«Nutzen Sie das Unterdeck, wenn es Ihnen unwohl wird»

Bombardier hat Stellung zum Pannenzug FV-Dosto genommen. Bis zum Sommer 2021 soll die gesamte Flotte an die SBB geliefert sein.

Störungsursachen offenbar gelöst: Bombardier-Geschäftsführer Stéphane Wettstein ist mit den Fortschritten zufrieden. (Screenshot Keystone-SDA)

Störungsursachen offenbar gelöst: Bombardier-Geschäftsführer Stéphane Wettstein ist mit den Fortschritten zufrieden. (Screenshot Keystone-SDA)

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Der Pannenzug ist gemäss Hersteller Bombardier kein Pannenzug mehr: Der FV-Dosto sei deutlich komfortabler und verlässlicher geworden. Ingenieure fahren heute keine mehr mit.

Er sei sich bewusst, dass dieser Zug ein emotionales Thema sei, sagte Stéphane Wettstein, Geschäftsführer von Bombardier Schweiz, am Mittwoch vor den Medien in Zürich. Beide Partner, also Bombardier und die SBB, hätten ihr Lehrgeld bezahlt.

In den vergangenen Wochen und Monaten war Bombardier daran, die zahlreichen Mängel des Zuges zu beheben. Mittlerweile sei viel erreicht. Ingenieure, die im Notfall eingreifen können, fahren auf keinen Linien mehr mit.

«Die Pünktlichkeit ist heute sehr hoch», sagte Wettstein. Seit dem Fahrplanwechsel 2018 hätten zudem rund 75 Prozent der technischen Störungsursachen eliminiert werden können. In Sachen Komfort habe vor allem die Installation einer neuen Software viel geholfen. Seit September diesen Jahres seien die Züge damit unterwegs. «So konnten wir die Schwankungen, die vor allem im Obergeschoss auftraten, deutlich reduzieren.»

Komplexer als andere Modelle

Zahlreichen Passagieren wurde es wegen der Schwankungen schlecht. Heute seien diese vergleichbar mit jenen in einem Doppelstockzug des Typs IC2000. «Fahrkomfort ist ein persönliches Gefühl. Aber das hier ist Physik», sagte Wettstein weiter. Diese Verbesserung sei messbar. «Ein kleiner Tipp für alle, denen nicht wohl ist im Oberdeck: Nutzen Sie das Unterdeck. Das ist stabiler.»

Generell sei er der Meinung, dass der FV-Dosto erst beurteilt werden solle, wenn er in stabilem Betrieb sei. Man dürfe nicht vergessen, dass dieser Zug «komplexer, innovativer und zukunftsweisender» sei als andere Modelle.

Ein Beispiel dafür ist gemäss Wettstein der druckdichte Wagenkasten. Er ermöglicht es, dass die Passagiere beim Einfahren in einen Tunnel keinen Ohrendruck bekommen. Es sei ganz normal, dass man bestimmte Funktionen optimieren müsse. Schliesslich solle das Produkt die nächsten 30 Jahre in Betrieb sein.

SBB will weitere Verbesserungen

Insgesamt übergaben Bombardier bis jetzt 25 Dosto-Züge an die SBB, wobei noch nicht alle in Betrieb sind. Ein Teil wird für Personalschulungen benötigt, zudem werden an einzelnen Zügen laufend Verbesserungen vorgenommen. Bis im Sommer 2021 soll die ganze Flotte von 62 Zügen ausgeliefert werden.

Wegen der Kritik in den vergangenen Monaten geht Bombardier nun in die Informations-Offensive. Das Unternehmen schaltete eigens eine Website zum FV-Dosto auf. Unter swissdosto.ch finden Interessierte Informationen zur Einführung und zum Betrieb des Zuges.

Wettstein erinnerte daran, welche Bedeutung der Bombardier-Konzern habe: «Wir transportieren weltweit 500 Millionen Passagiere täglich.» Die Produktionsstätte befinde sich in Villeneuve VD, wo 530 Anstellte beschäftigt seien, sagte Wettstein.

Die Probleme scheinbar gelöst: Der FV-Dosto. (Keystone/Ennio Leanza)

Aus Sicht der SBB ist die Situation unverändert: «Wir arbeiten weiterhin gemeinsam an der Inbetriebnahme jedes einzelnen neuen Zuges», hiess es bei der Medienstelle auf Anfrage. Die Zuverlässigkeit müsse weiter gesteigert werden, sodass die SBB den Zug ohne Einschränkungen einsetzen könnten.

(fal/sda)

Erstellt: 06.11.2019, 11:49 Uhr

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