Mode

Die Rückkehr des Hosenrocks – oder das Warten auf den Wandel

Für die Frauen um 1900 war er eine Befreiung. Heute wird die Rückkehr des Hosenrocks unter Trendsetterinnen propagiert. Inzwischen ist er auch in den Läden anzutreffen.

Drei mal Culottes: Rechts und links mit hohen Absätzen kombiniert (von Oui), in der Mitte für wagemutige Trendsetterinnen mit flachen Schuhen (Boulezar).

Drei mal Culottes: Rechts und links mit hohen Absätzen kombiniert (von Oui), in der Mitte für wagemutige Trendsetterinnen mit flachen Schuhen (Boulezar). Bild: pd

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Wie lange dauert es, bis wir uns an eine neue Silhouette gewöhnt haben und uns nicht mehr vorstellen können, dass wir zuvor noch ganz andere Formen als schön empfunden haben? Die Damenmode ist ein schnelles Geschäft. Jede Saison kommen neue Kollektionen auf den Markt – bei manchen Marken sogar jeden Monat.

Trotzdem bewegt sich die ­Mode nur langsam. Denn: Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. So heisst es seit mindestens drei Jahren immer wieder: Die wilden 70er sind zurück. Mit Häkelbikinis, transparenten Blusen und Schlaghosen. Doch geblieben sind die schmalen Röhrenjeans.

Culotte statt Hosenrock

Vor zwei Jahren dann propagierten modebewusste Trendsetterinnen den Hosenrock. Oben schmal, unten weit und wadenlang. Nur dass das gute alte Kleidungsstück neu ganz französisch «Cu­lotte» hiess. Geblieben sind wieder die schmalen Hosen. Das, obwohl die 1980er-Jahre dazwischengefunkt haben, mit den Mom-Jeans, den Hosen, die taillenhoch geschnitten sind und in der Form an die «Rüeblihosen» erinnern.

Und jetzt heisst es also wieder: Die Culotte feiern ein Comeback. Zumindest, wenn man den Modefachleuten glaubt. Doch was hat es mit diesem Kleidungsstück auf sich? Im legendären Textil- und Modelexikon von Alfons Hofer kommt die Culotte nicht vor. Dafür wird zwischen dem Hosenrock und der Rockhose (Jupe Culotte) unterschieden.

Beide sind weit geschnitten und erinnern mehr an einen Rock denn an eine Hose, wobei beim Hosenrock die Beine noch etwas besser zu sehen sind und die Rockhose noch stärker an einen Jupe erinnert. Eine Unterscheidung, die vermutlich auf die Übersetzung aus dem Französischen zurückzuführen ist, die wir heute jedoch vernachlässigen können.

Praktische Alternative

Entstanden ist der Hosenrock um 1900. Er wurde von Frauen zum Radfahren angezogen. Da das Tragen von Hosen für Frauen bis zum Ersten Weltkrieg tabu war, war der Hosenrock eine praktische Alternative zum Rock. In die Modewelt Einzug gehalten hat die «Jupe Culotte» um 1911. Damals soll sie zum ersten Mal auf einem Laufsteg in Paris gezeigt worden sein.

Als Erfinderin des Hosenrocks gilt Elsa Schiaparelli. Die italienisch-französische Designerin war für ihre künstlerische und bunte Mode bekannt und unter anderem mit Pablo Picasso und Salvador Dali befreundet. Später soll auch Coco Chanel Hosenröcke kreiert und getragen haben. Seinen Höhepunkt erlebte der Hosenrock in den 1960er-Jahren, bis er in den 1990ern fast vollständig von der Bildfläche verschwand, um jetzt wieder aufzutauchen.

Schwierig zu kombinieren

Ganz einfach zu kombinieren ist dieses Kleidungsstück nicht, wirkt es doch schnell einmal bieder. Vor zwei Jahren schon er­teilten Modebloggerinnen Ratschläge, wie die Culotte denn am besten getragen wird.

