Herbst geht durch den Magen

Eigentlich wollte unsere Autorin das Dekorieren ihrer Wohnung künftig unterlassen, aus Rücksicht auf den Haussegen. Doch ganz ohne Kürbisse geht es im Herbst halt doch nicht.

Mein Mann ist kein Fan von Deko. Meine Versuche, unsere Wohnung stimmungsmässig der jeweiligen Saison anzupassen, werden bestenfalls toleriert, nicht aber ästimiert. Sohnemann dagegen liebt Deko. Bloss versteht er nicht, warum ein im Gang verstreuter Blumenstrauss weniger hübsch sein soll, als einer, der in der Vase steht, geschweige denn, warum die bunten Eier an den Kirschenzweigen nicht zum «Tütschen» gedacht sind.

Mittlerweile habe ich das Dekorieren aufgegeben – auch um des Haussegens willen, der jeweils pünktlich zum Saisonwechsel hin schief hing, beschuldigte ich den Kindsvater doch jedes Mal, absichtlich wegzusehen, wenn sich unser Zweijähriger begeistert einem neuen Dekoobjekt näherte.

Während den einen das Dekorieren zum Saisonwechsel so gar nichts sagt, bauen andere ganze Kunstwerke. Ein Alphornbläser aus Kürbissen. (Bild: Sandra Weber)

Nun aber ist Oktober und ich kann es einfach nicht lassen. Kürbisse vor der Haustüre gehören für mich zum Herbst wie Marroni und Morgennebel.

So schwinge ich mich aufs Velo, um im Hofladen meines Vertrauens die schönsten Exemplare auszuwählen – und verwünsche mich alsbald für meine Gier, komme ich doch mit meiner Last, welche nebst drei stattlichen Kürbissen auch ein mittlerweile stattliches Kleinkind umfasst, auf dem Heimweg gehörig ins Schnaufen.

Welcher Kürbis soll es denn heute sein? Die Auswahl ist gross. (Bild: Sandra Weber)

Während ich bis zu den Ellbogen in einem «Big Max» stecke und mit baren Händen glibberige Masse in den Komposteimer schaufle, verziehen sich Gatte und Sohn auf den Spielplatz, empört, dass ich die orangen Riesen nicht zu Kuchen, sondern zu Laternen verarbeite. «Foodwaste», kommentiert mein Mann. Und ob er noch ein paar Kartoffeln und Lauchstangen vor die Tür legen solle.

Foodwaste oder Kreativität? Das Schnitzen eines Kürbis ist auf jeden Fall Schwerstarbeit. (Bild: Sandra Weber)

Leider ähnelt meine kreative Schöpfung frustrierend wenig der Vorlage aus dem Internet. Und der Abendwind bläst die Kerze aus, noch bevor ich wieder im Haus bin. Resigniert betrachte ich den eher debil als dämonisch grinsenden Kürbis, dem bereits ein schwarzes Schimmelpelzchen wächst.

«Dafür ist er so gross, dass ihn nicht mal Sohnemann kaputt kriegt», tröstet mich mein Mann. Und verarbeitet die restlichen Kürbisse zu Kuchen.

Laternen aus Kürbissen sollten, damit sie länger halten, nicht zu warm haben, nicht nass werden und nicht bei Minusgraden draussen stehen. (Bild: Sandra Weber)

Eigentlich hat er Recht, denke ich, als ich auf dem Weg zum Kompost die bunten Ahornblätter, die Hagebutten und die letzten knallgelben Staudensonnenblumen im Garten betrachte – alles in ein so wunderbar goldenes Licht getaucht, wie es nur die Oktobersonne hinkriegt. Es braucht gar keine Herbstdeko vor der Haustür. Der Herbst ist Deko genug.

Werden echte Kerzen verwendet, sollten die Öffnungen nicht zu gross und nicht zu weit unten sein, damit der Wind sie nicht ausblasen kann. (Bild: Sandra Weber)

Sandra Weber

Erstellt: 16.10.2015, 16:32 Uhr

Kürbislaternen schnitzen

Beim Kürbis einen «Deckel» abschneiden. Kürbis von Hand aushöhlen, Reste der Fasern und Kerne mit einem Löffel auskratzen, damit das Innere des Kürbis möglichst glatt und sauber ist. Mit Küchenpapier trocknen.

Gewünschtes Muster mit wasserfestem Stift aufzeichnen, evtl. Schablone benützen. Mit einem Küchenmesser ausschneiden. Man kann auch mit einer Bohrmaschine ein Lochmuster in den Kürbis bohren. Die Schnittkanten mit Küchenpapier trocknen.

Kürbis-Muffin-Rezept

Für 12 Muffins

200 g Mehl
280 g Zucker
1 EL Backpulver
1 Prise Salz
1 TL Zimt
0.5 TL Muskatnuss gerieben
0.5 TL Ingwer gemahlen
1 Prise Gewürznelken gemahlen
0.5 TL Lebkuchengewürz
225 g Speisekürbis z. B. „Butternut“ (geraffelt oder gekocht und püriert)
1.2 dl Milch (oder Butter-, Soja-, Reismilch)
1.2 dl Rapsöl (kalt gepresst)

Varianten:
Das Grundrezept kann mit gehackten Baumnüssen, Preiselbeeren oder Schokoladenstückchen ergänzt werden.

Backofen auf 200 Grad vorheizen. Trockene und nasse Zutaten separat vermengen, dann alles zusammenmischen. Mischung in Papierförmchen füllen und ca. 20 min backen.

Mit Puderzucker, Zimt-Zucker bestreut oder Puderzucker-Zitronenguss geniessen.

Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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