La Gomera

Sie wollen über den Atlantik rudern

Die Zürcher Dominic Schaub und Florian Ramp brechen am Montag zur grossen Überfahrt auf.

Für ihre Atlantiküberquerung haben Dominic Schaub (links) und Florian Ramp von August bis Oktober auf dem Zürichsee trainiert. Foto: PD

Für ihre Atlantiküberquerung haben Dominic Schaub (links) und Florian Ramp von August bis Oktober auf dem Zürichsee trainiert. Foto: PD

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Es begann in Hongkong, vor zehn Jahren. Florian Ramp, mehrfacher Schweizer Meister im Rudern, arbeitete damals dort für eine Schweizer Grossbank. In einer Bar traf er eine Chinesin. Sie fragte ihn, ob er rudern könne; jemand aus ihrer Crew sei ausgefallen, und sie suche noch Ersatz für ein Ruderrennen am nächsten Tag. Ramp sagte zu. Tags darauf erzählte ihm ein anderer Teilnehmer vom härtesten Ruderrennen der Welt: der «Talisker Whisky Atlantic Challenge», 4800 Kilometer, von den Kanarischen Inseln in die Karibik.

Diesen Montag bricht Ramp nun zusammen mit Dominic Schaub zu diesem Ruderrennen auf: Sie fliegen nach La Gomera. Am 12. Dezember stechen die zwei mit ihrem 7,3 Meter langen Boot in See. Es erwarten sie rund 40 Tage auf dem Atlantik, bis zu acht Meter hohe Wellen, ab und zu vielleicht Haifische.

«Eigentlich ist es zu krass, aber die Idee liess mich nicht mehr los», sagt Ramp beim Gespräch in einem Café in seiner Heimatstadt Zürich. Als er vor zwei Jahren die Crew traf, die damals als erste Schweizer die Atlantiküberquerung machte, sagte sich der heute 42-Jährige: «Entweder setzt du deinen Traum jetzt um oder nie.» Zunächst stellte er ein vierköpfiges Team zusammen. Als der Entscheid näherrückte, blieb einzig noch Schaub dabei, der auch schon Schweizer Meister im Rudern war. Die beiden kennen sich aus dem Grasshoppers-Ruderclub.

Der 28-jährige Schaub hat gerade sein Studium abgeschlossen, Banking und Finance. «Es ist der ideale Zeitpunkt», sagt er und fügt an: «Gesponnen ist es, aber nicht lebensgefährlich. Je mehr du dich damit beschäftigst, umso mehr Sicherheit kriegst du.»

Sie trieben Sponsorengelder auf, kauften ein Boot, engagierten einen Trainer, stellten ihre Ernährung um auf viel Fett und wenig Kohlenhydrate. Mit dem Boot trainierten sie von August bis Oktober auf dem Zürichsee.

100 Kilogramm Nahrung pro Person

Es hat zwei Kabinen, eine vorne, eine hinten. Sonnenkollektoren versorgen die technischen Geräte mit Strom. Bei starkem Wind können Ramp und Schaub eine Art Fallschirm auswerfen, um weites Abdriften zu verhindern. Via Satellit haben sie Kontakt zur Mitwelt und wollen täglich ein Video online stellen. Pro Person nehmen sie 100 Kilogramm Nahrung an Bord. Mittels Entsalzungsanlage wird Meerwasser zu Trinkwasser.

«Die Ernährung ist extrem wichtig», sagt Schaub. Zum Frühstück gibts Haferflocken mit Milchpulver und Wasser, mal mit Mandelmus, mal mit Nüssen oder Schokolade. Dann Käse oder Trockenfleisch. Mittags ist gefriergetrocknetes Astronautenfood eingeplant. Und zum Abendessen bereitet der gelernte Koch Ramp ein Mahl aus Kartoffelbrei zu. Dabei sorgen Speck, Salami, Salsiz und Gewürze für Abwechslung. 7300 Kalorien werden die beiden Zürcher Ruderer täglich zu sich nehmen. Sie rechnen damit, bis zur Ankunft in der Karibik zehn Kilo abzunehmen.

Technik, körperliche Fitness und Ernährung sind planbar. Doch wie stehts mit der mentalen Vorbereitung? «Wir haben Kriterien definiert, wann wir abbrechen würden: wenn einer gesundheitlich nicht mehr kann oder so seekrank wird, dass er kein Essen mehr verträgt», sagt Ramp. «Und wenn wir uns nicht mehr vertragen, errichten wir eine imaginäre Trennwand im Boot.»

Die Ruderschichten für den 24-Stunden-Betrieb haben sie nach ihren Vorlieben aufgeteilt: «Dominic ist mehr die Nachteule, ich rudere in den Sonnenaufgang», sagt Ramp. Nachts habe jeder bis zu zweieinhalb Stunden Schlaf am Stück zugute, tagsüber maximal eine Stunde ununterbrochene Pause. Bei den Schichtwechseln wollen sie jeweils auch eine Zeit lang gemeinsam rudern. Über eine Million Ruderschläge pro Person haben sie vor. Und dann Ferien in der Karibik.

Erstellt: 29.11.2019, 22:26 Uhr

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