Reisen

Entspannen in der schwarzen Daune

Eine ganze Region hat sich dem Moor verschrieben. Hier gibt es Moorlehrpfade, Moorbäder, Moorpackungen und sogar Moorseifen. Kein Wunder: In der Gegend liegt das grösste Bergkiefern-Hochmoor Europas.

Ein Gefühl der Schwerelosigkeit stellt sich im Moorbad ein, obwohl das Moor äusserst dick und zähflüssig ist.

Ein Gefühl der Schwerelosigkeit stellt sich im Moorbad ein, obwohl das Moor äusserst dick und zähflüssig ist. Bild: pd

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Schwarz und dickbreiig liegt es im Holzzuber: Moor, das mit heissem Wasser und Dampf auf rund 42 Grad erwärmt und zu einem Bad aufbereitet wurde. In die Wanne zu steigen, kostet zuerst etwas Überwindung. Aber die schwarze Masse umfängt einen sofort wohlig warm. Nicht umsonst spricht man bei Moorbädern von schwarzer Daune.

Anders als in einem Wasserbad sinkt man im Moor nicht ab. Im Gegenteil, es braucht einige Kraftanstrengung, sich ganz ins Moor zu drücken. Doch liegt man einmal drin, möchte man nicht mehr raus. Ein Gefühl der Schwerelosigkeit stellt sich ein, die Wärme ist angenehm. Denn trotz recht hoher Temperaturen bis zu 43 Grad fühlt sich das Moorbad nicht wärmer an als ein Wasserbad bei Körpertemperatur.

Abruptes Ende

Das Bad wird von einer Stimme ab Band begleitet. Sie entführt gedanklich zu einem Kaminfeuer und versucht, beim Abschalten und Entspannen zu helfen. Das klappt ganz gut, sodass das Ende fast etwas abrupt kommt: «Die Zeit ist um», sagt die Mitarbeiterin bereits nach 13 Minuten Badezeit. «Zu Beginn darf man den Körper noch nicht überfordern», erklärt sie.

Obwohl dem Moor viele positiven Eigenschaften zugestanden werden, kann die Wärme den Kreislauf auch belasten. Deshalb gibt es keine Moorbäder ohne vorherigen Arztbesuch. Im Parkhotel am Soier See, wo das Testbad stattfindet, liegt die Praxis gleich neben dem Wellness-Bereich. Die Ärztin stellt Fragen zu Medikamenten, Allergien und Beschwerden und hört Herz und Lunge ab. Zudem misst sie den Blutdruck. Doch obwohl dieser eher tief ist, gibt sie grünes Licht. Um das Herz nicht zu stark zu belasten, wird es während des Bades mit einer Spirale am Körper gekühlt, durch die kaltes Wasser fliesst.

Kommt man aus dem Moorbad, ist zuerst einmal eine Dusche angesagt. Nach einigem Schrubben sind auch die letzten Moorreste verschwunden. Anschliessend gibts ein Glas Wasser und dann ist Ruhe angesagt. Dick eingepackt ruhen die Gäste auf Liegebetten noch 40 Minuten weiter. Wer will, kann das Wellness-Erlebnis mit einer Massage abrunden.

Schmerzlindernd

Ein einmaliges Moorbad vermag wohl keine Wunder zu bewirken. Doch bei längeren Kuren mit drei Bädern pro Woche sind nachhaltige Wirkungen durch Studien belegt. So hilft es im Bereich der Orthopädie und Rheumatologie, Schmerzen zu lindern, und wirkt entzündungshemmend.

Auch bei der Frauengesundheit soll das Moor eine Veränderung bewirken. Es hat eine stimulierende Wirkung auf den Hormonhaushalt, den Stoffwechsel, das vegetative Nervensystem und den Östrogenspiegel. Es wird darum bei Wechseljahr- und Menstruationsbeschwerden sowie bei Kinderwunsch eingesetzt.

Ein Baum für jedes Kind

Zumindest die Einheimischen glauben daran, dass das Moorbad bei Kinderwunsch hilft. Im Lebensgarten in Bad Kohlgrub wird für jedes Kind, das nach einem Moorbad entstand, ein Baum gesetzt. In den letzten sieben Jahren wurden immerhin knapp 30 Bäumchen gepflanzt. Man muss aber keineswegs ein Leiden haben, um das Moorbad geniessen zu können. Da es einen in einen fast schwebenden Zustand versetzt, wird es häufig einfach zur Entspannung genutzt.

