Winterthur

Bus auf Bestellung, ohne Chauffeur

Gleich zwei Vorstösse im Gemeinderat denken den ­öffentlichen Verkehr neu: ­erstens mit einem Bus auf ­Verlangen zu Randzeiten, ­zweitens mit selbstfahrenden Quartierbussen.

Zwei Stadtbusse, aber ohne feste Route? Der «Bus on demand» soll Leerfahrten verhindern.

Zwei Stadtbusse, aber ohne feste Route? Der «Bus on demand» soll Leerfahrten verhindern. Bild: Michele Limina

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Den «Bus-on-Demand», also den Bus auf Verlangen, schlägt der FDP-Gemeinderat David Schneider in seiner Interpellation vor, die er namens der FDP-Fraktion kommenden Montag im Gemeinderat einreicht. Die Idee: Ab 22 Uhr sollen nicht mehr alle Busse feste Routen abfahren, stattdessen reagieren sie auf Online­bestellungen. Am Hauptbahnhof speisen Fahrgäste ihre Zielorte digital ein, worauf die Route berechnet wird. An den übrigen Haltestellen bestellt der Gast den Bus per Handy oder Automat, was in die rollende Planung der Busrouten einfliesst.

«Dynamisches Angebot»

«Die neuen Technologien ermöglichen es, die Nachfrage der Kunden mit dynamischen Angeboten zu verknüpfen», sagt Schneider. «Das bietet auch im Verkehrssystem Chancen, die wir prüfen sollten.» Er schlägt Kooperationen mit der ZHAW und Firmen wie Google vor, räumt aber ein, dass es sich bisher mehr um eine Vision als um ein Umsetzungsprojekt mit festem Fahrplan handelt.

«Die neuen Technologien ermöglichen es, die Nachfrage der Kunden mit dynamischen Angeboten zu verknüpfen»David Schneider, 
FDP-Gemeinderat

Visionär war 2014 auch Schneiders Idee einer Seilbahn über Winterthur, die allerdings rasch begraben wurde. Jetzt sagt er: «Unabhängig davon, was am Ende herausschaut, halte ich solche Denkanstösse für wichtig. Wenn die Stadt Winterthur den Mut für Visionen aufbringt, kann sie eine Vorreiterrolle übernehmen.»

Eine Umsetzung der Idee würde Leerfahrten von Bussen verhindern, weshalb die Grünen die Allianz mit dem Freisinn eingehen. Grünen-Parteichef Reto Diener: «Zu Randzeiten fahren heute Stadtbusse auf Nebenlinien häufig leer. Das ist aus ökologischer und energetischer Sicht definitiv unbefriedigend.» Die Fraktion werde die Interpellation unterzeichnen, wenn auch «ohne grosse Euphorie»: Man sehe das Zukunftspotenzial des Ansatzes, sei aber skeptisch, ob eine Umsetzung mittelfristig realistisch sei. Auf keinen Fall dürfe ein Abbau des ÖV-Angebots die Folge sein.

Quartierbahnhof erschliessen

Zukunftsträchtig sind womöglich auch die Gedanken der CVP zum öffentlichen Verkehr: Parteipräsident Andreas Geering reicht am Montag eine Interpellation zum Thema selbstfahrende Busse ein, wie sie Postauto derzeit im Wallis testet. Konkret denkt er darüber nach, ob man die Quartierbahnhöfe wie Töss oder Wallrüti in einem Testprojekt mit autonomen Bussen erschliessen könnte. Diese stünden in Ergänzung zur innerstädtischen S-Bahn-Durchmesserlinie, wie er sie bereits in einem Postulat gefordert hat.

Die FDP-Interpellation hingegen werde seine Fraktion nicht unterstützen, sagt Geering: «Das Verkehrsmittel Bus lebt auch zu Randzeiten vom verlässlichen Fahrplan. Es wäre wenig attraktiv, ausgerechnet nachts an der Station zuerst den Bus bestellen und dann womöglich länger als bisher warten zu müssen.»

Stadtbus kommentiert die Interpellation auf Anfrage nicht. Eine Aussage, wie viele Busse heute leer fahren, sei im Detail nicht möglich. Das werde gegebenenfalls im Rahmen der Beantwortung der Interpellation untersucht.

Erstellt: 30.06.2017, 19:00 Uhr

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