Garten-Blog

Keine Angst vor Tomaten

Wie es Green Zebra, Schneewittchen, Black Cherry und Co. schafften, den gartenmuffligen Ehemann in einen Anbauprofi zu verwandeln. Oder was Tomaten und Kinder gemeinsam haben.

Tomaten waren mir lange Zeit suspekt. Ich hielt sie für südländische Diven mit jeder Menge Allüren: Sie wünschen es luftig, aber nicht windig. Sie möchten viel Sonne, aber trotzdem einen gleichmässig feuchten Boden. Ja nicht zu viel Wasser! Und wehe die Blätter werden nass! Dann reagieren sie beleidigt mit Braunfäule, Mehltau oder anderen Sperenzchen.

Ausserdem sah ich nicht ein, warum ich für wässrige, geschmackslose Knollen Platz opfern sollte, vom wenigen, hart umkämpften, sonnigen noch dazu. Doch dann erlebte ich an einem Markt, wie Tomaten schmecken, wenn sie frisch und sonnenwarm aus dem Garten kommen.

Zugegeben, es gibt fast nichts besseres: Frische, sonnengereifte Tomaten auf dem Gartensalat.

Mein Widerstand war gebrochen – zur Begeisterung meines Mannes, der sich seit Jahren Tomaten gewünscht hatte. «Aber DU musst dich um sie kümmern», sagte ich zu ihm. Schliesslich war ich schon mehrfach an angeblich pflegeleichten Zucchetti und Kürbissen gescheitert. Nicht auszudenken, was ich mit Tomaten anstellen würde.

Meine Frustrationstoleranz war am Limit. Ich wollte mich nur noch Pflegeleichtem widmen. Brennnesseln zum Beispiel. Mein Mann liess sich nicht einschüchtern. Mit launischen Diven kannte er sich aus, schliesslich hatte er mich durch meine Schwangerschaft begleitet. Flugs machte er sich an den Bau eines Tomatenhäuschens.

Weiss was Tomaten wollen: Der Mann im Haus verhilft den wasserscheuen Diven zu einem Dach über dem Kopf ...

Und schon bald bezogen Green Zebra, Schneewittchen, Black Cherry und Co. ihr Domizil an der Hauswand. Misstrauisch überwachte ich ihre Entwicklung – und die Wandlung meines gartenmuffligen Ehemanns zum Tomatenprofi, der Begriffe wie «ausgeizen» kannte.

... und kümmert sich hingebungsvoll, aber nicht ZU hingebungsvoll, um sie.

Schon das Giessen schien eine Wissenschaft für sich. Zu stark gegossene Tomaten schmecken wässrig und neigen zum Platzen, zu wenig gewässerte fallen ab und unregelmässig gegossene können sich die Blütenendfäule holen. Doch zu meinem Erstaunen stiessen sich die Damen schon bald die Köpfe am Dach. Und dies, obwohl man ihnen keineswegs die Aufmerksamkeit zukommen liess, die sie angeblich brauchen. «Vielleicht sind Tomaten wie Kinder“, meinte mein Mann. „Man darf sie weder über – noch unterbehüten.»

Die erste Ernte dieses Jahr: Tomaten der Sorte Black Cherry.

Auch schon bald reif: Green Zebra, die, wie der Name sagt, grün bleibt.

Nun geht Projekt «Tomate» schon ins vierte Jahr – und kann durchwegs als Erfolg verbucht werden: Von Juli bis September werden wir jeden Sommer mit köstlichen Früchten beschert, welche es sogar schafften, Sohnemanns Gemüseabneigung zu kurieren. Auch wenn er die Tomätli nur SÄLBER gepflückt essen will.

Tomatenwunder: Frisch gepflückt kurierten sie sogar Sohnemanns Gemüseabneigung.

