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Duell der WerbespotsCoop oder Migros – Welcher Weihnachts-Clip ist besser?

Jedes Jahr zur Adventszeit lancieren die grossen zwei im Schweizer Detailhandel Videos mit festlicher Stimmung. Wir schauen zurück auf den Zweikampf und zeigen die Filme 2020.

2014: Migros mit Gratissieg zum 1:0

Wir nehmen das Jahr 2014 als Startschuss für die Werbespotschlacht zwischen Migros und Coop. Wobei Coop nicht viel dazu beigetragen hat, ausser ein paar kurzen Spots, die sehr konventionell daherkommen. Darum gewinnt Migros mit ihrem Song «Ensemble» das erste Jahr haushoch.

Das Lied landete übrigens auf Platz 1 der Schweizer Hitparade und sammelte gleichzeitig Spenden für wohltätige Zwecke. Mit dabei waren 23 Künstler oder Bands aus der ganzen Schweiz. Und aus irgendeinem Grund: Gilbert Gress.

2015: Coop setzt auch auf Musik – 2:1

Coop macht auf Migros und kopiert das Erfolgsrezept der Konkurrenz. 2015 promotete auch Coop mit einem Lied das Weihnachtsgeschäft. Es hiess «Es Truckli voll Liebi». Coop spielte im Spot die Familienkarte: Der Kinderchor Schwizergoofe hatte einen prominenten Auftritt, was wunderbar festlich daherkommt. Dass Coop auch auf Musik setzte, führte bei der Migros sogar zu Verärgerung, man fühlte sich kopiert.

Zum zweiten Jahr in Folge ging die Migros 2015 mit dem Song «Ensemble» an den Start, wenn auch mit einem anderen Spot dazu. Eigentlich klar: Coop gewinnt, weil Migros nichts Neues wagte. Doch so leicht kommt Coop nicht davon: Wegen der Kopie von Coop und der Tatsache, dass die Migros Gilbert Gress wieder einen Auftritt im neuen Spot gönnte, gibt es 2015 ein Unentschieden.

2016: Die Battle nimmt Fahrt auf – Coop schafft den Ausgleich zum 2:2

2016 wird heftig auf die Tränendrüse gedrückt. Coop lässt einen Buben von zu Hause ausbüxen (mit Rentier, warum auch immer) und später Folgendes sagen: «Liebes Mami, lieber Papi. Ihr seid immer so gestresst und müsst so viel arbeiten, dass ihr manchmal gar keine Zeit für mich habt.» Er schenkt darum seinen Eltern einen Tag, in dem nur die Familie zählt.

Die Migros kontert mit einem Spot, in dem sich ein Teddybär verstossen fühlt, weil er nicht so schön leuchtet wie das neue Spielzeug «seines» Mädchens. Also geht er los, kauft sich eine Lichterkette, und alles ist wieder gut. Beide sitzen ganz tief drin in der Kitschkiste, aber das gehört ja eigentlich dazu. Coop gewinnt den Punkt für 2016. Weil: Mensch gewinnt gegen Teddybär.

2017: Dank Finn – Migros führt mit 3:2

2017 hat der kleine Wichtel Finn seinen grossen Auftritt. Endlich wird gelüftet, wer in der Migros die ganze Zählerei an der Kasse macht. Es ist nicht etwa ein Computer, sondern tatsächlich Finn und andere Wichtel, die in den Kassen wohnen. Doch der glubschäugige Wichtel Finn ist einsam in seiner Kasse und will deswegen mit einem Schokoladen-Samichlaus anstossen. Am Ende wird alles gut, und Finn findet andere Wichtel.

Coop schickt die Figur Samuel Klaus (Ho-ho-ho) an die Kasse und lässt ihn einen Pinguin zum Leben erwecken. Etliche Tiere schmücken dann einen Baum, der Klaus erhält ein Geschenk. Auch wenn das Lied aus der Coop-Werbung wunderbar Weihnachtsstimmung verbreitet: klarer Sieg für die Migros. Ein weinender Wichtel mit grossen Augen – das ist rührend.

2018: Finn zum Zweiten – Migros zieht mit 4:2 davon

Die Migros setzt auf Altbewährtes: Finn hat seinen zweiten Auftritt. Wieder ist er etwas traurig, denn er sucht seine Familie. Auf der grossen Suche muss er sich vor einer Katze verstecken, fährt in einem defekten Auto-Rücklicht mit: Storytelling-mässig grosses Kino. Am Ende findet er – natürlich –, was er suchte.

Coop hingegen lässt wieder Musik sprechen, lässt backen und zusammen feiern. Aber so richtig glaubt selbst Coop nicht an den eigenen Spot, so unser Eindruck. Denn nachdem die Migros einen ersten Teaser von Finns grosser Suche veröffentlicht hat, nimmt die Social-Media-Abteilung von Coop den Ball auf und postet ein Bild von Finn vor einer Coop-Filiale: frecher Wichtelklau also.

Auch wenn Wichtel Finn nicht gerade innovativ ist: Migros gewinnt das Jahr 2018. Auch ein wenig, weil Coop in einer ersten Version des Filmchens Puderzucker von Migros zeigt.

2019: Coop zieht die Dating-Karte und kommt näher – 4:3

Wichtel Finn wird von der Migros in die Pension geschickt. Den übergrossen Augen bleibt die Detailhändlerin aber treu: Neue Hauptdarstellerin ist eine Eule, die sich in einem Weihnachtsbaum versteckt. Mimi, so heisst sie, kann nicht fliegen. So findet sie erst nach ausgiebiger Flugschule zurück zu ihren Eltern.

Coop lässt sich durch den durchschlagenden Erfolg von Animationsfiguren der Migros in den vorherigen Jahren nicht beeindrucken und steigt mit einer Liebesgeschichte ins Duell. Die Frau hinter dem Ansage-Mikrofon im Supermarkt coacht einen Kunden zu gesundem Essen, weil sie sich in ihn verguckt hat. Dieser kocht am Ende für sie.

2019 geht an Coop: Liebeleien zwischen Menschen gehen mehr ans Herz als die Animationseule Mimi.

2020: Reicht es Migros zum Sieg, oder gleicht Coop aus?

Coop setzt in diesem Jahr auf Animation: Schneemonster Nevi soll die Kundinnen und Kunden in Weihnachtsstimmung bringen. Mit grossen Augen und viel Tapsigkeit lässt es Nevi am Ende schneien. Die Migros hingegen setzt auf einen offenbar alleinerziehenden Vater, dessen Tochter lieber bei einer Kollegin feiert als mit ihm. Also verteilt er das ganze Weihnachtsessen, das er eigentlich für das Fest mit seiner Tochter vorbereitet hat. Die kommt dann aber zurück, und die beiden feiern gemeinsam.

Hier gewinnt – auch wegen eines kleinen Witzes über Mandarinensuppe (wer mag so was?) – die Migros. Am Schluss gewinnt also die Migros haushoch mit 5:3.

Sehen Sie es anders als unser Autor? Welche Werbung ist Ihr Favorit? Oder fehlt Ihnen in der Aufzählung gar die Weihnachtswerbung der Konkurrenz etwa mit Elfred, dem Elfen von Manor? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen.

45 Kommentare
    kurt meier

    Wir fanden die früheren Weihnachts-Werbefilme besser. Vor allem der diesjährige von Migros, wohl nett gemacht, stimmt uns eher traurig. Und das sollte an Weihnachten eigentlich nicht sein.