechsel von 60 km/h zu 20 km/h wäre doch etwas heftig», sagt Tanner.

Kapo entscheidet

Das letzte Wort in der Diskussion um eine mögliche Tempoanpassung auf der Seestrasse wird die Kapo haben. Ihr obliegt die Verfügungshoheit der Geschwindigkeiten auf den Kantonsstrassen. Wie viel Gewicht die Stimmen der Gemeinden bei einer möglichen Anpassung der Geschwindigkeit haben werden, sei schwer einzuschätzen, sagt Thalwils Gemeindepräsident Märk Fankhauser. «Die Kapo agiert in ihrer Entscheidungsfindung sehr unabhängig.»

3 Kommentare
    Hans Ochsner

    Wenn‘s punkto Sicherheit und Lärm nichts bringt, dann wieso eigentlich? Wieso wird das Thema dann überhaupt diskutiert?

    Haben unsere Behörden und Aemter gar zu wenig zu tun? Dann bitte diese anstelle der Geschwindigkeit abbauen!