Garten-Blog

Yin und Yang

Gärten und Kinder haben eines gemeinsam: Sie können einen zur Verzweiflung treiben, wenn nichts so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Doch die Ernte oder ein Lächeln entschädigt für vieles.

Was haben Kinder und Gärten gemeinsam? Das Leben ohne sie wäre einfacher, aber auch viel weniger spannend. Bild: Sandra Weber

Seien wir ehrlich: Manchmal, da denkt man sich, wäre das Leben einfacher ohne Kind. Man kann die Nächte durchschlafen, Zeitungen fertig lesen und wird beim Duschen nicht mit bunten Plastiktieren beworfen. Muss sich keine Sorgen machen, ob das Kind zu viel oder zu wenig isst, oder einen Schaden erleidet, wenn man mal drei Tage wegfährt. Und die Trotzphase kann einen auch kalt lassen.

Manchmal, da denkt man sich, wäre das Leben einfacher ohne Garten. Man muss nicht jäten, nicht Rasen mähen und wird beim Umgraben nicht vom Hexenschuss getroffen. Muss sich keine Sorgen machen, ob er zu viel oder zu wenig Wasser bekommt, oder einen Schaden erleidet, wenn man mal drei Tage wegfährt. Und die Eisheiligen können einen auch kalt lassen.

Kinder kann man sich schliesslich von Verwandten und Bekannten leihen und Gemüse und Blumen fixfertig kaufen.

Zucchini und Kürbisse fielen Läusen und Mehltau zum Opfer und der Kohlrabi hatte geschmacklich Ähnlichkeiten mit einem Holzscheit. Bild: Sandra Weber

Aber natürlich wäre das Leben ohne, zumindest für mich und meinen Mann, nur halb so lustig. Ruft das Kind frühmorgens begeistert «Mami, Papi, jeeh!!» und drückt uns der Reihe nach einen nassen Kuss auf die Wange – beim Anblick, den wir um dieses Uhrzeit bieten, eine echte Liebeserklärung – ist vergessen und vergeben, dass es uns nachts mehrmals aus dem Schlaf riss, weil es zahnte/schlecht träumte/besungen werden wollte.

Dafür waren die Kartoffeln ... ... und Karotten umso zarter. Bilder: Sandra Weber

Ernten wir im Sommer die ersten knackig süssen Erbsen und aromatischen Tomaten, ist vergessen und vergeben, dass wir uns beim gemeinsamen (und sternenfoifinochmal gar nicht so einfachen) Erstellen des Erbsengitters mit Scheidung gedroht haben, der erste Sturm das ebenfalls mühsam selbstgebaute Tomatenhaus zerfetzte und dass es nun das dritte Jahr in Folge ist, dass Kürbisse und Zucchini Läusen und Mehltau zu Opfer fielen.

Im ersten Jahr umgeknickt, im zweiten Jahr Schneckenfutter und dieses Jahr hätten sie fast zur Scheidung geführt – egal, frisch schmecken Erbsen einfach wunderbar. Findet sogar das Kind. Bild: Sandra Weber

Letzthin stiess ich unvermutet auf das in den 90er-Jahren sehr populäre Symbol des Yin und Yang. Ich verstehe nun, was es bedeutet. Auch wenn uns Kind und Garten zuweilen an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben, sei es, weil der Nachwuchs zum Frühstück so nachdrücklich wie es nur Zweijährige vermögen, Schokolade verlangt oder die Himbeeren beschliessen, so unbeirrbar wie nur sie es vermögen, nicht mehr dort, wo man sie gepflanzt hat, dafür aber überall sonst zu wachsen, überwiegt das Schöne: die strahlenden Augen, die süssen Beeren. Kennt man auch die Schattenseiten, geniesst man die anderen umso mehr.

