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Reaktionen zum SCB-Hammer«Das ist mutig, aber extrem cool»

Der SC Bern hat überraschend Florence Schelling zur neuen Sportchefin erkoren. Was sagen andere Sportchefs und Experten dazu?

Das sagt Schelling zu ihrer Anstellung als Sportchefin beim SC Bern. (Video: SC Bern)

Einer, der Schelling bei seiner früheren Tätigkeit als Chef der Nationalteams bei Swiss Ice Hockey sehr gut kennengelernt hat, ist Raeto Raffainer, der jetzige Sportchef des HC Davos. «Ich bin froh darüber, dass auch andere dieses Potenzial in ihr sehen», sagt er. «Florence besitzt aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihres Charakters das Profil für diesen Job. Das ist mutig vom SCB, aber extrem cool. Kompliment an Marc Lüthi!»

Er habe schon Präsentationen mit Ideen für Verbesserungsvorschläge von Schelling erlebt, die grossartig waren, erzählt Raffainer weiter. «Sie scheut sich auch nicht davor anzuecken und solche Leute gefallen mir», denn dies sei letztlich eine Voraussetzung dafür, etwas bewegen zu können.

Raffainer bietet seine Hilfe an

Zudem gebe es seiner Ansicht nach in der Struktur des SCB den Raum für eine Quereinsteigerin. Da habe es mit CEO Marc Lüthi, COO Rolf Bachmann und auch dem bisherige Sportchef Alex Chatelain, der in der Organisation bleibe, enorm viel Know-how: «Florence muss daher nicht auf Anhieb alles wissen, das kommt ihr entgegen.»

Raffainer hat nach der Bekanntgabe des Entscheides mit Schelling telefoniert: «Ich habe ihr gesagt, dass sie mich jederzeit anrufen kann, wenn sie Fragen habe. Ich selbst war auch froh, dass ich mich in meinem ersten Sportchef-Jahr an Paolo Duca oder Edgar Salis wenden durfte, die früher als Spieler Teamkollegen von mir waren.»

Helbling: «Ich befürworte das sehr»

Lobende Worte für den SCB-Entscheid findet auch MySports-Experte Timo Helbling. «Ich bin sehr überrascht, damit habe ich wirklich nicht gerechnet», sagt der frühere Verteidiger-Haudegen, «aber ich finde es eine sehr spannende Idee und befürworte es sehr, dass eine Frau diese Chance erhält». Er kenne Schelling zwar persönlich nicht gut, «aber ich weiss, dass sie einen überzeugenden Leistungsausweis mitbringt, auch Ausland-Erfahrungen gesammelt und für ihr junges Alter schon viel gesehen hat.»

Ebenso überrascht zeigt sich Helblings MySports-Experten-Kollege Simon Schenk. «Aber ich sehe zu wenig beim SCB rein», sagt er. «Zu den Beweggründen und ob das nun richtig ist, muss man Marc Lüthi befragen. Ich möchte weder Vorschusslorbeeren verteilen, noch diesen Entscheid kritisieren.»

Mangelnde Erfahrung?

Gewisse Zweifel hat der frühere Nationaltrainer und Sportchef der ZSC Lions jedoch trotzdem: «Nicht wegen ihres Geschlechts, sondern aufgrund ihres jungen Alters und der mangelnden Erfahrung.» Aber Schenk sieht für Schelling auch grosses Potenzial: «Da beim SCB zuletzt der Erfolg ausblieb und das Playoff verpasst wurde, ist es ein guter Zeitpunkt einzusteigen und daher eine grosse Chance für sie.»

Nicht gross äussern will sich Biel-Sportchef Martin Steinegger zur Berufung von Florence Schelling beim Kantonsrivalen. «Hätten sie mich auch angerufen, wenn Marc Reichert SCB-Sportchef geworden wäre», will er wissen. Auf das «Nein» des Gegenübers sagt Steinegger: «Sehen sie, deshalb möchte ich das auch nicht weiter kommentieren. Denn ob nun Schelling oder Reichert, es ist nicht mein Business was der SCB macht und geht mich daher auch nichts an.»

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