Tipps und Tricks zur Tomatenpflege

  • Auswählen: Die Tomatenvielfalt ist sowohl bezüglich Geschmack als auch Aussehen enorm: Es lohnt sich, verschiedene Sorten zu probieren. Besonders spannend: Die rund 130 alten Tomatensorten, um deren Erhalt sich Pro Specie Rara kümmert.
  • Aussäen: Tomaten ab März an einem hellen Platz im Haus in nährstoffarme Aussaaterde säen, die kräftigsten auswählen, pikieren. Oder Pflänzchen an einem Setzlingsmarkt kaufen.
  • Auspflanzen: Mitte Mai an ein möglichst sonniges Plätzchen in nährstoffreiche, durchlässige Erde setzen, vor Schnecken schützen. Beim Pflanzen in den Topf Erde nur zu etwas mehr als die Hälfte einfüllen, während der Wachstumsperiode laufend auffüllen, so bilden die Pflanzen mehr Wurzeln. Bei der Pflanzung 2 bis 3 Liter reifen Kompost oder 20 bis 30 g organischen Langzeitdünger pro Pflanze zugeben.
  • Ausgeizen: Zweige, die schräg zwischen dem Haupttrieb und den Seitentrieben wachsen, sollten laufend abgebrochen werden, damit sich die Kraft der Pflanze ganz auf die Haupttriebe und die Fruchtbildung konzentrieren kann. -Schützen: Spätestens ab Juli sollten Tomaten mit einem Dach vor Regen geschützt werden. Nasse Blätter sind anfällig auf allerlei Pilzkrankheiten, die über den Wind verbreitet werden. Vorbeugend können die Pflanzen auch mit Steinmehl bestäubt oder mit Schachtelhalmbrühe besprüht werden. Sind Pflanzen befallen, müssen alle befallenen Teile entfernt und über den Kehricht (nicht im Kompost) entsorgt werden.
  • Stützen: Tomaten müssen aufgebunden werden, damit sie vom Gewicht der Früchte nicht umknicken und im Freiland Sturmböen standhalten. -Giessen: Zu stark gegossene Tomaten schmecken wässrig und neigen zum Platzen, zu wenig gewässerte fallen ab und unregelmässig gegossene können sich die sogenannte Blütenendfäule holen, die zu ungeniessbaren Früchte mit schwarzem Ansatz führt. Am besten gleichmässig feucht halten. -Düngen: Tomaten sind Starkzehrer und brauchen viele Nährstoffe. Insbesondere Tomaten im Topf benötigen wöchentliche Gemüse-Flüssigdüngergaben. Dünger kann auch selbst hergestellt werden: 1 kg Brennnesseln oder Beinwell pro 10 Liter Wasser, 1 bis 2 Wochen gären lassen, bis es nicht mehr schäumt, täglich umrühren. Im Verhältnis 1:10 mit Wasser mischen und damit giessen.
  • Ernten: Bricht der Herbst an, befinden sich oft noch grüne Tomaten am Strauch. Sie können, ein paar Tage in einer Papiertüte in der Küche gelagert, noch nachreifen. Ein Apfel in der Tüte unterstützt den Prozess. -Samen gewinnen: Tomatenkerne aus der Frucht schaben und ein bis zwei Tage in einem Glas Wasser einlegen. In einem Sieb waschen, die gallertartige Masse sollte sich nun gut von den Samen lösen. Auf Küchenpapier gut trocknen lassen und dann in einer Papiertüte bis zum Frühling aufbewahren.

Sandra Weber

Erstellt: 30.07.2015, 10:20 Uhr

Veranstaltungshinweis

Stadt-Tomaten-Fest Zürich
Saatgut-Tauschbörse, Degustation von 80 Tomatensorten (darunter viele Pro Specie Rara-Sorten

Vielfaltsmarkt, Diskussionsrunde zum Thema «Wem gehört Saatgut?»

6. September 2015, 10 – 17 Uhr, Bürkliplatz Zürich

www.stadt-tomaten.ch

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Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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