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Neue Schweiz-Chefin der UBSVom steilen Aufstieg einer untypischen Bankerin

Sabine Keller-Busse soll das wichtige Schweiz-Geschäft der UBS wieder glänzen lassen. Bewährt sie sich, kann sie es nach ganz oben schaffen.

Leitete einst den eigenen Familienbetrieb und nun die Vorzeigesparte der UBS: Sabine Keller-Busse.
Leitete einst den eigenen Familienbetrieb und nun die Vorzeigesparte der UBS: Sabine Keller-Busse.
Foto: zvg

Sie war immer etwas im Hintergrund und doch eine der wichtigsten Schaltstellen der grössten Schweizer Bank. Sabine Keller-Busse, die bisherige Chefin des Maschinenraums der UBS, drängt ins Rampenlicht. Die 55-jährige Bankerin wird die neue Schweiz-Chefin der Grossbank und leitet damit das eigentliche Herzstück des Instituts. Hier verdient die Bank ihr Geld, auch dann, wenn andere Geschäftseinheiten Probleme haben. Keller-Busse folgt auf Axel Lehmann, der das Institut verlässt. Das «Manager-Magazin» hat vor wenigen Tagen bereits über den anstehenden Wechsel geschrieben.

Keller-Busse ist die Tochter eines deutschen Unternehmers und einer Schweizerin. In Deutschland ist sie aufgewachsen, hat in St. Gallen studiert, um dann kurzzeitig wieder nach Deutschland zurückzukehren. Laut der «Handelszeitung» übernahm sie, gerade einmal 24-jährig, nach dem Tod ihres Vaters im Provinzstädtchen Gifhorn den elterlichen Gewerbebetrieb Elektro Busse. Nach einem Jahr kehrte sie an die HSG zurück, schrieb ihre Dissertation und verkaufte den Betrieb. Danach machte sie beim Beratungsunternehmen McKinsey, der Credit Suisse und, ab 2010, bei der UBS Karriere. Dort leitete sie das HR und den operativen Bereich.

Power-Couple kennt sich seit dem Studium

Schon während des Doktorats in St. Gallen traf sie ihren heutigen Mann Christian Keller. Zusammen bilden sie wohl eines der hochrangigsten Manager-Paare der Schweiz. Keller machte nämlich beim IT-Konzern IBM Karriere und leitet heute die Schweizer Niederlassung des US-Riesen. Das Paar hat zwei Töchter und lebt im Kanton Zürich. Gegenüber der «Bilanz» bezeichnete Keller seine «drei Frauen zu Hause» als seine grösste Lebensschule.

Keller-Busse ist trotz der steilen Karriere keine typische Bankerin. Sie tritt bescheidener auf als viele andere Manager des Fachs, die am liebsten ihre eigene Leistung ins Schaufenster stellen. Sie hat sich bei der UBS auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eingesetzt und damit zum Umdenken in der Branche beigetragen. Bei vielen Banken waren noch nicht vor allzu langer Zeit Teilzeitpensen in Spitzenjobs undenkbar – und sind es teils auch heute noch.

Ihre Handschrift ist bei der UBS heute deutlich sichtbar. So ist Keller-Busse eine der treibenden Kräfte hinter den grossen UBS-Zentren in Schaffhausen, Biel und Lugano. In Biel und Schaffhausen wurden operative Jobs aus dem Ballungszentrum Zürich abgezogen und an günstigeren Standorten angesiedelt. In Lugano wurde ein neues Forschungszentrum eröffnet. Keller-Busse war auch dafür verantwortlich, zahlreiche ausgelagerte Funktionen und damit Tausende Jobs wieder in die Bank zu holen, um so eine grössere Kontrolle darüber zu haben.

Erster Entscheid von Neu-Chef Hamers

Nun wird sie dem Schweiz-Geschäft neue Impulse geben müssen. Es leistet zwar nach wie vor einen wichtigen Beitrag zum Konzernergebnis, aber es hat an Strahlkraft verloren. So ging etwa im 3. Quartal dieses Jahres der Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahr um mehr als 10 Prozent zurück. Gleichzeitig legte die Konkurrentin Credit Suisse deutlich zu. Daher kommt der Abgang von Lehmann auch nicht überraschend.

Axel Lehmann verlässt die UBS.
Axel Lehmann verlässt die UBS.
Foto: Urs Jaudas

Die Personalrochade ist der erste öffentlichkeitswirksame Entscheid von Ralph Hamers. Der Holländer ist seit dem 1. November oberster Chef der Bank. Hamers kam von der holländischen Bank ING, die besonders stark auf das Kleinkundengeschäft setzt und das mit technischen Hilfsmitteln, wie Apps, stark automatisiert hat.

Die Ernennung von Keller-Busse dürfte also auch ein Hinweis darauf sein, dass sich Hamers hier schnellere Fortschritte wünscht. Der Job des Schweiz-Chefs gilt auch immer als Sprungbrett für die Bankspitze. Für diesen Posten wurde sie auch schon vor der Ernennung von Hamers gehandelt. Sie gilt als eine der Spitzenkräfte, die von Ex-UBS-Chef Sergio Ermotti für seine Nachfolge vorgesehen waren. Doch wurde dem externen Hamers der Vorzug gegeben. Der neue Posten von Keller-Busse kann also auch ein Zeichen an die Bankerin sein, dass ihr neuer Chef sie trotzdem unbedingt halten will. Doch muss Keller-Busses steiler Aufstieg damit noch nicht beendet sein – denn wer sich als Schweiz-Chef bewährt, kann es nach ganz oben schaffen. Das gilt auch für Keller-Busse.

42 Kommentare
    ewa wagner

    Ganz generell gefragt, zum Thema "Frauengleichheit": Warum hat keine Frau ein Unternehmen wie Microsoft, Siemens oder Facebook gegruendet?

    Viele der neuen grossen Konzerne haben im Keller mit 2 Rechnern angefangen, es ging also nicht ums Eigenkapital. Warum scheuen sogar Frauen, die Unternehmen erben (L. Bettencourt) davor, Verantwortung zu ubernehmen und die Firma weiterzufuehren? Wir koennen nicht staendig die "glaeserne Decke" beklagen in den Unternehmen, die uns nicht gehoeren! Haetten wir eigene bedeutende Firmen gegruendet, haetten wir mehr Frauen einstellen koennen...