Thalwil

Ein leichtes philosophisches Gedankenspiel

Die Sängerin Julia Schiwowa gibt vor den Aufnahmen zu ihrer CD «Le Röschtigraben» ein Heimspiel und präsentiert das Programm in ihrer neuen Heimat. Zuvor aber lässt sie sich auf ein Gedankenspiel quer durchs Alphabet ein.

Julia Schiwowa?entführt ihr Publikum singend und erzählend in ihre ganz persönliche Welt.

Julia Schiwowa?entführt ihr Publikum singend und erzählend in ihre ganz persönliche Welt. Bild: zvg

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Julia Schiwowa, eine vielschichtige Künstlerin, die bereits in frühen Jugendjahren wusste, was sie für ihre Zukunft wollte: singen. Und zwar richtig. Also studierte sie in ihrer Heimatstadt Zürich Gesang. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet und hat sich nunmehr dem Chanson verschrieben.

Bevor die Sängerin nun mit den Studioaufnahmen für die CD «Le Röschtigraben» beginnt, präsentiert sie zusammen mit ihrem Ensemble das Programm im Kulturlabor Thalwil – ein Heimspiel, auf das sie sich gespannt freut. Als kleine Einstimmung gibt sie an dieser Stelle ihre Gedanken zu Stichworten preis und entführt den Leser damit in ihre ganz persönliche Welt.

Arbeit – ein Unbegriff. Arbeit, Leben, in meinem persönlichen Idealfall ist das alles eins.

Berlin – dort, dort wollte ich doch die ewige Freiheit finden. Aber am Ende ist sie ja in einem selbst oder gar nirgends.

In der Zeit zwischen Herbst 2012 und Frühling 2014 schrieb Julia Schiwowa an einem Realityblog, von Anfang an als Countdown gedacht und zeitlich begrenzt. Er dokumentierte die Verwirklichung ihres Lebenstraums: mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern nach Berlin auszuwandern. Dies, wohlgemerkt, als freischaffende Künstlerin. Die Zeitspanne des Blogs sollte die letzten 300 Tage in Zürich bis zum Umzug und die ersten 300 Tage in Berlin umfassen. Daraus entstand das Buch «Schoggiberliner zum Mitnehmen», das letztes Jahr erschienen ist.

Chanson – als textbezogenes Lied eine wunderbare Form von Ge­genentwurf zu allen «Baby, baby, I love you»-Songs.

Ensemble – So ein Ensemble über die Jahre hinweg aufzubauen, Zusammenarbeiten, die musikalisch und menschlich langfristig tragen, dahin geht der Gedanke.2009 gründete Julia Schiwowa ihr eigenes Ensemble mit Edward Rushton am Klavier, Andrei Ichtchenko am Akkordeon, Simon Kessler an der Gitarre, Fridolin Blumer am Kontrabass und Ken Fiebig am Schlagzeug. Zudem ist die Sängerin Teil der Close-Harmony-Formation The Sam Singers, einer Vokalgruppe, die internationale Evergreens, amerikanische Swinghits und alte Schweizer Schlager aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts interpretiert.Freiheit – unbedingt! Ihr gehört ein Grossteil der Sehnsucht, die mein Leben durchzieht. Nicht zu verwechseln mit Anarchie oder Unverbindlichkeit.

Gesang – ist Kommunikation. Ich mache Kunst für ein Publikum, das ist mir sehr wichtig.

Heimspiel – Thalwil ist mir in kurzer Zeit ans Herz gewachsen. Eine neue alte Heimat, überhaupt endlich eine Heimat für ein Heimspiel.Inspiration – Die vorbeihuschenden Gedanken und Ideen, denen man normalerweise gar keine ­Beachtung schenkt, ins Blickfeld rücken, sie wahrnehmen, einfangen und dann wachsen lassen . . .

Jazz – auf der Suche nach einem musikalischen Ort der Freiheit in jedem Moment, egal ob Jazz oder Mozart. Ich mag beides.

Kinder– sie, die Urkreativen. Von ihrem Blick auf die Welt lerne ich gerne.Liedtexte – ob sie eine Pointe haben müssen oder nicht, das ist momentan die Frage.

Julia Schiwowa liebt Sprache in der Musik und braucht sie, um mit leisem Humor menschliches Verhalten zu reflektieren. In Marbour hat sie einen Co-Liedermacher gefunden, der ihr Faible für Fragen teilt und diese ebenso leicht wie feinfühlig umsetzt.

Musik – Menschen zu bewegen.

Privileg – als Frau in diesem Land zu leben.

Röschtigraben – überall gibt es Röschtigräben. Fangen wir doch in unserem Alltag damit an, sie zu hinterfragen.

Sehnsucht – meine Triebfeder. Dieses Gefühl, dass etwas noch nicht ganz auf dem Punkt ist. Dass da noch etwas ist.

Thalwil – Nie bin ich so freundlich empfangen worden wie in Thalwil. Hier wird noch der Austausch zwischen Kulturschaffenden gepflegt, fantastisch.

Zeit – wie lange man wohl Zeit hat?

Am Schluss hat Julia Schiwowa einen Begriff frei, auszuwählen in der Reihe der noch fehlenden Buchstaben. Sie wählt das D.

D wie Durchalten – ein nicht zu unterschätzendes Moment im Leben als Künstlerin.

Julia Schiwowa – «Le Röschtigraben» Dienstag, 7. Juni, 20.30 Uhr. Kulturlabor, Gotthardstrasse 62, Thalwil. Tickets: www.juliaschiwowa.com. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.06.2016, 13:58 Uhr

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