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Wenn der Duft des Frühlings die Wildbienen auch im Kühlschrank nicht kaltlässt. Oder warum einen die Aufschieberititis irgendwann einholt

Das bezugsbereite Wildbienenhaus – die Montage dauerte keine zehn Minuten. (Bild: Sandra Weber)

Ist das Kind (zu) still, rät mir mein mütterlicher Instinkt, umgehend nachzuschauen, was es im Schilde führt. Mein Sohn weiss nämlich, wo die Nutella aufbewahrt wird. Sie war diesmal unversehrt, Sohnemann sass auf dem Küchenboden und betrachtete fasziniert eine Biene, die in Panik von ihm weg krabbelte. Um ihn vor einer intensiveren Bekanntschaft zu verschonen (und umgekehrt), sperrte ich das Tier flugs in ein Trinkglas. Weder Biene noch Sohn waren davon begeistert, mir aber dämmerte nun, woher das Tier stammte. Aus unserem Kühlschrank!

Ich hatte nämlich kürzlich ein Wildbienenhäuschen geschenkt bekommen. Und dazu ein Röhrchen mit Mauerbienen in der Winterruhe. Weil es draussen damals noch bitterkalt war und ich mich nicht entscheiden konnte, wo und wann ich das Häuschen montieren sollte, hatte ich das Röhrchen, wie in der Anleitung vorgeschlagen, vorübergehend im Kühlschrank gelagert. Nun hatte man darin anscheinend mitbekommen, dass die Tage wärmer wurden und die Winterlinge in voller Blüte standen.

Winterlinge gehören für Honig- und Wildbienen zu den ersten Nektarquellen im Jahr. Die Bienen im Kühlschrank haben die Blumen offenbar gewittert. (Bild: Sandra Weber)

Ich verwünschte meine Aufschieberitis. Warum hatte ich das Häuschen nicht aufgehängt, als ich es bekommen hatte? Dann wäre die Biene vermutlich an einem schönen Morgen erwacht und hätte den ganzen Tag Zeit gehabt, sich aufzuwärmen, zu stärken und zu orientieren. Jetzt aber stand der Znacht auf dem Tisch und draussen war es dunkel. Wenn ich das Tier nun in die kalte Nacht entliess, würde es vermutlich sterben. Schliesslich verstaute ich die Wildbienen – mittlerweile war eine zweite an einem Joghurt aufgetaucht – vorsichtig in einer Dose mit Holzwolle, was übrigens weit einfacher tönt, als es war, und stellte sie auf den Fenstersims. So würden die Bienen wegen der Kälte nicht zu munter werden, also nicht unnötig Energie verbrauchen, die ihnen dann für die Nektarsuche fehlen würde.

Unter unserem Dach wohnen nun nicht nur drei Generationen Weber, sondern auch die nächste Generation Gehörnter Mauerbienen. (Bild: Sandra Weber)

Während Ehe- und Sohnemann das Abendessen verputzten, dübelte ich mit meinem Vater, den die allgemeine Aufregung auf den Plan gerufen hatte, im Licht der Stirnlampe das Bienenhäuschen an unsere Hausfassade. Es dauerte keine zehn Minuten.

Die Mauerbienen haben die Nacht gut überstanden, eine der beiden wärmt sich in der Morgensonne. (Bild: Sandra Weber)

Am nächsten Morgen öffnete ich die Dose. Bald wärmten sich die Bienen an der Sonne und flogen kurz darauf in Richtung Winterlinge davon. Ich atmete auf. Wie heisst es in dem Sprichwort? ... das verschiebe nicht auf morgen! In Bezug auf Wildbienen rate ich, es zu beherzigen.

Sandra Weber

Erstellt: 07.04.2015, 09:01 Uhr

Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

Wildbienen – FAQs

Was sind Wildbienen?

In der Schweiz leben rund 620 Arten von Wildbienen. Anders als ihre Verwandten, die Honigbienen, leben Wildbienen praktisch alle solitär, das heisst, sie bilden keine Völker (ausgenommen zum Beispiel die Hummeln) und produzieren auch keinen Honig. Jedes Weibchen sorgt in der Regel allein für sich und seinen Nachwuchs.

Sind Wildbienen gefährlich?

Wildbienen sind sehr friedfertig. Man kann sie problemlos aus nächster Nähe beim Nestbau beobachten. Männchen haben anders als Weibchen keinen Stachel. Dieser ist bei kleinen Wildbienenarten ohnehin so schwach, dass er gar nicht durch die menschliche Haut dringt. Wildbienen stechen sowieso nur, wenn sie erdrückt werden und auch dann weniger schmerzhaft als Honigbienen. Sie interessieren sich auch nicht für Süssgetränke und Esswaren.

Warum müssen Wildbienen geschützt werden?

Fast die Hälfte aller Wildbienenarten ist bedroht, weil ihre natürlichen Lebensräume wie Altbaumbestände, Magerwiesen, natürliche Flussläufe und Wildstauden verschwinden und sie unter dem Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft leiden. Dabei sind sie nicht nur wichtiger Teil der Biodiversität, sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag bei der Bestäubung von Pflanzen und der Begrenzung von Schädlingen.

Was ist ein Wildbienenhotel?

Die Bezeichnung Wildbienenhotel ist etwas irreführend. Besser wäre wohl der Name Wildbienen-Nisthilfe. Sie dient den Weibchen nämlich zum Bau von Brutkammern, in die sie Eier und Pollen-Nektar-Proviantpakete ablegen. Danach kümmern sie sich in der Regel nicht mehr um ihre Nachkommen. Leider nutzen nur etwa 5 Prozent aller Arten künstliche Nisthilfen, in der Regel solche, die nicht bedroht sind. Darum ersetzen die Häuser keinesfalls schützende und fördernde Massnahmen in der Natur.

Worauf muss ich beim Kauf oder Bau eines Wildbienenhotels achten?

Nicht alle Wildbienenhäuser sind nützlich. Kriterien für ein gutes Haus finden Sie unter
//www.wildbienen.info/artenschutz/nisthilfen_01.php und unter //www.wildbee.ch/wildbienen/nisthilfen.
Eine gute Anleitung für den Eigenbau finden Sie hier: //www.wildbee.ch/uploads/Nisthilfen-Anleitung_wildBee_.pdf

Soll ich ein Haus kaufen, in dem bereits Wildbienenkokons enthalten sind?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Während der WWF und das kommerzielle Unternehmen «Wildbiene und Partner» vom Nutzen überzeugt sind, rät die gemeinnützige Organisation wildbee.ch eher davon ab. Hier können Sie lesen, warum:
//www.wildbee.ch/2015/03/Brauchen-Private-Wildbienen-Kokons

Was kann ich sonst noch für Wildbienen tun?

Pflanzen Sie im Garten möglichst viele einheimische Wildstauden und Wildfruchtsträucher an, so dass möglichst immer etwas blüht. Pflegen Sie ihren Garten biologisch. Sorgen Sie für Strukturen wie Totholzhaufen, Trockensteinmauern, sandige Stein- und Kiesflächen, lassen Sie Stauden über den Winter stehen. Kaufen Sie Bio-Produkte und setzen Sie sich für den Erhalt von Naturschutzgebieten ein.


Weitere Informationen:

www.wildbee.ch
www.wildbieneundpartner.ch
www.wildbienen.info
www.bienenschutz.ch

Buchtipp

«Das Wildbienenhotel – Naturschutz im Garten», Wolf Richard Günzel, 2008, Pala Verlag

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