Das Moor für die Bäder stammt aus der Region. Es wird mit Baggern aus den Torfstichen geholt und anschliessend von nicht vertorften Ästen und Wurzeln gereinigt. Die Moorküchen der Betriebe zerkleinern und erwärmen die Masse anschliessend. Der abgebadete Torf muss wieder verwertet werden. Er wird zurück in die Torfstiche gebracht, wo eine erneute Vertorfung und Renaturierung beginnt.

In den Ammergauer Alpen bieten über zwei Dutzend Hotels und Kurhäuser in den Ortschaften Bad Kohlgrub und Bad Bayersoien Moorbäder an, und dies schon seit einiger Zeit. Professor Dr. Reichardt begründete 1872 die Moortherapie mit einem Gutachten über das Bad Kohlgrub. Er schrieb: «Moorbäder sind unter allen Umständen und sofort hier einzuführen, da die bedeutenden Torflager sich zu diesem anerkannten Heilmittel ganz vorzüglich eignen.»

Moor in allen Formen

Alternativ zu den Moorbädern können auch Moorpackungen gebucht werden. Zudem gibt es Pflegeprodukte auf Moorbasis wie Peelings, Seifen oder Badezusätze. Wer mehr über das Moor erfahren will, kann die kleine Moorrunde am Ostufer des Soier Sees absolvieren. Sie klärt an drei Stationen mit Infotafeln auf über die Entstehung und Bedeutung des Moores für die Region. Ein Steg führt direkt ins Moor. Dort kann man sich auch ins am Wasser gelegene Moortretbecken wagen.

Ebenfalls um den Soier See erstreckt sich der 1,8 Kilometer lange Barfussparcours, bei dem man Bekanntschaft mit verschiedenen Untergründen macht. Dazu gehören neben dem allgegenwärtigen Moor Kiesel, feiner Sand oder kantiger Rindenmulch.

Die Reise erfolgte auf Einladung der Ammergauer Alpen GmbH. ()

Erstellt: 12.04.2016, 12:04 Uhr

Ein Hauch Südafrika am Soier See

Unterkunft
Das Parkhotel am Soier See ist äusserst idyllisch gelegen, wies der Name andeutet mit freier Sicht auf den kleinen See. Das 4-Stern-Superior-Hotel verfügt über einen 1500 Quadratmeter grossen Wellness-Bereich. Zu den wichtigsten Anwendungen gehören hier die Moorbäder, aber auch andere Bäder, Massagen oder Kosmetikanwendungen sind buchbar.
Die Gastgeber Franziska Fehle-Friedel und Wolfgang Friedel haben eine besondere Verbindung zu Südafrika. Das zeigt sich einerseits in der Dekoration, etwa in der Saunawelt Amani Spa oder den Aufenthaltsräumen, aber auch in der Afrika-Lounge, einem kleinen, aber feinen Restaurant, das südafrikanische Spezialitäten bietet. Zudem importieren die Gastgeber jährlich Tausende Flaschen Wein aus Südafrika, die im Hotel verkauft werden und sich in der umfangreichen Weinkarte wiederfinden. Zimmer mit Frühstück gibt es ab 97 Euro pro Person. Weitere Infos: www.parkhotel-bayersoien.de

An- und Rückreise
Die Anreise in die Region mit der Bahn ist möglich über Innsbruck oder München und Murnau. Sie dauert mindestens 6 Stunden ab Zürich. Etwas schneller geht es mit dem Auto über St.?Gallen und Bregenz. Ab Zürich dauert die Fahrt rund 3,5 Stunden.

Sehenswürdigkeiten
Kulturelle Highlights sind das Kloster Ettal sowie das Schloss Linderhof mit seinen traumhaften Gartenanlagen. In Oberammergau steht die berühmte Rundbogen-Freilichtbühne, auf der jeweils die Passionsspiele aufgeführt werden. Die nächste Aufführung ist 2020 geplant. Die Pfarrkirche St.?Peter und Paul in Oberammergau aus dem 18. Jahrhundert gilt zudem als eine der schönsten Dorfkirchen Oberbayerns. Namhafte Künstler waren am Bau beteiligt. Wer will, kann den Aufenthalt mit einem Abstecher nach Schloss Neuschwanstein verbinden.

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