Garten-Blog

Steinreich statt schön grün

Unsere Autorin versteht ja, wieso nicht alle Menschen Lust auf Gärtnern haben. Es ist nämlich anstrengend. Aber trotz der langen Liste der Gartenarbeiten im März, ist ein Vorplatz aus Steinen und Beton keine Alternative.

Es war ein einziger Satz, der eine sich anbahnende Freundschaft zum Scheitern verurteilte. Auf die Frage, ob sie auch einen Garten habe, antwortete meine Gesprächspartnerin nämlich: «Ja, aber zum Glück nur einen kleinen!» Dass ich für diese mit einem Seufzer der Erleichterung begleitete Äusserung kein Verständnis aufbringen konnte, versteht sich von selbst, zumal es sich bei der Zitierten nicht um eine gebrechliche, ältere Dame handelte. Nun ja.

Nicht alle haben Lust auf Gärtnern. Es ist nämlich anstrengend.

Gärten und vor allem das Gärtnern sind nicht jedermanns Sache. Wohnt man aber in einer Liegenschaft mit Umschwung, ist deren Pflege ein Muss, andernfalls macht sie sich im Nu selbständig. Immer häufiger sieht man daher Grünflächen, die einfach mit einer Lastwagenladung Steine zugedeckt werden.

Vielerorts werden Grünflächen in vermeintlich pflegeleichte Geröllhalden verwandelt.

Die Pflege solcher Geröllhalden kommt Menschen entgegen, die ein Faible für Filme wie «Transformers» oder «Terminator» haben, reicht es doch, einmal im Jahr mit Laubbläser, Hochdruckreiniger und Flammenwerfer bewaffnet durch das Steinreich zu schreiten und jegliches Zeichen von Leben lautstark und gnadenlos zu vernichten.

Gelegentlich werden die Steinwüsten mit Kiefern oder Koniferen aufgehübscht, die dann dort stehen, wie einsame Überlebende eines Bergsturzes. Mit Steingärten im ursprünglichen Sinn – gepflegten Biotopen bergwehgeplagter Alpinisten, die sich mit Edelweiss und Enzian die Flora ihrer geliebten Gebirgswelt ins Flachland holen – hat das nichts mehr zu tun.

Zum Glück lässt sich die Natur nicht so leicht unterkriegen. Dem Zymbelkraut (Cymbalaria muralis) reicht schon die kleinste Ritze an einer sonnigen Mauer.

Neuerdings werden Steine auch vertikal eingesetzt: in Form aneinandergereihter Platten ersetzen sie ganze Hecken. Statt in Naturstein gibt es sie, für Preisbewusste und Fans von Lärmschutzwänden, auch als Betongusselemente: ein platzsparender, pflegeleichter Sichtschutz mit A1-Charme. Nebenbei kann man so auch lästige Kleintiere wie Amseln, Marienkäfer und Schmetterlinge im Garten auf ein Minimum beschränken.

Statt mit Hecken kann man sein Grundstück auch mit pflegeleichten Betongusselementen abgrenzen.

Ganz ehrlich, als vielbeschäftigte Mutter zweier Kleinkinder scheint mir der Gedanke, im Garten nicht auch noch für Ordnung sorgen zu müssen, zuweilen ebenfalls verlockend. Im ersten Moment. Mit Gartenarbeit verhält es sich aber wie mit Sport: Erst muss man sich dazu überwinden. Mittendrin schwankt man zwischen Vergnügen und Verzweiflung. Anschliessend aber, bei eiskalter Schorle im Liegestuhl, ist man einfach nur glücklich. Und saustolz auf das getane Werk.

Abseits von Steingärten gibt’s im März jede Menge zu tun:

  • Rasen an einem trockenen Tag mit einem Vertikutiergerät durchlüften und von Moos befreien. (Vertikutiergeräte können im Fachhandel gemietet werden.)
  • Jäten und verblühte Stauden, die über den Winter stehen gelassen wurden, abschneiden. In einer ruhigen Ecke für Kleinlebewesen aufbeigen oder, als ideale Kompostbeigabe, häckseln.
  • Stauden, die zu gross geworden sind, ausgraben, mit der Stechgabel teilen und wieder einpflanzen.
  • Staudenbeet mit einer zwei bis drei Zentimeter dicken Schicht Reifekompost bedecken oder Langzeitdünger verteilen.
  • Grosse, verblühte Schneeglöckchenhorste ausgraben und teilen.
  • Noch bis Ende Monat wurzelnackte Sträucher pflanzen.
  • Rosen zurückschneiden und mit Hornmehl und Kompost oder einem speziellen Rosen-Langzeitdünger düngen.
  • Neue Beete anlegen.
  • Austreibende Stauden wie Funkien (Hosta) vor Schnecken schützen.
  • Kräuter wie Ysop, Thymian, Salbei, Rosmarin und Bohnenkraut um einen bis zwei Drittel zurückschneiden.
  • Gemüsebeete sanft und nur oberflächlich umgraben, mit einer 5 cm dicken, mit etwas Hornspänen gemischten Kompostschicht bedecken und dann ca 10 Tage ruhen lassen.
  • Bei Erdbeeren verdorrte Blätter entfernen, jäten und Kompost verteilen.
  • Heidelbeeren und Kiwi zurückschneiden.
  • Him- und Brombeerbeete mit Strauchhäcksel und Kompost mulchen.
  • Erbsen, Karotten, Spinat, Zwiebeln, Chicorée direkt ins Beet säen, Austrieb vor Schnecken schützen.
  • Kartoffeln vorkeimen.
  • Am hellen Fensterbrett oder im Frühbeet Blumen- und Gemüsesamen wie Tomaten vorsäen.

Sandra Weber

Erstellt: 09.03.2016, 12:17 Uhr

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Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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