Garten-Blog

Goldmarie, Pechmarie und der Komposthaufen

Wer Grünabfälle kompostiert statt sie in den Müll zu werfen, beruhigt sein grünes Gewissen. Doch wer glaubt, es sei damit getan, im Garten einfach alles auf einen Haufen zu werfen, dem wird es bald gewaltig stinken.

Fristete lange Zeit ein elendes Dasein: Der Kompost in unserem Garten. Im Bild zu sehen ist schon die überarbeitete Version. (Bild: Sandra Weber)

Betrete ich unseren Garten, fühle ich mich zuweilen ins Märchen von Frau Holle versetzt. Von allen Seiten scheint es zu klagen: «Mäh mich, ich bin schon viel zu lang!», «Reiss mich aus, ich überwuchere deine Stauden!» oder «Giess mich, ich bin viel zu trocken!» Am lautesten rief bis anhin der Komposthaufen und zwar ganz schlicht: «Kümmere dich um mich!» Nicht mal im Haus konnte ich sein Gejammer ignorieren, befiel mich doch jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich Salat rüstete und die Überreste im Müll landeten.

Eigentlich wäre es einfach: Grünzeug in einer Gartenecke aufschichten, warten, fertig. Dass richtiges Kompostieren doch nicht so leicht ist, merkte ich, als ich mit dem Garten de facto auch die Pflege des uralten Komposthaufens übernahm. Er hatte keinerlei Ähnlichkeit mit der schwarzen krümeligen Masse, die man in Gartenbüchern sieht. Beim zaghaften Stochern in der übelriechenden, schneckenverseuchten Masse stiess ich auf Adventskranzskelette, fast vollständig erhaltene Blumensträusse und Räbeliechtli aus den späten Achtzigerjahren. Ich «gruuse» mich nicht so schnell – der regelmässige Umgang mit einem Kleinkind härtet einen diesbezüglich ja gehörig ab – dennoch liess ich den Komposthaufen lange links liegen.

Hausgemachter Dünger: Wer sich die Mühe macht, einen Kompost zu bewirtschaften, wird mit besserem Pflanzenwachstum belohnt. (Bild: Sandra Weber)

Letztes Jahr aber packte mich mein grünes Gewissen. Und der Ehrgeiz. Schliesslich ist Kompost der beste Pflanzendünger und Bodenverbesserer überhaupt. Ich schickte also meine innere Pechmarie in die Wüste und stürzte mich in die Welt des Kompostes. Dank Fachliteratur, Nasenklammer und Gesprächen mit Experten konnte ich bei unserem Haufen alsbald eine Überdosis Küchenabfälle diagnostizieren. Dabei benötigt er zum guten Gelingen strukturgebendes, trockenes Material wie Schilfhäcksel und dürre Stauden als Ausgleich. Ein Regenschutz verhindert, dass der Kompost zu nass wird. Und weil Würmer keine Zähne haben, zerkleinern wir jetzt alles auf Fingerlänge.

Kompostgerecht zerkleinert: Rüstabfälle, die grösser als 15 cm sind, müssen nochmals unters Messer. (Bild: Sandra Weber)

Nun, da ich weiss, was auf den Kompost gehört und was nicht, sorge ich mit militärischer Disziplin dafür, dass es auch die Hausgemeinschaft beachtet – was meiner Beliebtheit ehrlich gesagt nicht immer zuträglich ist. Egal. Wenn meine Strapazen, hoffentlich rechtzeitig zu Beginn der Gemüsegartensaison, belohnt werden, werde ich mich wie Goldmarie fühlen. Auch wenn mein Gold dann krümelig und pechschwarz ist!

Sandra Weber

Erstellt: 05.05.2015, 20:26 Uhr

Kompost – FAQs

Warum ist Kompost so gut für den Boden?
In pflanzlichen Abfällen stecken eigentlich alle Nährstoffe, welche Pflanzen im Wachstum benötigen. Diese Nährstoffe müssen allerdings erst von einer Vielzahl Würmern und Mikroorganismen freigesetzt und gespeichert werden. Reifer Kompost ist somit auch voller hilfreicher Kleinstlebewesen, welche vor Ort die Bodenstruktur verbessern und das Bodenleben aktivieren.