Dabei ist es nicht einmal die Weite, die das Kombinieren schwierig macht, sondern vielmehr die Länge: Die klassische Culotte, wie man sie derzeit in den Läden antrifft, ist wadenlang. Genauso wie wadenlange Jupes wirken auch wadenlange Hosenröcke oft altbacken. Es sei denn, die Trägerin ist jung oder gross und schlank. Am besten sehen Culottes denn auch mit High Heels aus, wobei es dann mit der Bequemlichkeit wieder vorbei ist.

Auch die Wahl des Oberteils gestal­tet sich schwierig. Zwar tragen modebewusste Frauen durch­aus weite Oberteile über weite Hosen. «Weit über weit» wirkt jedoch nur an grossen und schlanken Frauen gut. Frauen, die über keine Modelmasse verfügen, kombinieren Hosen­röcke besser mit Blusen, Shirts oder kurze Jäckchen, die oberhalb der Taille enden.

Bluse in die Hose stecken

Mit Blusen, die in die Culotte ­gesteckt werden, wird die Taille betont, was schlank macht. Das ist allerdings für die meisten von uns noch gewöhnungsbedürftig.

Zwar sitzen viele Damenhosen inzwischen nicht mehr tief auf der Hüfte, sondern sind höher, bis in die Taille, geschnitten: Bisher wagen es meist nur sehr junge oder modische Frauen, die Bluse ganz in die Hose zu stecken. Ausnahmen bilden strenge Business-Outfits. Bei klassischen Kostümen oder Hosenanzügen wird die Bluse im Jupe oder in der Hose getragen.

Fazit: Bis die Frauen sich mit der Silhouette «weit über weit» und «wadenlang» anfreunden kön­nen, wird es vermutlich noch etwas dauern. Die meisten werden das Tragen von Hosenröcken im Moment wohl noch modebewussten Trendsetterinnen überlassen – entweder, bis sie sich an das neue Erscheinungsbild gewöhnt haben, oder, bis die Culottes wieder in der Versenkung verschwinden. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 16.06.2016, 11:02 Uhr

Kleines ABC der Hosenformen

Boyfriendhosen: etwas weiter ge­schnitten, meist verwaschen und abgenutzt. Im Schritt ­etwas tiefer gehalten.
Bundfaltenhosen: Hosen in V-Form, oben weit, unten schmal. Mit ein bis zwei Bund­falten im vorderen Bereich.
Chinos: Sommerhosen aus far­biger Baumwolle. In der Form ähnlich wie etwas lockere Jeans. Klassische Chinos haben eine Bügelfalte.
Culottes oder Hosenröcke: Mischform zwischen Hosen und Rock. Weiter als normale Hosen.
Haremshosen oder Sarouels: weite Sommerhosen im Ethnostil. Um die Hüften weit, von den ­Knien nach unten bis zu den Füssen schmaler. Im Schritt tief ­geschnitten.
Jeggins: sehr schmale Hosen. ­Mischung zwischen schmalen Jeans und Leggins. Ihr Stoff hat einen hohen Anteil an elas­tischen Fasern.
Karotten- oder Rüeblihosen: Hosen in V-Form aus den 1980er-Jahren. Am Oberschenkel weit, gegen die Knöchel hin schmal, sie haben keine Bundfalten.
Marlene-Hosen: lange, lose und gerade Hosen, wie Marlene Dietrich sie getragen hat.
Mom-Jeans: sitzen in der Taille (hoher Bund). V-Form: am Oberschenkel lose, am Fuss schmal. Erinnern an Karottenhosen und sind seit zwei Jahren zu sehen.
Röhrenhosen oder -jeans: schmale Hosen, mit eng anliegenden Beinen.
Schlaghosen: hoher Bund. Um die Hüften und am Oberschenkel eng, ab dem Knie bis zum Fuss weit. Sie sind typisch für die 1970er-Jahre.ssc

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