Flughafen

Wo der A380 flügge wird

Dreimal täglich startet am Flughafen Zürich eine Airbus A380. Sämtliche dieser Maschine wurden in Hamburg fertiggestellt. Ein Augenschein vor Ort, um zu sehen, was es braucht, um das grösste Passagierflugzeug der Welt zu bauen.

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Eigentlich ist «Werk» das falsche Wort, um die Produktionsstätte von Airbus in Finkenwerder bei Hamburg zu beschreiben. Das wird schon am Eingangstor klar. Denn noch während man im Bus die Sicherheitskontrolle abwartet – als Besucher benötigt man einen Ausweis – startet direkt vor einem ein Airbus Beluga. Weltweit gibt es nur eine Handvoll dieser Frachtflugzeuge, die alle im Dienst der Airbus fliegen.

Am Mittwoch hebt einer dieser Belugas kurz vor Mittag auf der 3300 Meter langen Piste ab – klar, ein Flugzeughersteller braucht seine eigene Piste – um mal kurz in Toulouse ein paar Flugzeugteile abzuholen. Das passt zu diesem Werk, wo alles eine Dimension grösser ist und welches eigentlich viel eher als Kleinstadt bezeichnet werden muss. 15 000 Menschen arbeiten hier, um Airbusflugzeuge der Typen A318, A319, A320 und A321 herzustellen. Und noch an einem weiteren Flugzeugtyp arbeitet die Airbus in Finkenwerder: Hier wird der Airbus A380, das grösste Passagierflugzeug der Welt, fertiggestellt.

Drei Monate pro Maschine

Um dabei ein Blick hinter die Kulissen zu werfen, ist der «ZU» auf Einladung der Emirates nach Hamburg gereist. Mit dem Bus fahren wir deshalb nach der Kontrolle am Eingang zu den Dockgebäuden. Auf dem ganzen Gelände herrscht emsiges Treiben. Überall sind Airbusmitarbeiter zu sehen. Kein Wunder, denn das Werk steht niemals still: An sieben Tagen die Woche wird hier in bis zu drei Schichten gearbeitet. Alleine 213 Maschinen des Typs A380 wurden in Finkenwerder seit 2007 gebaut, mindestens 114 weitere sind bereits bestellt, durchschnittlich wird alle zwei Monate eine Maschine gebaut. Rund 420 Millionen Dollar kostet jedes Flugzeug.

Unser Ziel am Mittwoch ist das Dock 3. Erst beim Betreten der Halle werden ihre Dimensionen dabei so richtig begreifbar: Das riesige Gebäude beherbergt derzeit zwei A380, die bisher lediglich als «Maschinenseriennummer 244» und «Maschinenseriennummer 236» (kurz: MSN 244 und MSN 236) bekannt sind. Das Dock 3 ist so gewaltig, dass es locker beide rund 24 Meter hohen und 72 Meter langen Flugzeuge mit einer Spannweite von jeweils 80 Metern schluckt.

MSN 236 ist quasi fertig und wird demnächst ein letztes Mal auf Herz und Nieren geprüft, bevor es an die Käuferin Emirates übergeben wird. MSN 244 hingegen ist noch weit von seinem ersten Einsatz entfernt. Viele der Sitze fehlen noch und die Maschine ist grüngrau statt weiss, weil sie noch nicht lackiert wurde. Vor ihr steht Marco Paulsteiner. Er ist Assistent oder «Mädchen für alles», wie er scherzhaft sagt, im Team der Final Assembly Line (FAL). Die FAL ist für die eigentliche Fertigstelltung eines A380 zuständig. «Wir benötigten etwa 120 Tage pro Airbus A380», sagt Paulsteiner. «Die ersten 50 Tage wird die eigentliche Maschine in Toulouse zusammengebaut», erklärt er. Rumpfteile aus Hamburg – sie werden per Spezialschiff über Bordeaux und dann per Lastwagen nach Toulouse befördert –, die Flügel, das Cockpit und die Triebwerke werden dort montiert. Danach wird die Maschine nach Hamburg geflogen. Nach einer dreitägigen Vorbereitungszeit geht es dann ans Eingemachte.

800 Kilogramm Farbe

Wir folgen Paulsteiner in die Kabine, um herauszufinden, was das heisst. Der erste Eindruck ist ein kleiner Schock: Keine Sitze sind zu sehen, Abdeckungen an der Decke der Kabine fehlen und wohin das Auge blickt sind Kabel zu sehen. Als Passagier sieht man diese Eingeweiden des Flugzeugs so nie. «Rund 500 Kilometer Kabel sind in einem A380 verlegt», informiert Paulsteiner.

Das Zweite, was auffällt, sind die Mitarbeiter. Rund 30 Personen sind in der Final Assembly Line beschäftigt, überall werden Kabel hochgebunden, es wird im Akkord geschraubt und geklebt. Interessanterweise ist dabei die Economyklasse – die mit über 400 Sitzen grösste Klasse – der Bereich, der am schnellsten fertig gestellt wird. Pro Sektion benötigt Airbus etwa ein bis zwei Tage für den Einbau der Sitze. In der Firstclass hingegen sind es für die lediglich 14 Suites ganze drei Wochen.

Ein dritter Punkt springt nicht direkt ins Auge, macht sich aber während des Rundgangs durch die Kabine mit der Zeit immer stärker bemerkbar: Die schiere Grösse des Flugzeuges. Ein paar Zahlen dazu: Der Durchmesser des Triebwerks eines A380 ist so gross wie der Durchmesser des Rumpfs einer A320. Das Volumen der drei Decks einer A380 – also die beiden Passagierdecks inklusive Gepäck- und Frachtraum – beträgt 1570 Kubikmeter. Platz genug für 35 Millionen Ping-Pong-Bälle. Die beiden Passagierdecks haben eine Fläche von 550 Quadratmeter, was der Grösse von drei Tennisfeldern entspricht. Über 5000 Lichtquellen sind verbaut, 220 Fenster ermöglichen den Blick nach draussen. Insgesamt hat die Maschine ein maximales Startgewicht von rund 575 Tonnen.

Von diesem Gewicht entfallen rund 800 Kilogramm auf die Farbe. Kein Wunder, denn bei einem Airbus A380 muss insgesamt eine Fläche von rund 3000 Quadratmetern lackiert werden. Und dies insgesamt fünfmal, weil fünf verschiedene Schichten Farben und Klarlack aufgetragen werden. «Die Lackiererei ist der Bereich des Airbus, der wirklich durchgehend und immer in Betrieb ist», sagt Paulsteiner deshalb. Kein Wunder: Um eine einzelne A380 zu lackieren, benötigt Airbus zwei ganze Wochen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 13.07.2017, 18:56 Uhr

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