Was gehört auf den Kompost?
Auf 10 bis 15 cm zerkleinerte Rüstabfälle von möglichst ungespritztem Obst und Gemüse, Kaffeesatz, Teekraut, Pflanzenteile, Kleintiermist von Pflanzenfressern, Laub und Rasenschnitt. Stark Verholztes häckseln. Eierschalen mit Wallholz zerdrücken. Küchenkomposteimer am besten täglich leeren, damit Material wegen Sauerstoffmangels nicht zu faulen beginnt.

Was gehört nicht auf den Kompost?
Fleisch, Knochen, Speisereste, Blumensteckschaum, Katzenstreu, Katzen- und Hundekot, Sägemehl, Hobelspäne, Staubsaugersäcke, Asche, Laub von Eiche, Platane, Thuja und Nussbaum, Winden-, Distel-, Baumtropf- und Queckenwurzeln, kranke, von Schädlingen befallene Pflanzen, Dornen, Stacheln, kompostierbare Plastiksäcke.

Warum keine kompostierbaren Plastiksäcke?
Sogar professionelle Kompostierwerke haben Mühe, die hohen Temperaturen zu erreichen, die nötig wären, um kompostierbaren Plastik zu zersetzen!

Wie sieht`s mit Häcksel aus?
Darüber gehen die Meinungen auseinander. Häcksel zersetzt sich nur sehr langsam und wirkt auf den Boden eher sauer. Allerdings hilft Häcksel, Struktur in die Kompostmasse zu bringen, insbesondere, wenn andere trockene Materialen wie Schilfhäcksel und dürre Staudenteile rar sind.

Wie bringt man die richtige Mischung hin?
Als Faustregel gilt: stets Grünes, Nasses (Rüstabfälle, Pflanzenteile, Rasenschnitt, Laub) mit Braunem, Trockenem (Gartenerde, dürre Stauden, Häcksel, Schilfhäcksel) mischen oder in dünnen wechselnden Schichten einfüllen. Es sollte nie ein Material im Überfluss im Kompost landen. Trockenes allein zersetzt sich kaum, während weiche, feuchte Sachen zusammenfallen und verkleben, wodurch sich der Luftaustausch vermindert und Fäulnis und üble Gerüche entstehen. Das Material sollte nicht verfaulen, sondern verrotten. Stimmt der Mix, sind käufliche Kompostierhilfen überflüssig.

Was ist sonst zu beachten?
Am besten hat man drei Behälter. Im ersten wird gesammelt, im zweiten darf der entstehende Kompost ruhen, im dritten befindet sich der fertige Humus bereit zum Ausbringen. Kompost sollte feucht, aber nicht nass sein, darum Behälter vor Regen schützen und nur, wenn der Inhalt sehr trocken ist, etwas giessen.

Wann ist der Kompost bereit und wie wende ich ihn an?
Nach ca. 4 bis 12 Monaten Ruhezeit. Reifer Kompost gleicht schwarzer, krümeliger Erde. Ausser Sachen wie Holzstücken, Eierschalen und Avocadosteinen hat sich alles zersetzt. Kompost kann im Frühling auf Blumen- und Gemüsebeete (je nach Nährstoffbedarf 1 – 6 Liter/m2), unter Obstbäumen und Beerensträuchern (2 – 3 Liter/m2) und unter Sträuchern (1 – 2 Liter/m2) verteilt und nur ganz oberflächlich eingearbeitet werden. Für Setzlinge und Topfkulturen Kompost sieben.

Weitere Informationen:
Infos, Fragen und Antworten und Adressen von Kompostberaterinnen und Kompostberatern
www.kompost.ch
www.kompostberatung.ch
Bioterra-Merkblatt «Kompost – Das Gold des Biogartens», bestellen via www.bioterra.ch/shop
«Das Kompostbuch», von Agnes Pahler, 2013 Pala Verlag, ca. CHF 19.80

Tipp

Wer schon Kompost, aber noch keine Setzlinge hat, besucht kommenden Samstag den Setzlingsmarkt im sehenswerten Garten von Schloss Hegi. Zu finden sind da auch seltene alte Gemüsesorten der Stiftung Pro Specie Rara. Ausserdem gibt’s Beratung von Fachleuten.

Setzlingsmarkt Schloss Hegi, 9. Mai 2015, 10 bis 16 Uhr, Festwirtschaft bis 21 Uhr.
Schloss Hegi, Hegifeldstr. 125, 8409 Winterthur

Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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