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Grossaufgebot in BernCorona-Skeptiker und Gegendemonstranten halten Polizei auf Trab

Kritiker der Anti-Corona-Politik haben sich zu einer bewilligten Kundgebung auf dem Bundesplatz versammelt. Das hat auch linke Kreise auf den Plan gerufen.

Polizisten haben sich in Berns Strassen aufgestellt. (27. Juni 2020)
Polizisten haben sich in Berns Strassen aufgestellt. (27. Juni 2020)
Foto: Anthony Anex/Keystone

Auf dem Berner Bundesplatz haben am Samstagnachmittag rund 300 Personen gegen die vom Bund eingeschlagene Politik im Zusammenhang mit dem Coronavirus demonstriert. Mobilisiert dazu hatte allen voran eine Vereinigung mit dem Namen Bürgerforum Schweiz.

Das Forum kritisiert die vom Bundesrat ergriffenen Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. «Weil das Volk Souverän ist wehren wir uns gegen die weitgehend angstgetriebene Führung des Bundesrats» ist etwa auf der Internetseite des Forums zu lesen.

Das Forum gruppiert sich um den umstrittenen ehemaligen Zürcher SVP-Mann Daniel Regli, der auch Präsident des Vereins «Marsch fürs Läbe» ist, der schon mehrfach Kundgebungen gegen Abtreibungen durchgeführt hat.

Plakate von Corona-Skeptikern in Bern. (27. Juni 2020)
Plakate von Corona-Skeptikern in Bern. (27. Juni 2020)
Foto: Anthony Anex/Keystone

Die Skeptiker der bundesrätlichen Corona-Politik sind eine heterogene Gruppe, zu der sich sowohl Personen Personen mit esoterischem Hintergrund, Impfgegner, Betroffene des Lockdowns, aber auch rechtskonservative Kreise zählen. Herumgeboten werden mitunter auch gängige Verschwörungstheorien.

Die Corona-Skeptiker hatten bereits während des Lockdowns verschiedentlich in Bern demonstriert, damals ohne Bewilligung. Für die Veranstaltung am Samstag hatten sie eine solche eingeholt. Damit die Teilnehmenden ohne Schutzmasken teilnehmen konnten, wurde die Teilnehmerzahl begrenzt.

Drei Sektoren für je 300 Leute wären zur Verfügung gestanden, doch so viele Teilnehmer kamen bei Weitem nicht. Das Häufchen von rund 300 Personen versammelte sich vor einer kleinen, mit einer grossen Schweizerfahne behängten Bühne, wo Ansprachen gehalten wurden.

Gegendemonstration

Die Veranstaltung hatte am Samstag auch Gegendemonstranten aus linksautonomen Kreisen auf den Plan gerufen. Rund 80 Personen zogen vom Hirschengraben her zum Bundesplatz und skandierten lautstark antifaschistische Parolen.

Gegendemonstranten ziehen durch die Altstadt. (27. Juni 2020)
Gegendemonstranten ziehen durch die Altstadt. (27. Juni 2020)
Foto: Anthony Anex/Keystone

Vor dem Bundesplatz wurde der Zug von der Polizei aufgehalten. Die Gegendemonstranten machten sich im Laufschritt davon, um andernorts in der Nähe des Bundesplatzes erneut aufzutauchen – Ein Katz und Mausspiel mit der Polizei.

Diese hatte den Bundesplatz schon vor Beginn der bewilligten Kundgebung abgesperrt und verhinderte ein Zusammentreffen der beiden Lager.

oli/sda

43 Kommentare
    Sacha Meier

    Eigentlich geht es bei all diesen Corona-Demos um zwei grundlegende Fragen. Nämlich ob des Recht des Einzelnen auf unbegrenzten, schrankenlosen Konsum samt der Wirtschaftsfreiheit höher zu gewichten ist, als der Schutz einer Minderheit vor einer Pandemie durch Einschränkungen. Und, falls letzteres bejaht würde, wie weit darf der Staat bei seinen Eingriffen gehen. Darf er etwa die Freiheit des Bürgers durch Einschränkung der Versammlungsfreiheit beschneiden, Lockdowns, oder gar Maskenpflichten anordnen - und sogar in extremis Zwangsimpfungen verfügen? Fragen, über Fragen also. Ergo braucht es zuerst einen breiten gesellschaftlichen und juristisch-ökonomischen Diskurs unter Einbezug der Bürger, juristischen und ökonomischen Wissenschaftlern, der politischen Parteien und auch der Lobbykativen, deren konkrete Fragestellungen dann in mehreren Volksabstimmungen entschieden werden müssen. Etwa «Wollen Sie die Vorlage annehmen, dass der Bundesrat bei Pandemien, die von der WHO ausgerufen wurden, bundesweit eine Schutzmaskentragepflicht in öffentlich zugänglichen Orten anordnen darf?». Ist halt ein Prozess, der Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehmen und viele neue Gesetze benötigen wird. Vielleicht sind wir dann bei SARS CoV-3, oder SARS CoV-4 dann soweit, dass wir ganz genau wissen, was zu tun ist. Läuft mittlerweile bei uns alles so, wie im alten Rom. Da konnte ja auch nicht irgend einer kommen und etwas anordnen.