London

Auf Sir Winston Churchills Spuren

Der britische Premierminister Winston Churchill hat die Weltpolitik während des Zweiten Weltkriegs und im Kalten Krieg mitgeprägt. Anlässlich seines fünfzigsten Todestages würdigt Grossbritannien seinen bedeutenden Staatsmann das ganze Jahr hindurch mit einer Reihe von Veranstaltungen.

Winston Churchills Geburtsstätte: Der spätere britische Kriegspremierminister kam in Blenheim Palace in Oxfordshire zur Welt.

Winston Churchills Geburtsstätte: Der spätere britische Kriegspremierminister kam in Blenheim Palace in Oxfordshire zur Welt. Bild: Patrizia Kuriger

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Zitate von Winston Churchill, dem britischen Staatsmann, Premierminister, Journalisten und Literaten, sind viele überliefert: Bonmots, Lebensweisheiten und politische Überzeugungen. Weniger bekannt ist, was er über seine Geburtsstätte Blenheim Palace in Oxfordshire schrieb: «In Blenheim habe ich zwei wichtige Entscheidungen getroffen: geboren zu werden und zu heiraten. Ich bin vollkommen zufrieden mit den Entscheidungen, die ich anlässlich dieser beiden Ereignisse getroffen habe.»

Freilich lagen die Umstände seiner Geburt nicht in seiner Hand. Am 30. November 1874 kam Winston Churchill in einem kleinen Schlafzimmer direkt neben dem Grossen Saal des Schlosses zur Welt. Das Geburtszimmer, in dem unter anderem die Locken des kleinen Winston ausgestellt sind, ist heute einer der Hauptanziehungspunkte für die Besucher.

Private Briefe und Bilder

Die prachtvolle barocke Schlossanlage gehörte damals Winstons Grossvater, John Winston Spencer-Churchill, dem siebten Herzog von Marlborough. Da er selbst nicht in direkter Linie von der Herzogsfamilie abstammte, hatte er kein Anrecht, in Blenheim Palace zu leben. Doch es kam anders: In jungen Jahren verbrachte Winston viel Zeit im Schloss und in den Parkanlagen. Und selbst später im Leben kehrte er öfters dorthin zurück. Einen Eindruck vom Leben des Mannes vermittelt die Churchill-Ausstellung unweit des Geburtszimmers. Sie zeigt Fotografien, private Briefe und Auszüge aus Churchills Tagebuch, angereichert mit allerlei Kunstgegenständen.

Der weitläufige und wunderschön gestaltete Park mit kleinem See vermittelt ein Gefühl von Grösse und Erhabenheit. In dieses Parkgelände führte Churchill im August 1908 Clementine Hozier. Als ein sommerlicher Platzregen losbrach, suchte das junge Paar im Dianatempel Schutz. Und nach dem Regen folgte der Heiratsantrag. Eine Gedenktafel an der Wand erinnert heute an dieses Ereignis. Ganz in der Nähe des Tempels ist dieses Jahr der Churchill Memorial Garden neu eröffnet worden. Er zeigt inmitten einer Landschaft aus Bäumen, Pflanzen und landschaftsarchitektonischen Elementen das Leben Churchills. Auf einem sich dahinwindenden Weg aus Granitplatten sind einzelne herausragende Episoden aus seinem Werdegang markiert.

Churchill blieb ein Leben lang mit Blenheim Palace verbunden. Häufig waren er und seine Frau zu Gast auf dem Schloss. In der Langen Bibliothek – einem Raum mit einer Länge von 56 Metern und einer Höhe von 10 Metern, der sich über die ganze Länge der Westfront erstreckt – recherchierte er die Biografie seines Vorfahren John Churchill, des ersten Herzogs von Marlborough, die in den 1930er-Jahren unter dem Titel «Marlborough – Sein Leben und seine Zeit» erschien. In Blenheim Palace fand er auch die Inspiration für seine Gemälde. Malerei war eine Liebe, die Churchill erst später in seinem Leben entdeckte. Ein kurzer Spaziergang führt vom Schloss zur St.-Martins-Kirche im Nachbardorf Bladon, wo Churchill neben seiner Familie begraben liegt.

Am Tag zuvor sind wir in London den Stationen von Churchills Wirken als Politiker und Staatsmann gefolgt. Hilary, unser Guide, führt uns durch das Regierungsviertel. Vorbei an No. 10 Downing Street, der Residenz, die Churchill im September 1940, kaum zum Premierminister gewählt, verlassen musste, als der hintere Teil des Hauses während der deutschen Bombenangriffe auf London zerstört wurde. Vorbei auch am Parliament Square und an der St Margaret’s Church, wo Churchills Hochzeitszeremonie stattfand.

Ein Stockwerk unter Boden

Der Spaziergang endet vor den Churchill War Rooms, jenen nur mässig bombensicheren Bunkeranlagen ein einziges Stockwerk unter der Erdoberfläche, wo sich Churchill während der Luftangriffe auf London aufhielt. Drinnen zeigt uns Direktor Phil Reed das Sitzungszimmer, in welchem sich der Premierminister zwischen September 1940 und Mai 1941 – und nochmals zwischen Juni 1944 und März 1945 – mit seinem Kabinett traf. 22 Plätze, die ganze Ausstattung inklusive Schreibpapier genau so, wie sie am Ende des Zweiten Weltkrieges im August 1945 zurückgelassen wurde. Vor Churchills Platz steht noch der Aschenbecher sowie die «Red Box», in welcher dem Premier Dokumente geliefert wurden. An der rechten Armlehne ist eine tiefe Kerbe von Churchills Siegelring ertastbar.

Weiter dem Gang entlang liegt der Map Room, wo Offiziere während des Krieges rund um die Uhr Lageanalysen produzierten. Zu sehen sind auch das Schlafzimmer, in dem Churchill nicht mehr als dreimal übernachtet haben soll, sowie das Telefonkämmerchen, wo er um 2 Uhr nachts mit dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt telefonierte – gekleidet meist in einen seiner «Siren Suits».

Erstellt: 28.07.2015, 10:25 Uhr

Zum fünfzigsten Todestag Winston Churchills

Winston Churchill berief im Jahr 1940 im St. Ermin’s Hotel ein Treffen ein, bei dem er dazu aufrief, «Europa in Brand zu setzen». Während des Zweiten Weltkriegs beherbergte das Hotel die nachrichtendienstliche Spezialeinheit SOE sowie den Auslandgeheimdienst MI6. Die Lage am St.?James’ Park ist ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung des nahen Regierungsviertels. Wer das zu Fuss tun möchte, für den bietet London Walks (www.walks.com) diverse Themenspaziergänge an, darunter die Churchill-Tour «In Churchill’s Footsteps». (pku)

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