Garten-Blog

Schneeglöckchen im Gruppendruck

Schön und gifig: Das Schneeglöckchen zeigt im Garten das Ende des Winters an.

Boten des Frühlings: Krokusse in der Frühlingssonne. Bild: Sandra Weber

Dieses Jahr blieb der Schnee so hartnäckig liegen, dass ich zwischenzeitlich versucht war, dem Frühling mit dem Haarfön auf die Sprünge zu helfen. Zwar hat sich Sohnemanns Schneeabneigung gelegt, nicht wegen der Vogelfutterstation, die von der Zielgruppe so beleidigt ignoriert wurde, als hätten wir Arsenknödel aufgehängt, sondern dank dem Schneemann, den das Kind solange mehrmals täglich zu besichtigen wünschte, bis er sein Leben ausgehaucht hatte – was für Sohnemann übrigens schwer zu akzeptieren war. Unermüdlich steckte er ihm die bereits halb kompostierte Rüeblinase zurück ins weggeschmolzene Gesicht. Noch jetzt, wo bereits die ersten Gänseblümchen strahlen, zeigt er auf die Stelle, wo der Verblichene zu stehen pflegte und ruft anklagend: «Neemaa!» Für ihn hätte der Winter also ruhig noch etwas andauern dürfen. Ich aber begrüsse jedes Amselzwitschern, jedes Krokus, ja sogar die Osterhasenhorden in den Gestellen wie verloren geglaubte Freunde, verraten sie doch, dass der Frühling vor der Tür steht.

Sobald der Schnee weg ist, öffnen sich Winterlinge und Gänseblümchen. (Ich habe nicht mit dem Fön nachgeholfen, ehrlich.) Bild: Sandra Weber
Im Garten öffnen sich nun die Winterlinge und dort, wo ich mich im Herbst doch noch aufgerafft hatte, Zwiebeln zu vergraben, kämpfen sich grüne Spitzen zielstrebig durch den Boden. An den unmöglichsten Orten treffe ich auf einsame Schneeglöckchen.

Ein einsames Schneeglöckchen. Bild: Sandra Weber
«Und aus der Erde schaut nur / Alleine noch Schneeglöckchen; / So kalt, so kalt ist noch die Flur, / es friert im weissen Röckchen», dichtete Theodor Storm und er kann fast nur unseren Garten gemeint haben, denn überall sonst versammelt sich das weisse Blümchen in geselligen Kolonien. Dass sie bei uns eher als Solitäre auftreten, liegt nicht an mir, sondern an den Ameisen, welche die Schneeglöckchensamen sammeln und im Garten verteilen. Dafür verzeihe ich ihnen fast, dass sie den Rest des Jahres damit verbringen, Blattlausherden auf meinen Stauden zu hegen. Schneeglöckchen wirken in Gruppen aber einfach besser. Nach der Blüte wäre der richtige Zeitpunkt, sie auszugraben und umzusiedeln.

Schneeglöckchen bei uns im Garten … … und bei anderen Leuten: Gemeinsam mit Märzenbechern bilden sie mancherorts ganze Teppiche. Bilder: Sandra Weber
Andererseits – dort wo meine Einsiedler jetzt wachsen, scheinen sie sich wohl zu fühlen. Bei meinem grünen Daumen bezweifle ich, ob das an den von mir ausgesuchten Standorten auch der Fall wäre. Mit etwas Geduld werden sie sich ganz von selbst weiter ausbreiten. Und eigentlich mache ich mich im Frühling noch gern auf die Suche nach den weissen Blümchen. Da kann ich schon mal für Ostern üben.

Sandra Weber

Leben …

… und Sterben …
… eines Schneemannes. Bilder: Sandra Weber

Erstellt: 02.04.2015, 14:45 Uhr

Tipps und Tricks

Mehr über Schneeglöckchen

Schneeglöckchen (Galanthus) sind in Teilen Europas, Südwest-Asien und vom Kaukasusgebiet bis zum Kaspischen Meer beheimatet. Innerhalb der Gattung Galanthus, welche übrigens zur Familie der Amaryllis-Gewächse gehört, gibt es gegen zwanzig verschiedene Arten, etwa das bekannte, auch in der Schweiz einheimische, aber ausserhalb von Gärten sehr selten gewordene «Kleine Schneeglöckchen» (Galanthus nivalis). Da Schneeglöckchen schon früh in Klöstern kultiviert wurden, existieren heute über 500 Zuchtsorten.

Schneeglöckchen fühlen sich in humosem, auch im Sommer leicht feuchtem Boden in der Nähe von Sträuchern und Bäumen am wohlsten – allerdings nicht unter Nadelgehölz. Früh blühende Arten benötigen volle Sonne, die anderen kommen auch mit Halbschatten klar.

Schneeglöckchen blühen je nach Witterung von Februar bis März. Danach senkt sich der Fruchtknoten auf den Boden, wo er aufplatzt und die Samen frei gibt. Auf diese Art breiten sich Schneeglöckchen pro Jahr um ca. 2 bis 3 cm aus – wenn die Wetterbedingungen zur Blütezeit Insektenflug ermöglicht hat. Die Samen werden gern von Ameisen gesammelt, die den sogenannten Fruchtkörper zum Fressen gern haben, der eigentliche Samen bleibt dabei unbehelligt.

Rascher geht die Ausbreitung, wenn üppige Horste nach der Blüte ausgegraben und geteilt werden, bevor man sie in einigem Abstand wieder einsetzt. Sie werden in den Folgejahren rasch grösser und kräftiger. Natürlich kann man im Herbst, am besten schon Ende September, auch Zwiebeln pflanzen.

Dünger benötigen Schneeglöckchen im Gartenboden keinen. Falls Schneeglöckchen in der Wiese wachsen, darf diese erst gemäht werden, wenn die Blätter der Pflanze vollständig verwelkt sind. Über die Blätter werden wichtige Nährstoffe für die Zwiebel gebildet. Danach ziehen die Pflanzen über den Sommer komplett ein.

Achtung: Alle Pflanzenteile des Schneeglöckchens sind giftig.

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Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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