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Wegen AnsteckungsgefahrCorona lässt Generalversammlungen platzen

Viele Vereine rund um den Zürichsee führen im Frühling ihre Generalversammlung durch. Doch wie sollen Beschlüsse gefasst werden, wenn man sich nicht versammeln darf? Eine einheitliche Lösung gibt es nicht.

Ramona Müller, Präsidentin des Volleyballclubs Uetikon, hat die Generalversammlung des Vereins von zu Hause aus digital durchgeführt.
Ramona Müller, Präsidentin des Volleyballclubs Uetikon, hat die Generalversammlung des Vereins von zu Hause aus digital durchgeführt.
Foto: Sabine Rock

Frühlingszeit ist Generalversammlungszeit. So war es zumindest, bevor Covid-19 dem Vereinsleben rund um den Zürichsee im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung machte. Im Verkehrsverein Hombrechtikon musste ausgerechnet dieses Jahr nicht nur die Rechnung abgesegnet werden. Da der bisherige Präsident, Urs Frei, bereits vor einem Jahr seinen Rücktritt per Mitte April 2020 eingereicht hatte, musste ein Ersatz her. Just in dem Moment also, an dem die geplante GV nicht stattfinden konnte.

Auch der Verein Kammerorchester Wädenswil stand vor einem Problem: Nicht nur die Generalversammlung, sondern auch die geplanten Sommerkonzerte mussten abgesagt werden. «Das war natürlich schon frustrierend für die Orchestermitglieder», sagt Vereinspräsident Markus Kellerhals dazu, «aber da viele Musiker und Musikerinnen aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe zählen, wurde dieser Schritt gut akzeptiert.» Damit das Niveau für das Adventskonzert erhalten bleibt, wies Dirigent Felix Schudel auf Etüden zum Üben in den eigenen vier Wänden hin.

Verschiebung keine Option

Für Ramona Müller, Präsidentin des Volleyballclubs VBC Uetikon am See, war eine Verschiebung der geplanten GV keine Option. «Unsere Spielsaison beginnt im September, da wollten wir das Risiko einer Verschiebung nicht eingehen.» Hätte die Versammlung auch am Verschiebedatum nicht stattfinden können, hätte sich die Planung zu stark verzögert. Sie suchte nach kreativen Lösungen, wie die wichtigsten Punkte digital abgehandelt werden konnten. Die Vereinsmitglieder hielt sie unterdessen mit einem schriftlichen Fitnessprogramm aktiv.

Glück im Unglück war für das Junge Theater Oberrieden, dass es das Jahr ordentlich abschliessen konnte. «Dadurch, dass unsere Aufführungen immer Ende Jahr stattfinden, pausiert das Vereinsleben von Januar bis April mehrheitlich», sagt Vereinspräsident Sandro Trapani dazu. Da falle die Verschiebung nicht so ins Gewicht, auch gebe es keine Traktanden, die sich nicht einen Monat verschieben liessen. Die Generalversammlung wurde vom Vorstand gleich zu Beginn des Lockdown von Ende Mai auf Ende Juni verschoben. «Der persönliche Austausch bei den Proben, die nun begonnen hätten, der fehlt den Schauspielern und Schauspielerinnen viel mehr», schiebt er nach.

Flexibilität gezeigt

Finanziell kommen bis anhin alle vier Vereine gut über die Runden. Markus Kellerhals erlebt die Entschädigung der zusätzlich engagierten Bläser und der bereits gebuchten Solistin für die abgesagten Konzerte als komplexe Herausforderung. «Die Zuständigkeit und das Prozedere für Entschädigungsgesuche sind unklar», beschreibt er die Sachlage. Auch das Junge Theater Oberrieden bangt um künftige Sponsoren. «Bei unseren Vorführungen sind wir auf Spendengelder angewiesen. Diese kommen allerdings mehrheitlich aus dem Gewerbe, und wie es diesem im Herbst gehen wird, steht noch in den Sternen», erklärt er die Unsicherheit.

In Bezug auf die geplatzten Generalversammlungen zeigten sich die Vereine allesamt flexibel. Die Vereinsmitglieder des Volleyballclubs erhielten die GV-Traktanden digital anhand einer Powerpoint-Präsentation vorgelegt und stimmten anschliessend mittels Onlineumfrage rechtskräftig ab, das Kammerorchester wartet mit der GV, bis Versammlungen wieder erlaubt sind, und das Junge Theater Oberrieden stimmt brieflich ab, sofern auch Ende Juni das Versammlungsverbot bestehen bleibt. Der Verkehrsverein Hombrechtikon hat im Kleinen geprobt, was der Bundesrat im grossen Stil macht: Der Vorstand hat die Entscheidungsgewalt vorläufig an sich genommen und den vorherigen Kassier René Baumberger vorbehältlich als Präsident ernannt. Dieser Entscheid muss an der nächsten GV bestätigt werden. Wann diese sein wird, ist wie so vieles im Moment: ungewiss.