Sandra Weber

Erstellt: 11.09.2015, 16:47 Uhr

Tipps rund ums Ernteglück

Im Gemüsegarten:


  • Manche Obst- und Gemüsesorten eignen sich zum Lagern über den Winter. Was nicht zum Frischverzehr bestimmt ist, sollte bei der Ernte besonders vorsichtig behandelt werden: Jeder Stoss und jeder Kratzer verringert insbesondere bei Obst die Lagerfähigkeit. Ins Lager kommen nur gesunde, unbeschädigte Exemplare. Bei Gemüse Kraut und Blätter abschneiden. Am besten eignen sich zum Lagern dunkle Kellerräume mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur zwischen 2 und 8 Grad. Einzig Zwiebeln und Knoblauch sollten luftig und trocken aufbewahrt werden, aber ebenfalls im Dunkeln. In modernen, wärmeren, trockeneren Kellern lagert man Karotten, Knollensellerie und Randen am besten in feuchtem Sand, Kartoffeln lose aufgeschichtet in Holzharassen, Kohl und Kabis in strohgefüllten Kisten, Endivien, Chinakohl und Zuckerhut in Papier gewickelt und aufrecht in Kisten gestellt. Regelmässig kontrollieren und faule Exemplare sofort entfernen. Gemüse und Obst nicht im gleichen Raum lagern, das ausströmende Reifegas Äthylen des Obstes lässt das Gemüse rascher welken.

  • Wer kein Wintergemüse zieht, sollte die Beete spätestens jetzt mit sogenanntem Gründünger besäen, damit sie über den Winter nicht brachliegen. Die Durchwurzelung ist wichtig für die Struktur und die Lebewesen des Bodens, sowie den Luft-, Wasser- und Nährstoffhaushalt. Oberirdisch schützt Gründünger vor Erosion und Austrocknung. Ideal zum Säen im September eignen sich Spinat, Gartenmelde und Nüsslisalat, weil sie auch in der Küche gebraucht werden können. Linsen, Winterroggen und das sogenannte Landsberger Gemenge (eine Mischung aus Inkarnatklee, Winterwicke und Raygras) sind ebenfalls wertvolle Bodenverbesserer, die jetzt noch gesät werden können. Im Frühling zwei bis drei Wochen vor der Neubepflanzung bodeneben abschneiden, damit das Wurzelwerk Zeit hat, zu verrotten.



Samen für Gründüngung gibt’s zum Beispiel bei Sativa Rheinau: www.sativa-rheinau.ch


Im Blumengarten:

  • Jetzt ist die Zeit, letzte Blumensträusse zu pflücken: Astern, Dahlien, Cosmeen, Sonnenblumen und späte Rosen, aber auch trockene Hortensien, Farne und Gräser, Zweige von Hagebutten, Schlehdorn oder Brombeeren zaubern nochmal etwas Sommer in die Stube.

  • Von vielen einjährigen Blumen und Stauden wie Akelei, Ringelblumen, Tagetes, Mohn, Sonnenblumen, Sonnenhut, Wicken, Schmuckkörbchen, Fingerhut und Disteln können die Samen gesammelt und fürs nächste Jahr aufbewahrt werden. Dafür warten, bis die Fruchtstände ganz trocken sind (oft hört man die Samen darin rasseln, wenn man sie leicht schüttelt) und, nachdem der Tau getrocknet ist, in Couverts schütteln. Sonnenblumenköpfe werden kurz vor dem Verblühen abgeschnitten und zwei bis drei Wochen an einem trockenen Ort ausgelegt. Auch die Samen anderer Pflanzen sollten nach der Entnahme allenfalls noch ein paar Tage nachtrocknen. In Papiersäckchen dunkel, kühl und trocken aufbewahren. Beschriften und datieren nicht vergessen!

  • Trockene Fruchtstände von Päonien, Mohn, Disteln, Jungfer im Grünen, Sonnenhut oder Clematis eignen sich, mit oder ohne etwas Glitzer oder Goldlack, für herbstliche oder weihnachtliche Kränze und Gestecke.

  • Auch wenn‘s nicht so schön aussieht: Am besten lässt man verblühte Stauden bis in den März hinein stehen. Sie bieten Rückzugs- und Überwinterungsorte für Schmetterlinge, Wildbienen und zahlreiche andere Insektenarten. Samen und Insekten sind ausserdem Winterproviant für Vögel.

Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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