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Kolumne DorfgeflüsterCorona-Stück fällt Corona zum Opfer

Die Corona-Krise setzt den regionalen Kulturschaffenden zu. In Küsnacht musste nun ein ganz besonderes Theaterstück abgesagt werden.

Darüber spricht das Dorf.
Darüber spricht das Dorf.
Olivier Samter

«Das Ensemble ist zu gross, die Distanzen zu klein und die Bühne zu eng, um die nötigen Schutzmassnahmen einhalten zu können», so kündigte «Die Kulisse» im Dezember an, dass man «Der kaukasische Kreidekreis» von Bertolt Brecht 2021 nicht werde aufführen können. Doch der Küsnachter Theaterverein zeigte sich kreativ und sattelte kurzerhand um. Mit der Aussage «ausserordentliche Situationen erfordern ausserordentliche Ideen» sagten die Kulturschaffenden das Ersatzstück «Wir sitzen doch alle in unserer Kiste» für den März an. Dem Titel entsprechend sollten darin Corona-konform sechs Figuren, unter anderen ein Pierrot, ein Elefant und ein Eichhörnchen, je in einer eigenen Kiste agieren: Sie hätten zusammen gelacht, gestritten und sich gegenseitig getröstet. Und wer «Die Kulisse» kennt, weiss, dass die Truppe sicher wieder für eine amüsante Überraschung gut gewesen wäre. Denn ihre Aufführungen sind nicht nur kulturelle Schmankerln, sondern auch gesellschaftliche Anlässe in Küsnacht. Wer im Dorf etwas auf sich hält, lässt sich die alljährliche Premiere der Kulisse nicht entgehen.

Nun müssen die kreativen Theaterleute ihr Corona-Stück wegen der verschärften Krise sozusagen wieder in der Kiste verstauen beziehungsweise absagen. Es ist eine traurige Ironie, dass das Corona-Stück nun ausgerechnet der Corona-Krise und den entsprechenden Massnahmen zum Opfer fällt. Da bleibt nur zu hoffen, dass «Die Kulisse» das Stück dereinst in einer entspannteren Situation doch noch zur Aufführung bringen kann: Und dass dann wirklich nur die Schauspieler in einer Kiste sitzen müssen. Es könnte aber auch sein, dass dann sowohl die Theaterleute als auch die Zuschauer die Nase gestrichen voll haben von Corona.