Weisslingen/Winterthur

Das letzte Rennen hat schon stattgefunden

Seifenkistenrennfahrer aus der Region Winterthur müssen ab nächstem Jahr einen grösseren Anfahrtsweg auf sich nehmen. Denn in Weisslingen will niemand mehr die Rennen organisieren.

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Das Ende hatte sich angekündigt, nun ist es Tatsache: Nächstes Jahr wird es in Weisslingen kein Seifenkistenrennen mehr geben. Heinz Schmid, Präsident des Organisationskomitees, und sein Team sind nach der letzten Austragung im September zurückgetreten. Einen Nachfolger fürs Präsidium hat Schmid bis vor wenigen Tagen keinen gefunden. Fünf Mal hat er den Traditionsanlass organisiert, der vor rund 15 Jahren ins Leben gerufen wurde. Es sei in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, genügend Helfer zu finden, sagt er. Rund 35 bräuchte es jeweils. In den vergangenen Jahren haben ihn Vereinsmitglieder, zunehmend aber auch Leute aus seinem Bekanntenkreis und in diesem Jahr sogar Asylsuchende unterstützt. Im Januar habe er jeweils mit der Planung begonnen. Als Erstes musste er die Bewilligung bei der Gemeinde einholen.

Zwar hätten sich in den letzten Monaten mehrere Leute bei ihm gemeldet, die seinen Rücktritt bedauerten, «die Organisation übernehmen wollte dann aber doch niemand». Der 55-Jährige wird auf seinen Entscheid nicht zurückkommen, wie er sagt. Es sei an der Zeit, dass sich junge Leute engagierten.

Der ehemalige OK-Präsident wohnt zwar in Tagelswangen, ist aber als Versicherungsfachmann für Weisslingen zuständig. In der Gemeinde kennt man ihn deshalb gut. Erst half er im Organisationskomitee als Vizepräsident mit. Als vor fünf Jahren der Präsident erkrankte, sprang er ein – und behielt den Posten bis im vergangenen September.

22 Rennen im Jahr

Am Rennen in Weisslingen konnten sich die 7- bis 16-jährigen Teilnehmer und Teilnehmerinnen jeweils für die Schweizer Meisterschaft vom kommenden Jahr qualifizieren. Diese Qualifikation dauert bis zu den Sommerferien und erstreckt sich über 18 bis 25 Rennen. In diesem Jahr waren es 22 Derbies. Auch für den Jahrescup, der insgesamt zehn Rennen umfasst, zählte der Wettkampf in Weisslingen. Es sind jeweils drei Läufe zu fahren, wobei die besten zwei gewertet werden.

Nun muss die IG Seifenkisten-Derby Schweiz, welche die Oberaufsicht über die Rennen hat, mit einem Austragungsort weniger auskommen – es sei denn, es findet sich wider Erwarten doch noch ein neues OK. IG-Präsident Hanspeter Mühlestein glaubt, dass sich das eine oder andere ehemalige OK-Mitglied umstimmen liesse, sollte sich ein Freiwilliger fürs Präsidium melden.

Ein Austragungsort weniger

«Es wäre sicher schade, wenn in Weisslingen nächstes Jahr tatsächlich kein Rennen mehr stattfindet», sagt Mühlestein. Meisterschaft oder Cup wären zwar nicht gefährdet. «Aber für die Seifenkisten-Liebhaber der Region wäre das ein grosser Verlust.»

Denn die Gemeinde war neben Guntalingen einziger Austragungsort für Lizenzfahrer in der Region um Winterthur. Das sind jene Fahrer, die an Cup und Meisterschaft zugelassen sind. In Guntalingen findet das Rennen nur alle zwei Jahre statt. Rund 60 bis 100 Teilnehmer reisen jeweils aus allen Schweizer Landesteilen und sogar aus dem nahen Ausland an.

Natürlich finden unabhängig von den Derbys der IG auch noch reine Plauschrennen statt wie etwa der Grand Prix Chlösterli in Winterthur. Die Organisatoren wollen diesen Anlass nach der 37. Austragung im Mai allerdings auch nicht mehr durchführen, wie sie auf ihrer Internetseite vermelden. Der Aufwand für die Organisation, die Motivation der Jugendlichen und die Suche nach Sponsoren sei zu gross geworden.

OK-Mitglieder gesucht:Wer an der Organisation des Seifenkistenrennens in Weisslingen interessiert ist, kann sich bei der IG Seifenkisten-Derby Schweiz melden. Mailadresse: praesident@seifenkisten.ch

Erstellt: 24.11.2016, 12:33 Uhr

Der Meister ist ein «Oldie»

Im letzten Jahr seiner Karriere darf der Thurgauer Michael Fehr seinen grössten Erfolg feiern: den Meistertitel.

Er ist 16 Jahre alt, liebt Raclette und ist amtierender Schweizer Meister im Seifenkistenfahren: Michael Fehr aus Müllheim (TG). Es ist dies sein erster und letzter Meistertitel zugleich. Denn ab nächstem Jahr wird er zu alt sein für die Meisterschaft. Auf insgesamt 27 Podestplätze hat er es in seiner Karriere gebracht.

Ganz aufs Rennfeeling wird er allerdings nicht verzichten müssen. Denn der Informatiklehrling will sich künftig als Vorfahrer oder Zeitmesser betätigen. Ausserdem will er seinen jüngeren Bruder an die Rennen begleiten, der mit seinen 13 Jahren noch einige fahren wird.
Fehr entdeckte das Seifenkistenfahren über einen Bekannten seines Vaters, dessen Sohn den Meistertitel schon mehrmals ergatterte. Als 6-Jähriger durfte er an einem Rennen in Müllheim einmal in eine Kiste sitzen. Da war es um ihn geschehen.

Ihm gefällt die Geschwindigkeit, mit der er unterwegs ist, aber auch die Tatsache, dass eine gute Technik gefragt ist. Es gebe Schikanen, die man eng und wiederum andere, die man so anfahren müsse, dass man den Schwung mitnehmen könne. Dafür brauche es manchmal auch Mut.

Vater baute die Kiste

Seine Seifenkiste hat er nicht selbst zusammengebaut. «Das war mein Vater.» Der kümmere sich um alles Technische, sagt der 16-Jährige. Der Vater sei der Mechaniker, er der Fahrer.
Mittlerweile hat Fehr zahlreiche Freunde in der Seifenkisten-Szene gefunden. Auf die freut er sich sehr, wenn er zu den Austragungsorten der Rennen fährt. In diesem Jahr hat er praktisch keines ausgelassen. Auch in Weisslingen war er dabei. Speziell dazu motivieren musste er sich nicht. Nur dann, wenn gleichzeitig ein Korbball-Turnier stattfand. Denn auch der Turnverein gehört zu seinen Hobbys. (neh)

Rennfahrer Michael Fehr mit den gewonnenen Pokalen. (Bild: Thomas Fehr)

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